Radon Niedersachsen: Radon-Vorsorgegebiete und Radonkarte vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 31.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Niedersachsen hat drei Gemeinden im Harz als Radonvorsorgegebiete festgelegt: Goslar, Clausthal-Zellerfeld und Braunlage, jeweils mit allen Ortsteilen. Der Referenzwert für Wohnräume liegt bei 300 Becquerel je Kubikmeter Luft im Jahresmittel.
Radon in Niedersachsen
Mehr Radon gibt es in Niedersachsen im Harz, am Harzrand und im Süden des Landkreises Göttingen; für Göttingen reichen die Messdaten bisher nicht für eine Festlegung. In Hameln-Pyrmont und Holzminden sorgen Festgesteinsschollen der Mittelgebirgsschwelle für höhere Werte als in der norddeutschen Tiefebene. Am anderen Ende steht das westliche Niedersachsen: Dort zeigt die Karte des Bundesamts für Strahlenschutz die niedrigsten Durchschnittswerte in Deutschland, unter 35 Bq/m³.
Der NLWKN führt seit 2019 Messkampagnen in Privathaushalten durch. 2019/2020 nahmen 1.135 Haushalte teil; rund 6,5 % der 2.929 Messwerte lagen über 300 Bq/m³, in Aufenthaltsräumen betraf das rund 4 % der Haushalte. 2020–2022 maßen 1.813 Haushalte, etwa 7 % der Werte lagen über dem Referenzwert. In Hameln-Pyrmont und Holzminden überschritten knapp 4 % von 1.292 Messungen den Referenzwert (Ergebnisse August 2026).
Radon-Vorsorgegebiete in Niedersachsen
Niedersachsen hat seit dem 23. Dezember 2020 Radon-Vorsorgegebiete. Drei Gemeinden im Landkreis Goslar: die Stadt Goslar (mit Oker, Vienenburg, Jerstedt, Immenrode, Hahndorf, Wiedelah, Hahnenklee-Bockswiese, Lengde, Lochtum und Weddingen), Clausthal-Zellerfeld (mit Buntenbock, Altenau, Schulenberg im Oberharz und Wildemann) und Braunlage (mit Hohegeiß und Sankt Andreasberg). Die übrigen Gemeinden des Landkreises erfüllen die Kriterien nach der Datenlage von 2020 nicht. Allgemeinverfügung des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamts Braunschweig vom 30. November 2020, bekannt gemacht im Niedersächsischen Ministerialblatt Nr. 57/2020 vom 23. Dezember 2020.
Ein Gebiet wird Radonvorsorgegebiet, wenn nach einer wissenschaftlichen Prognose auf mindestens 75 % seiner Fläche in mindestens 10 % der Gebäude der Referenzwert von 300 Bq/m³ im Jahresmittel überschritten wird (§ 121 StrlSchG, § 153 StrlSchV). Die Länder mussten diese Gebiete bis 31. Dezember 2020 per Allgemeinverfügung innerhalb ihrer Verwaltungsgrenzen festlegen und müssen die Festlegung mindestens alle zehn Jahre überprüfen.
Was ein Vorsorgegebiet für Kauf und Neubau heißt
Wer ein Gebäude mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen neu baut, muss überall verhindern oder erheblich erschweren, dass Radon aus dem Baugrund eindringt; außerhalb von Vorsorgegebieten genügt dafür der Feuchteschutz nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik (§ 123 StrlSchG). In Vorsorgegebieten kommt mindestens eine weitere Maßnahme nach § 154 StrlSchV hinzu, etwa eine Absaugung von Radon unter Abdichtungen, rissbegrenzter diffusionshemmender Beton oder konvektionsdicht verarbeitete Materialien; wer bei einer Sanierung den Luftwechsel erheblich verringert, soll Radonschutz mitbedenken (§ 123 Abs. 4 StrlSchG).
In Vorsorgegebieten muss, wer für einen Arbeitsplatz im Erd- oder Kellergeschoss verantwortlich ist, die Radonkonzentration innerhalb von 18 Monaten über zwölf Monate mit Geräten einer vom Bundesamt für Strahlenschutz anerkannten Stelle messen lassen (§ 127 StrlSchG, § 155 StrlSchV); in Bergwerken, Radonheilbädern und Anlagen der Wasserversorgung gilt diese Messpflicht überall (Anlage 8 StrlSchG).
