Radon Sachsen: Radon-Vorsorgegebiete und Radonkarte vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 31.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Sachsen hat mit 107 Gemeinden mit Abstand die meisten Radonvorsorgegebiete, vor allem im Erzgebirge und im Vogtland. Dazu bietet das Land Hausbesitzern kostenlose Jahresmessungen an. Der Referenzwert für Wohnräume liegt bei 300 Becquerel je Kubikmeter Luft im Jahresmittel.
Radon in Sachsen
Schwerpunkt ist der Erzgebirgskreis mit 49 Gemeinden, dazu kommen 21 im Vogtlandkreis, 19 in Mittelsachsen, 12 in Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und 6 im Landkreis Zwickau; im Erzgebirge liegen auch frühere Uranbergbaustandorte der Wismut wie Aue/Schlema. Das Landesamt LfULG hat die geologischen Einheiten des Landes nach 981 Bodenluftmessungen eingestuft. In voll unterkellerten Massivhäusern auf Gestein mit erhöhtem Radon in der Bodenluft lag der Erdgeschosswert in rund 25 % der Fälle über dem Referenzwert, auf unauffälligem Untergrund in rund 3 % (586 Messungen).
Fünf Gemeinden hat Sachsen festgelegt, obwohl die Prognose nicht für 75 % ihrer Fläche gilt: Kreischa, Bad Gottleuba-Berggießhübel, Flöha, Freital und Tharandt. Dort liegen saure Vulkanite mit hohem Tuffanteil und erhöhtem Urangehalt, meist in schmalen Streifen am Übergang vom Erzgebirge zu den Nachbarregionen. Nach dem Bundesamt für Strahlenschutz gehen in Sachsen 9,5 % der Lungenkrebstodesfälle auf Radon zurück, nach Thüringen der zweithöchste Wert.
Radon-Vorsorgegebiete in Sachsen
Sachsen hat seit dem 31. Dezember 2020 Radon-Vorsorgegebiete. 107 Gemeinden in fünf Landkreisen: Erzgebirgskreis (49, darunter Annaberg-Buchholz, Aue-Bad Schlema, Marienberg, Oberwiesenthal, Schneeberg, Schwarzenberg, Stollberg und Zschopau), Vogtlandkreis (21, darunter Auerbach/Vogtl., Bad Elster, Klingenthal, Markneukirchen und Treuen), Mittelsachsen (19, darunter Freiberg, Brand-Erbisdorf, Flöha und Oederan), Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (12, darunter Altenberg, Dippoldiswalde, Freital, Glashütte und Tharandt) und Zwickau (Crinitzberg, Hartmannsdorf b. Kirchberg, Hirschfeld, Kirchberg, Langenweißbach, Wilkau-Haßlau). Allgemeinverfügung des LfULG vom 19. November 2020, Sächsisches Amtsblatt Nr. 49/2020 vom 3. Dezember 2020.
Ein Gebiet wird Radonvorsorgegebiet, wenn nach einer wissenschaftlichen Prognose auf mindestens 75 % seiner Fläche in mindestens 10 % der Gebäude der Referenzwert von 300 Bq/m³ im Jahresmittel überschritten wird (§ 121 StrlSchG, § 153 StrlSchV). Die Länder mussten diese Gebiete bis 31. Dezember 2020 per Allgemeinverfügung innerhalb ihrer Verwaltungsgrenzen festlegen und müssen die Festlegung mindestens alle zehn Jahre überprüfen.
Was ein Vorsorgegebiet für Kauf und Neubau heißt
Wer ein Gebäude mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen neu baut, muss überall verhindern oder erheblich erschweren, dass Radon aus dem Baugrund eindringt; außerhalb von Vorsorgegebieten genügt dafür der Feuchteschutz nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik (§ 123 StrlSchG). In Vorsorgegebieten kommt mindestens eine weitere Maßnahme nach § 154 StrlSchV hinzu, etwa eine Absaugung von Radon unter Abdichtungen, rissbegrenzter diffusionshemmender Beton oder konvektionsdicht verarbeitete Materialien; wer bei einer Sanierung den Luftwechsel erheblich verringert, soll Radonschutz mitbedenken (§ 123 Abs. 4 StrlSchG).
In Vorsorgegebieten muss, wer für einen Arbeitsplatz im Erd- oder Kellergeschoss verantwortlich ist, die Radonkonzentration innerhalb von 18 Monaten über zwölf Monate mit Geräten einer vom Bundesamt für Strahlenschutz anerkannten Stelle messen lassen (§ 127 StrlSchG, § 155 StrlSchV); in Bergwerken, Radonheilbädern und Anlagen der Wasserversorgung gilt diese Messpflicht überall (Anlage 8 StrlSchG).
Für ein bestehendes Wohnhaus gibt es keine Messpflicht, auch nicht im Vorsorgegebiet. Ob du misst, entscheidest du selbst.
Wie viel Radon ist zu viel?
