Asbest im Haus erkennen: Baujahr, typische Stellen und andere Schadstoffe im Altbau
Aktualisiert am 1.11.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Asbest kann in jedem Haus stecken, mit dessen Bau vor dem Verbot am 31. Oktober 1993 begonnen wurde: in Dach- und Fassadenplatten, Bodenbelägen, Klebern, Spachtelmassen und Nachtspeicheröfen. Sehen kannst du ihn nicht, Gewissheit gibt nur eine Materialprobe im Labor. Teuer wird es vor allem, wenn du umbauen willst, denn dann müssen Fachbetriebe ran.
Ab welchem Baujahr Asbest möglich ist
Seit dem 31. Oktober 1993 sind Herstellung und Verwendung von Asbest in Deutschland verboten. In Häusern, deren Bau vorher begann, musst du mit Asbest rechnen, auch in später eingebauten Bodenbelägen, Fensterbänken oder Nachtspeicheröfen. Das gilt für Häuser der 1960er bis 1980er Jahre besonders, aber auch für ältere Häuser, die in dieser Zeit umgebaut wurden.
Wo Asbest typischerweise steckt
Die Verbraucherzentrale nennt unter anderem diese Materialien:
- Asbestzement: Dach- und Fassadenplatten, Fensterbänke, Lüftungskanäle, Blumenkästen
- Bodenbeläge wie Floor-Flex-Platten und Cushion-Vinyl, dazu schwarzer Bitumenkleber
- Fliesenkleber, Putze, Spachtelmassen, Beschichtungen und Kitte
- Nachtspeicheröfen
- Spritzasbest, Asbestpappen, -platten und -schnüre, etwa an Heizungen und Öfen
Weitere Schadstoffe im Altbau
| Stoff | Wann verbaut | Wo | Wie du es prüfst |
|---|---|---|---|
| Asbest | bis zum Verbot 31.10.1993 | Platten, Böden, Kleber, Spachtel | Materialprobe im Labor |
| PCB | offene Anwendung bis zum Verbot 1978 | dauerelastische Fugen, Anstriche | Raumluftmessung oder Materialprobe |
| Alte Mineralwolle | vor 1996 eingebaut | Dämmung in Dach, Wänden, Decken | Herstellerangaben, sonst wie alte Mineralwolle behandeln |
| Blei | Wasserleitungen, im Norden und Osten teils bis 1973 | Trinkwasserleitungen | Rohre ansehen, Wasserprobe |
| PAK (Teer) | ältere Häuser | teerhaltiger Parkettkleber, Dachpappe | Materialprobe vor dem Abschleifen |
Quellen: Verbraucherzentrale, Umweltbundesamt, TRGS 521, Trinkwasserverordnung. Die Jahre sind Grenzen für den Verdacht, kein Befund.
So erkennst du Asbest
Am Aussehen erkennst du Asbest nicht sicher. Gewissheit gibt nur eine Materialprobe, die ein Labor untersucht. Die Kosten für Probe und Analyse trägt, wer sie in Auftrag gibt.
- Baujahr und Umbauten klären: Was wurde vor November 1993 eingebaut?
- Den Verkäufer nach Schadstoffuntersuchungen, Sanierungen und Entsorgungsnachweisen fragen
- Bei der Besichtigung auf graue Faserzementplatten an Dach, Fassade und Garage achten, auf alte Bodenplatten und schwarzen Kleber
- Vor einem Umbau Proben nehmen lassen, bevor du Angebote einholst
Was du selbst darfst und was nicht
Asbest abtragen, Putz oder Kleber abschlagen und Spachtelmassen abschleifen dürfen nur Fachbetriebe. Sie müssen die Arbeiten mindestens eine Woche vorher bei der Behörde und der Berufsgenossenschaft anzeigen. Einige Arbeiten sind auch für dich erlaubt, andere für niemanden:
- Erlaubt: Flächen überstreichen oder übertapezieren, wenn Asbest nur in tieferen Schichten steckt
- Erlaubt: intakte Fliesen überfliesen, neuen Boden lose auf einen intakten Belag legen
- Erlaubt: Löcher bohren mit Absaugung über einen Industriesauger mindestens der Staubklasse M
- Verboten: Asbestzementdächer dauerhaft überdecken, etwa mit einer Solaranlage
- Verboten: Asbestzementdächer oder -fassaden reinigen oder beschichten
Gefahrstoffverordnung: was seit Dezember 2024 gilt
Seit dem 5. Dezember 2024 gilt die geänderte Gefahrstoffverordnung. Wer Arbeiten an einem Gebäude in Auftrag gibt, auch als Privatperson, muss dem Handwerksbetrieb vorher alle vorliegenden Informationen zu vorhandenen oder vermuteten Gefahrstoffen geben, mit zumutbarem Aufwand (§ 5a GefStoffV). Für Asbest reicht bei Häusern mit Baujahr vor 1993 das Baujahr; bei Baujahr 1993 bis 1996 ist der Baubeginn anzugeben.
Eine Pflicht, vor jeder Arbeit selbst Proben nehmen zu lassen, steht dort nicht. Praktisch wird der Betrieb aber bei einem Haus vor 1993 nach Proben fragen oder Schutzmaßnahmen einpreisen.
Kosten und Kaufpreis
Was eine Sanierung kostet, hängt von Material, Menge, Zugänglichkeit und Entsorgung ab. Verlässliche Pauschalen gibt es nicht. Planst du nach dem Kauf Umbauten, lass vor dem Notartermin Proben nehmen und hol Angebote von Fachbetrieben ein, die nach TRGS 519 arbeiten. Der Betrag gehört in die Preisverhandlung.
Nach der Verbraucherzentrale kann eine Asbestsanierung je nach Umständen als außergewöhnliche Belastung steuerlich absetzbar sein. Frag dazu eine Steuerberatung.
Häufige Fragen
- Ist Asbest im Haus gefährlich?
- Gefährlich sind die Fasern, die beim Bohren, Schleifen, Brechen oder Abschlagen frei werden. Fest gebundenes, unbeschädigtes Material setzt wenig frei.
- Ab welchem Baujahr ist ein Haus asbestfrei?
- Asbest ist seit dem 31. Oktober 1993 verboten. Bei Häusern, deren Bau danach begann, ist er nicht zu erwarten, außer in wiederverwendeten Altmaterialien.
- Darf ich auf ein Asbestdach eine Solaranlage bauen?
- Nein. Asbestzementdächer dürfen nicht dauerhaft überdeckt werden. Das Dach muss vorher von einem Fachbetrieb saniert werden.
- Muss ich Asbest nach dem Kauf entfernen lassen?
- Nicht allein wegen des Kaufs. Sobald du daran arbeitest oder arbeiten lässt, gelten die Regeln der Gefahrstoffverordnung.
- Wie teste ich auf Asbest?
- Mit einer Materialprobe, die ein Labor untersucht. Am Aussehen lässt sich Asbest nicht sicher erkennen.
Quellen
- Verbraucherzentrale: Asbest, gefährlich und immer noch aktuell
- § 5a GefStoffV: Mitwirkungs- und Informationspflichten des Veranlassers
- Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)
- Umweltbundesamt: PCB-Untersuchungen in Innenräumen
- BG BAU: TRGS 521, Arbeiten mit alter Mineralwolle
- Umweltbundesamt: Blei im Trinkwasser
- § 17 TrinkwV: Trinkwasserleitungen aus Blei