Für ein bestehendes Wohnhaus gibt es keine Messpflicht, auch nicht im Vorsorgegebiet. Ob du misst, entscheidest du selbst.
Wie viel Radon ist zu viel?
Der Referenzwert liegt bei 300 Becquerel je Kubikmeter (Bq/m³) im Jahresmittel, für Wohnräume und Arbeitsplätze. Im Schnitt liegt die Radonkonzentration in deutschen Wohnungen bei rund 65 Bq/m³; nach dem Bundesamt für Strahlenschutz leben etwa 10,5 Millionen Menschen mit mehr als 100 Bq/m³ und knapp 2 Millionen mit mehr als 300 Bq/m³ (Studie „Radon in Wohnungen“, Messungen 2019–2020).
Nach einer Studie des Bundesamts für Strahlenschutz gehen in Deutschland rund 2.800 Lungenkrebstodesfälle pro Jahr auf Radon in Wohnungen zurück, etwa 6,3 % aller Lungenkrebstodesfälle (Durchschnitt der Jahre 2018–2022, veröffentlicht im November 2024).
Beratung und Messung in Niedersachsen
Ansprechpartner in Niedersachsen: Radonberatungsstelle im Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Hildesheim.
Am einfachsten misst du mit passiven Messgeräten (Exposimetern), die ein Messlabor per Post schickt: eins im Keller, weitere im Wohn-, Schlaf- oder Kinderzimmer, drei bis zwölf Monate lang, am besten ein ganzes Jahr. Nach dem Bundesamt für Strahlenschutz kostet eine Messung mit Gerät und Auswertung je nach Labor 30 bis 50 Euro; das BfS führt eine Liste der von ihm anerkannten Stellen.
- Der NLWKN führt regelmäßig kostenlose Messkampagnen für Privathaushalte in ausgewählten Regionen durch, zuletzt in Stadt und Landkreis Osnabrück (Bewerbung 1. Oktober bis 16. November 2025, beendet). Teilnehmende bekommen zwei bis drei Exposimeter für zwölf Monate und zahlen nur das Rückporto. Weitere Kampagnen im südlichen Niedersachsen strebt der NLWKN an.
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Radon beim Hauskauf prüfen
- Keller und Bodenplatte: Radon kommt aus dem Boden, durch Risse, Rohrdurchführungen und offene Kellerböden. Ein unbeheizter Keller mit Lehm- oder Natursteinboden lässt mehr durch als eine dichte Betonplatte.
- Wohnen im Erdgeschoss oder Souterrain: Je näher die Räume am Boden liegen, desto mehr zählt es. Im Dachgeschoss spielt Radon kaum eine Rolle.
- Frag nach Messungen: Manche Verkäufer haben schon gemessen, in Vorsorgegebieten öfter. Lass dir die Ergebnisse zeigen.
- Messen nach dem Kauf: Mindestens drei Monate in der Heizperiode, besser ein ganzes Jahr. Liegt der Wert über dem Referenzwert, helfen oft schon dichte Risse und Rohrdurchführungen und regelmäßiges Lüften; reicht das nicht, saugt eine Anlage das Radon unter der Bodenplatte ab.
Was Hausprobe für Adressen in Niedersachsen zeigt
Für jede Adresse prüft Hausprobe, ob sie in einem Radon-Vorsorgegebiet liegt, und zeigt das Radonpotenzial des Bundesamts für Strahlenschutz für die Fläche. Das Potenzial sagt, wie viel Radon der Boden abgibt; was im einzelnen Haus ankommt, zeigt nur eine Messung.
Häufige Fragen
- Gibt es Radon-Vorsorgegebiete in Niedersachsen?