Der Referenzwert liegt bei 300 Becquerel je Kubikmeter (Bq/m³) im Jahresmittel, für Wohnräume und Arbeitsplätze. Im Schnitt liegt die Radonkonzentration in deutschen Wohnungen bei rund 65 Bq/m³; nach dem Bundesamt für Strahlenschutz leben etwa 10,5 Millionen Menschen mit mehr als 100 Bq/m³ und knapp 2 Millionen mit mehr als 300 Bq/m³ (Studie „Radon in Wohnungen“, Messungen 2019–2020).
Nach einer Studie des Bundesamts für Strahlenschutz gehen in Deutschland rund 2.800 Lungenkrebstodesfälle pro Jahr auf Radon in Wohnungen zurück, etwa 6,3 % aller Lungenkrebstodesfälle (Durchschnitt der Jahre 2018–2022, veröffentlicht im November 2024).
Beratung und Messung in Sachsen
Ansprechpartner in Sachsen: Radonberatungsstelle der Staatlichen Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft (BfUL).
Am einfachsten misst du mit passiven Messgeräten (Exposimetern), die ein Messlabor per Post schickt: eins im Keller, weitere im Wohn-, Schlaf- oder Kinderzimmer, drei bis zwölf Monate lang, am besten ein ganzes Jahr. Nach dem Bundesamt für Strahlenschutz kostet eine Messung mit Gerät und Auswertung je nach Labor 30 bis 50 Euro; das BfS führt eine Liste der von ihm anerkannten Stellen.
- Kostenlose Jahresmessung für Eigentümer voll unterkellerter Massivhäuser mit Wohnräumen im Erdgeschoss, sachsenweit, begrenzt auf 1.000 Exposimeter pro Jahr; Unterlagen bei der Radonberatungsstelle.
- Kostenlose Messungen für Wohngebäude über bergbaulichen oder natürlichen Hohlräumen.
- Kostenlose Messungen in bestimmten Gemeinden: in Mittelsachsen Brand-Erbisdorf, Dorfchemnitz, Frauenstein, Lichtenberg/Erzgeb., Mulda/Sa., Neuhausen/Erzgeb., Rechenberg-Bienenmühle, Sayda und Weißenborn/Erzgeb., im Landkreis Meißen Diera-Zehren, Moritzburg, Niederau, Nünchritz, Priestewitz, Meißen und Weinböhla; je Programm bis zu 500 Exposimeter pro Jahr.
- Förderung der Radonsanierung nach der Richtlinie Stadtgrün, Lärm, Radon/2023 (geändert 15. September 2025): bis 85 % der Kosten, aber nur für vor dem 31. Dezember 2018 errichtete Gebäude mit Arbeitsplätzen, mit einem Jahresmittel von mindestens 200 Bq/m³, und nur für Kommunen, Vereine, Stiftungen, Genossenschaften, gemeinnützige Organisationen und kleine und mittlere Unternehmen (65 %). Private Eigentümer reiner Wohnhäuser sind nicht antragsberechtigt.
- Radonberatungsstelle des Freistaates Sachsen ↗ · Telefon 0371 46124-221, radonberatung@bful.sachsen.de; kostenlos, auch persönliche Termine. Baufachliche Beratung kostenlos bei der Sächsischen Energieagentur (SAENA), radonberatung@saena.de
Was Sachsen zusätzlich tut
Sachsen misst auf eigene Kosten auch in Schulen, in öffentlichen Gebäuden außerhalb der Vorsorgegebiete und an Arbeitsplätzen des Landes.
Die Sächsische Energieagentur führt im Energieportal Sachsen eine Liste zugelassener Radonberater, etwa mit dem Zertifikat Radonfachperson der Bauakademie Sachsen; für eine Förderung müssen sie eingebunden werden.
Die Daten der Messprogramme fließen nach Angabe der Radonberatungsstelle in die Überprüfung der Vorsorgegebiete ein (Jahresbericht 2025, Juni 2026).
Radon beim Hauskauf prüfen
- Keller und Bodenplatte: Radon kommt aus dem Boden, durch Risse, Rohrdurchführungen und offene Kellerböden. Ein unbeheizter Keller mit Lehm- oder Natursteinboden lässt mehr durch als eine dichte Betonplatte.
- Wohnen im Erdgeschoss oder Souterrain: Je näher die Räume am Boden liegen, desto mehr zählt es. Im Dachgeschoss spielt Radon kaum eine Rolle.
- Frag nach Messungen: Manche Verkäufer haben schon gemessen, in Vorsorgegebieten öfter. Lass dir die Ergebnisse zeigen.
- Messen nach dem Kauf: Mindestens drei Monate in der Heizperiode, besser ein ganzes Jahr. Liegt der Wert über dem Referenzwert, helfen oft schon dichte Risse und Rohrdurchführungen und regelmäßiges Lüften; reicht das nicht, saugt eine Anlage das Radon unter der Bodenplatte ab.
Was Hausprobe für Adressen in Sachsen zeigt
Für jede Adresse prüft Hausprobe, ob sie in einem Radon-Vorsorgegebiet liegt, und zeigt das Radonpotenzial des Bundesamts für Strahlenschutz für die Fläche. Das Potenzial sagt, wie viel Radon der Boden abgibt; was im einzelnen Haus ankommt, zeigt nur eine Messung.
