Hochwasserkarte Mecklenburg-Vorpommern: Überschwemmungsgebiete und Risiko vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 29.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
An der Küste rechnet Mecklenburg-Vorpommern das mittlere Szenario mit einer 200-jährlichen Sturmflut, strenger als im Binnenland. Zuständig für die amtlichen Karten: das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG). Gegen Hochwasser und Starkregen versichert sind in Mecklenburg-Vorpommern 39 % der Wohngebäude (Deutschland: 59 %).
Hochwasser in Mecklenburg-Vorpommern
Für die Ostseeküste ist die Sturmflut das maßgebliche Risiko. Die schwerste bekannte traf die Küste im November 1872: Über 200 Menschen starben, über 15.000 wurden obdachlos. Seit 2021 gelten für den Küstenschutz neue Bemessungswasserstände.
Im Binnenland zählen Elbe, Peene, Tollense, Uecker und Trebel. Im Juni 2013 stieg die Elbe in Boizenburg auf 7,32 m, den höchsten dort je gemessenen Stand.
- 12./13. November 1872, Ostseeküste: über 200 Tote, über 15.000 Menschen obdachlos
- 3./4. November 1995, Ostseeküste: die schwerste Sturmflut nach 1990, 15 Mio. € Schaden an den Küstenschutzanlagen
- Juni 2013, Elbe bei Boizenburg und Dömitz: höchster je gemessener Stand in Boizenburg mit 7,32 m
Die amtliche Hochwasserkarte für Mecklenburg-Vorpommern
Die Hochwassergefahrenkarten in Mecklenburg-Vorpommern zeigen, welche Flächen bei einem häufigen, einem hundertjährlichen und einem extremen Hochwasser überflutet werden und wie tief das Wasser steht. Für die Küste gibt es eigene Karten zu Sturmfluten. So findest du ein Haus darin: Adresse in die Suche des Kartenviewers eingeben, die Ebene für die Gefahrenkarte einschalten und die drei Szenarien nacheinander ansehen.
Festgesetzte Überschwemmungsgebiete gibt es an Peene, Tollense, Trebel und Uecker, jeweils als Verordnung mit Karten.
Was die drei Szenarien bedeuten
| Szenario | Mecklenburg-Vorpommern | Was das für dich heißt |
|---|---|---|
| Häufiges Hochwasser | im Binnenland alle 10 bis 20 Jahre, an der Küste alle 20 Jahre | Wasser im Keller ist hier eine Frage der Zeit. Ein Grund, sehr genau hinzusehen. |
| 100-jährliches Hochwasser (HQ100) | im Binnenland HQ100, an der Küste 200-jährlich | 1 % Wahrscheinlichkeit pro Jahr, über 30 Jahre Kreditlaufzeit rund 26 %. Grundlage für festgesetzte Überschwemmungsgebiete. |
| Extremes Hochwasser | 200-jährlich mit Versagen der Schutzanlagen | Selten, aber dann mit großen Schäden. Hier gelten Regeln für hochwasserangepasstes Bauen. |
Quelle: LUNG.
Überschwemmungsgebiet: was das für Kauf und Umbau heißt
Für das hundertjährliche Hochwasser setzt das Land Überschwemmungsgebiete fest. Dort sind neue Baugebiete verboten; wer ein bestehendes Haus erweitert oder einen Anbau plant, braucht eine Genehmigung der Wasserbehörde und muss zeigen, dass dem Fluss kein Raum verloren geht (§ 78 Wasserhaushaltsgesetz).
Wichtig für Häuser mit Ölheizung: Neue Ölheizungen sind in festgesetzten Überschwemmungsgebieten verboten, bestehende mussten bis Anfang 2023 hochwassersicher nachgerüstet werden. In Risikogebieten außerhalb davon gilt, soweit wirtschaftlich vertretbar, die Frist bis Anfang 2033 (§ 78c WHG). Lass dir die Nachrüstung zeigen.