- Ja. Drei Gemeinden im Landkreis Goslar: die Stadt Goslar (mit Oker, Vienenburg, Jerstedt, Immenrode, Hahndorf, Wiedelah, Hahnenklee-Bockswiese, Lengde, Lochtum und Weddingen), Clausthal-Zellerfeld (mit Buntenbock, Altenau, Schulenberg im Oberharz und Wildemann) und Braunlage (mit Hohegeiß und Sankt Andreasberg). Die übrigen Gemeinden des Landkreises erfüllen die Kriterien nach der Datenlage von 2020 nicht. Allgemeinverfügung des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamts Braunschweig vom 30. November 2020, bekannt gemacht im Niedersächsischen Ministerialblatt Nr. 57/2020 vom 23. Dezember 2020.
- Ist Bad Harzburg ein Radonvorsorgegebiet?
- Nein. Im Landkreis Goslar sind nur Goslar, Clausthal-Zellerfeld und Braunlage festgelegt; die übrigen Gemeinden erfüllen die Kriterien nach der Datenlage von 2020 nicht. Ein einzelnes Haus kann trotzdem hohe Werte haben, das zeigt nur eine Messung.
- Gehört Hahnenklee zum Radonvorsorgegebiet?
- Ja. Hahnenklee-Bockswiese ist ein Ortsteil der Stadt Goslar, die seit Dezember 2020 vollständig Radonvorsorgegebiet ist. Für Neubauten gilt dort eine zusätzliche Radonschutzmaßnahme, für Arbeitsplätze im Keller und Erdgeschoss eine Messpflicht.
- Wie hoch ist Radon in niedersächsischen Häusern?
- In den Messkampagnen des NLWKN lagen 2019/2020 rund 6,5 % und 2020–2022 etwa 7 % der Einzelmesswerte über 300 Bq/m³; viele Teilnehmende kamen aus dem Süden des Landes. Im westlichen Niedersachsen sind die Werte nach dem Bundesamt für Strahlenschutz die niedrigsten in Deutschland.
- Muss ich beim Hauskauf Radon messen?
- Nein. Für Wohnhäuser gibt es keine Messpflicht, auch nicht in Vorsorgegebieten. Eine Messung kostet nach dem Bundesamt für Strahlenschutz 30 bis 50 Euro und zeigt, ob du etwas tun solltest.
Quellen
- NLWKN: Radonvorsorgegebiete in Niedersachsen (Allgemeinverfügung des GAA Braunschweig vom 30. November 2020)
- NLWKN: Ergebnisse der Radon-Messkampagne 2019/2020
- NLWKN: Ergebnisse der Radon-Messkampagne 2020/2021/2022
- NLWKN, Pressemitteilung vom 24. August 2026: Radon-Messkampagne in Hameln-Pyrmont und Holzminden liefert erfreuliche Ergebnisse
- NLWKN: Aktuelle Radonmessungen in Stadt und Landkreis Osnabrück
- NLWKN: Radon in Niedersachsen
- BfS, Pressemitteilung vom 12. Dezember 2023: Neue Karte zeigt Radon-Situation in Wohnungen
- BfS: Radon-Vorsorgegebiete in Deutschland (Übersicht der Länder, Karte Stand 15. Juni 2021, Seite aktualisiert 13. Oktober 2025)
- Strahlenschutzgesetz § 121: Festlegung von Gebieten
- Strahlenschutzgesetz § 123: Maßnahmen an Gebäuden
- Strahlenschutzgesetz § 124: Referenzwert für Aufenthaltsräume
- Strahlenschutzgesetz § 126: Referenzwert für Arbeitsplätze
- Strahlenschutzgesetz § 127: Messung der Radonkonzentration an Arbeitsplätzen
- Strahlenschutzgesetz Anlage 8: Arbeitsfelder mit erhöhter Exposition durch Radon
- Strahlenschutzverordnung § 153: Kriterien für die Festlegung der Gebiete
- Strahlenschutzverordnung § 154: Maßnahmen für Neubauten in Vorsorgegebieten
- Strahlenschutzverordnung § 155: Durchführung der Messung
- BfS: Radon-Konzentration in Wohnräumen (Karte, Messungen 2019–2020)
- BfS, Pressemitteilung vom 14. November 2024: Lungenkrebs: Über 6 Prozent der Todesfälle könnten von Radon verursacht sein (Anteile nach Ländern)
- BfS: Wie kann ich Radon messen (lassen)?
- BfS: Anerkannte Stellen für die Messung der Radon-222-Aktivitätskonzentration