Häufige Fragen
- Gibt es Radon-Vorsorgegebiete in Sachsen?
- Ja. 107 Gemeinden in fünf Landkreisen: Erzgebirgskreis (49, darunter Annaberg-Buchholz, Aue-Bad Schlema, Marienberg, Oberwiesenthal, Schneeberg, Schwarzenberg, Stollberg und Zschopau), Vogtlandkreis (21, darunter Auerbach/Vogtl., Bad Elster, Klingenthal, Markneukirchen und Treuen), Mittelsachsen (19, darunter Freiberg, Brand-Erbisdorf, Flöha und Oederan), Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (12, darunter Altenberg, Dippoldiswalde, Freital, Glashütte und Tharandt) und Zwickau (Crinitzberg, Hartmannsdorf b. Kirchberg, Hirschfeld, Kirchberg, Langenweißbach, Wilkau-Haßlau). Allgemeinverfügung des LfULG vom 19. November 2020, Sächsisches Amtsblatt Nr. 49/2020 vom 3. Dezember 2020.
- Ist Freiberg ein Radonvorsorgegebiet?
- Ja. Die Universitätsstadt Freiberg in Mittelsachsen gehört seit 31. Dezember 2020 zu den 107 sächsischen Radonvorsorgegebieten. Neubauten brauchen dort neben dem Feuchteschutz eine zusätzliche Radonschutzmaßnahme, Arbeitgeber müssen im Keller und Erdgeschoss messen.
- Ist Dresden ein Radongebiet?
- Die Stadt Dresden ist kein Radonvorsorgegebiet, Chemnitz und Leipzig auch nicht. Das Land misst seit 2020 die Bodenluft gezielt in großen Städten mit langer Bebauungsgeschichte. Die Nachbarorte Freital und Tharandt gehören dagegen zu den Vorsorgegebieten.
- Kann ich in Sachsen kostenlos Radon messen?
- Ja, wenn dein Haus passt: Das Land misst kostenlos in voll unterkellerten Massivhäusern mit Wohnräumen im Erdgeschoss, in Häusern über Bergbau- oder natürlichen Hohlräumen und in ausgewählten Gemeinden in Mittelsachsen und im Landkreis Meißen. Die Zahl der Geräte ist begrenzt; die Unterlagen gibt es bei der Radonberatungsstelle.
- Muss ich beim Hauskauf Radon messen?
- Nein. Für Wohnhäuser gibt es keine Messpflicht, auch nicht in Vorsorgegebieten. Eine Messung kostet nach dem Bundesamt für Strahlenschutz 30 bis 50 Euro und zeigt, ob du etwas tun solltest.
Quellen
- LfULG: Allgemeinverfügung zur Festlegung von Gebieten zum Schutz vor Radon-222 vom 19. November 2020 (Lesefassung, SächsABl. Nr. 49/2020)
- Strahlenschutzportal Sachsen: Radon in Sachsen
- Strahlenschutzportal Sachsen: Messprogramme des Freistaates Sachsen
- BfUL: Jahrestätigkeitsbericht der Radonberatungsstelle 2025 (Juni 2026)
- BfUL: Radonberatungsstelle
- SAENA: Radonberatung und Förderung
- Förderdatenbank des Bundes: Stadtgrün, Lärm, Radon/2023 Teil A (EFRE), Sachsen
- SMUL: Merkblatt Radon zur Förderrichtlinie Stadtgrün, Lärm, Radon/2023
- Wismut GmbH: Standorte der Wismut
- BfS, Pressemitteilung vom 14. November 2024: Lungenkrebs: Über 6 Prozent der Todesfälle könnten von Radon verursacht sein (Anteile nach Ländern)
- BfS: Radon-Konzentration in Wohnräumen (Karte, Messungen 2019–2020)
- Strahlenschutzgesetz § 121: Festlegung von Gebieten
- Strahlenschutzgesetz § 123: Maßnahmen an Gebäuden
- Strahlenschutzgesetz § 124: Referenzwert für Aufenthaltsräume
- Strahlenschutzgesetz § 126: Referenzwert für Arbeitsplätze
- Strahlenschutzgesetz § 127: Messung der Radonkonzentration an Arbeitsplätzen
- Strahlenschutzgesetz Anlage 8: Arbeitsfelder mit erhöhter Exposition durch Radon
- Strahlenschutzverordnung § 153: Kriterien für die Festlegung der Gebiete
- Strahlenschutzverordnung § 154: Maßnahmen für Neubauten in Vorsorgegebieten
- Strahlenschutzverordnung § 155: Durchführung der Messung
- BfS: Radon-Vorsorgegebiete in Deutschland (Übersicht der Länder, Karte Stand 15. Juni 2021, Seite aktualisiert 13. Oktober 2025)
- BfS, Pressemitteilung vom 12. Dezember 2023: Neue Karte zeigt Radon-Situation in Wohnungen
- BfS: Wie kann ich Radon messen (lassen)?
- BfS: Anerkannte Stellen für die Messung der Radon-222-Aktivitätskonzentration