An der Küste macht es einen großen Unterschied, ob ein Haus hinter dem Landesschutzdeich liegt oder davor. Frag bei der Gemeinde, auf welcher Seite das Haus steht.
Starkregen in Mecklenburg-Vorpommern
Starkregen braucht keinen Fluss: Ein Gewitter mit 50 bis 100 Litern pro Quadratmeter in einer Stunde flutet Senken, Unterführungen und Keller auch weit weg vom Wasser. Die Hochwasserkarte zeigt das nicht.
Die Starkregenhinweiskarte des BKG deckt Mecklenburg-Vorpommern ab, mit einem hundertjährlichen Szenario und einem extremen von 100 mm in der Stunde.
Hausprobe zeigt in Mecklenburg-Vorpommern die Wassertiefe bei extremem Starkregen aus der Hinweiskarte des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG), direkt am Haus.
Versicherung gegen Elementarschäden
In Mecklenburg-Vorpommern sind 39 % der Wohngebäude gegen Elementarschäden versichert, also gegen Hochwasser, Starkregen und Rückstau (2025, GDV). Im Bundesschnitt sind es 59 %.
Vor dem Kauf zwei Dinge klären: Ist der bestehende Vertrag des Verkäufers mit Elementarschutz? Er geht mit dem Kauf auf dich über, du kannst ihn danach einen Monat lang kündigen. Und was kostet ein neuer Vertrag an dieser Adresse? Liegt das Haus in einer hohen Gefährdungsklasse, kann der Beitrag hoch sein oder Elementarschutz nur mit hohem Selbstbehalt zu haben.
Was Hausprobe für Adressen in Mecklenburg-Vorpommern zeigt
Für jede Adresse in Mecklenburg-Vorpommern prüft Hausprobe, ob das Haus in einer Hochwasserfläche liegt, für alle drei Szenarien und Sturmflut. Quelle: die Hochwassergefahrenkarten der Länder, wie sie die Bundesanstalt für Gewässerkunde für ganz Deutschland bereitstellt. Dazu kommen Starkregen, Lärm, Radon, Hitze und die Kosten für das Haus selbst.
Häufige Fragen
- Wo finde ich die Hochwasserkarte für Mecklenburg-Vorpommern?
- Im amtlichen Kartenviewer (LUNG): Umweltkartenportal MV: Hochwasserrisikomanagement, https://umweltportal.mv-regierung.de/portale/hwrm/. Schneller geht es mit Hausprobe: Adresse eingeben, das Ergebnis steht im Bereich Umwelt.
- Was bedeutet HQ100?
- Ein Hochwasser, das statistisch einmal in 100 Jahren erreicht oder überschritten wird. Das heißt nicht, dass es nur alle 100 Jahre kommt: Die Wahrscheinlichkeit liegt jedes Jahr bei 1 %, über 30 Jahre bei rund 26 %.
- Gibt es eine Starkregenkarte für Mecklenburg-Vorpommern?
- Ja, die Starkregenhinweiskarte des BKG für das ganze Land.
- Wie viele Häuser sind in Mecklenburg-Vorpommern gegen Hochwasser versichert?
- 39 % der Wohngebäude haben Elementarschutz (2025, GDV), im Bundesschnitt 59 %.
Quellen
- LUNG: Hochwassergefahren- und Risikokarten
- LUNG: Überschwemmungsgebiete
- StALU MV: Sturmfluten an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns
- StALU MV: Regelwerk Küstenschutz
- Hochwasserschutz in Mecklenburg-Vorpommern (Vortrag 2017)
- BKG: Hinweiskarte Starkregengefahren, Dokumentation
- GDV, Naturgefahrenreport 2026: Versicherungsdichte der Elementarschadenversicherung nach Bundesland (2025, vorläufig)
- Wasserhaushaltsgesetz, §§ 76–78c