Radon im Haus messen: Referenzwert, Kosten und was du vor dem Kauf prüfst
Aktualisiert am 1.11.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Radon ist ein radioaktives Gas aus dem Boden, das über Keller und Bodenplatte ins Haus gelangt. Der Referenzwert liegt bei 300 Becquerel je Kubikmeter im Jahresmittel; eine Pflicht zu messen oder zu sanieren gibt es für Wohnhäuser nicht. Eine Messung kostet beim Labor 30 bis 50 Euro, dauert aber drei bis zwölf Monate: Vor dem Kauf prüfst du deshalb zuerst die Lage.
Was Radon ist und warum es zählt
Radon entsteht im Boden und dringt durch Risse, Fugen und Rohrdurchführungen ins Haus. Am höchsten ist es meist im Keller und im Erdgeschoss. Du riechst und siehst es nicht.
Nach dem Bundesamt für Strahlenschutz gehen in Deutschland rund 2.800 Lungenkrebstodesfälle im Jahr auf Radon in Wohnungen zurück, etwa 6,3 % aller Lungenkrebstodesfälle. Im Schnitt liegt die Konzentration in Wohnungen bei rund 65 Bq/m³; knapp 2 Millionen Menschen leben mit mehr als 300 Bq/m³.
Referenzwert statt Grenzwert
Das Strahlenschutzgesetz legt für Aufenthaltsräume einen Referenzwert von 300 Bq/m³ im Jahresmittel fest (§ 124 StrlSchG). Er ist ein Maßstab, ab dem du handeln solltest, kein Grenzwert mit Sanierungspflicht.
Für ein bestehendes Wohnhaus gibt es keine Messpflicht, auch nicht im Radonvorsorgegebiet. Ob du misst, entscheidest du selbst. Wer neu baut, muss das Eindringen von Radon erschweren; wer bei einer Sanierung den Luftwechsel deutlich verringert, soll Radonschutz mitbedenken (§ 123 StrlSchG).
Radonvorsorgegebiete
Ein Gebiet wird Radonvorsorgegebiet, wenn nach einer Prognose auf mindestens 75 % seiner Fläche in mindestens 10 % der Gebäude der Referenzwert überschritten wird (§ 121 StrlSchG). Bisher haben sechs Länder solche Gebiete festgelegt: Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Für Neubauten gelten dort zusätzliche Schutzmaßnahmen, für bestehende Häuser nicht.
Auch außerhalb dieser Gebiete kann ein einzelnes Haus hohe Werte haben. Das Gebiet sagt, wie wahrscheinlich das ist, nicht, was in deinem Keller ankommt.
So misst du richtig
Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt passive Messgeräte, die ein Labor per Post schickt. Du stellst sie auf, schickst sie nach der Messzeit zurück und bekommst das Ergebnis.
- Ein Gerät in den Keller, dort wo Leitungen ins Haus kommen
- Je eins ins Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer
- Aufs Regal stellen, nicht in den Schrank, 10 bis 20 cm von der Wand, weg von Heizung und Fenster
- Kannst du kein Jahr warten, miss im Winter, damit du den Wert nicht unterschätzt
| Methode | Dauer | Was sie zeigt | Kosten |
|---|---|---|---|
| Passives Messgerät vom Labor | 3 bis 12 Monate, am besten ein Jahr | Jahresmittel, vergleichbar mit dem Referenzwert | 30–50 € je Messung mit Auswertung |
| Elektronisches Messgerät | Minuten bis wenige Tage | Momentaufnahme, hilft beim Finden von Eintrittsstellen | je nach Gerät |
Nach dem Bundesamt für Strahlenschutz. Eine Messung nur im Sommer liegt meist zu niedrig, eine nur im Winter eher zu hoch.
Vor dem Kauf: was du prüfen kannst
- Lage: Liegt die Adresse in einem Radonvorsorgegebiet, und wie hoch ist das Radonpotenzial des Bodens?
- Keller: Offener Boden, Natursteinwände und viele Risse lassen mehr Radon durch als eine dichte Betonplatte
- Nach Messungen fragen: In Vorsorgegebieten haben Verkäufer öfter schon gemessen
- Eine Kurzmessung mit elektronischem Gerät gibt einen ersten Hinweis, ersetzt aber keine Langzeitmessung
- Wohnst du später im Erdgeschoss oder Souterrain, zählt Radon mehr als im Dachgeschoss
Wenn der Wert zu hoch ist
Als erste Maßnahme nennt das Bundesamt für Strahlenschutz regelmäßiges, kräftiges Lüften und das Abdichten undichter Stellen in Keller und Erdgeschoss. Reicht das nicht, wird radonhaltige Bodenluft unter oder neben dem Haus abgesaugt oder eine Lüftungsanlage eingebaut.
Die üblichen Kosten einer Radonsanierung liegen nach einer Studie für das Bundesamt für Strahlenschutz bei 500 bis 5.000 Euro. Was dein Haus braucht, sagt dir eine Fachfirma nach einer Messung.
Was Hausprobe zeigt
Der Bericht prüft für jede Adresse, ob sie in einem Radonvorsorgegebiet liegt, und zeigt das Radonpotenzial des Bundesamts für Strahlenschutz für die Fläche. Liegt das Haus im Vorsorgegebiet, empfiehlt er eine Messung im Keller. Das Potenzial sagt, wie viel Radon der Boden abgibt; was im Haus ankommt, zeigt nur eine Messung.
Häufige Fragen
- Muss ich beim Hauskauf Radon messen?
- Nein. Für bestehende Wohnhäuser gibt es keine Messpflicht, auch nicht in Radonvorsorgegebieten.
- Ist 300 Bq/m³ ein Grenzwert?
- Nein, ein Referenzwert für das Jahresmittel in Aufenthaltsräumen. Er zeigt, ab wann du etwas tun solltest. Eine Sanierungspflicht folgt daraus für Wohnhäuser nicht.
- Was kostet eine Radonmessung?
- Mit passivem Messgerät und Auswertung durch ein Labor nach dem Bundesamt für Strahlenschutz 30 bis 50 Euro je Messung.
- Wie lange muss ich Radon messen?
- Drei bis zwölf Monate, am besten ein ganzes Jahr. Wer nur kurz misst, sollte das im Winter tun.
- Hilft Lüften gegen Radon?
- Ja, regelmäßiges kräftiges Lüften ist die erste Maßnahme. Bei hohen Werten kommen Abdichten und Absaugen dazu.
Quellen
- § 121 StrlSchG: Festlegung von Gebieten
- § 123 StrlSchG: Maßnahmen an Gebäuden
- § 124 StrlSchG: Referenzwert für Aufenthaltsräume
- BfS: Wie kann ich Radon messen (lassen)?
- BfS: Schutz vor Radon
- BfS: Anerkannte Stellen für die Radonmessung
- BfS: Radon-Vorsorgegebiete in Deutschland
- BfS: Radon-Konzentration in Wohnräumen
- BfS, Pressemitteilung vom 14. November 2024: Lungenkrebs durch Radon
- BfS: Wirkung staatlicher Fördermaßnahmen auf Radonsanierungen (Kosten einer Radonsanierung)