Radon Sachsen-Anhalt: Radon-Vorsorgegebiete und Radonkarte vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 31.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Sachsen-Anhalt hat 15 Gemeinden im Harz und im Südharz als Radonvorsorgegebiete festgelegt, gültig seit 30. Dezember 2020. Der Referenzwert für Wohnräume liegt bei 300 Becquerel je Kubikmeter Luft im Jahresmittel.
Radon in Sachsen-Anhalt
Im Norden und Osten des Landes ist wenig Radon in der Bodenluft, im Südwesten mehr, wegen der Geologie des Harzes. Das Umweltministerium nennt vor allem den Harz und das südliche Harzvorland. Schon 2001 und 2002 hat das Bundesamt für Strahlenschutz in auffälligen Gebieten des Landes 1.670 Langzeitmessungen in Wohnungen und Gebäuden gemacht.
Seit 2022 verschickt das Land kostenlose Messboxen an Privathaushalte. 2022 waren alle 900 Boxen schnell vergeben. 2025/2026 gab es Boxen für 560 Wohnungen, zuerst für Gegenden mit wenig Daten: den nördlichen Landkreis Harz, den Burgenlandkreis, den südwestlichen Saalekreis und den östlichen Landkreis Mansfeld-Südharz. Die Boxen dieser Runde gingen Ende August 2026 zur Auswertung zurück.
Radon-Vorsorgegebiete in Sachsen-Anhalt
Sachsen-Anhalt hat seit dem 30. Dezember 2020 Radon-Vorsorgegebiete. 15 Gemeinden und Verbandsgemeinden. Landkreis Harz: Falkenstein/Harz, Harzgerode, Ilsenburg (Harz), Oberharz am Brocken, Thale und Wernigerode. Landkreis Mansfeld-Südharz: Allstedt, Arnstein, Hettstedt, Lutherstadt Eisleben, Mansfeld, Sangerhausen, Südharz sowie die Verbandsgemeinden Goldene Aue und Mansfelder Grund-Helbra. Festgelegt per Allgemeinverfügungen des Umweltministeriums.
Ein Gebiet wird Radonvorsorgegebiet, wenn nach einer wissenschaftlichen Prognose auf mindestens 75 % seiner Fläche in mindestens 10 % der Gebäude der Referenzwert von 300 Bq/m³ im Jahresmittel überschritten wird (§ 121 StrlSchG, § 153 StrlSchV). Die Länder mussten diese Gebiete bis 31. Dezember 2020 per Allgemeinverfügung innerhalb ihrer Verwaltungsgrenzen festlegen und müssen die Festlegung mindestens alle zehn Jahre überprüfen.
Was ein Vorsorgegebiet für Kauf und Neubau heißt
Wer ein Gebäude mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen neu baut, muss überall verhindern oder erheblich erschweren, dass Radon aus dem Baugrund eindringt; außerhalb von Vorsorgegebieten genügt dafür der Feuchteschutz nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik (§ 123 StrlSchG). In Vorsorgegebieten kommt mindestens eine weitere Maßnahme nach § 154 StrlSchV hinzu, etwa eine Absaugung von Radon unter Abdichtungen, rissbegrenzter diffusionshemmender Beton oder konvektionsdicht verarbeitete Materialien; wer bei einer Sanierung den Luftwechsel erheblich verringert, soll Radonschutz mitbedenken (§ 123 Abs. 4 StrlSchG).
In Vorsorgegebieten muss, wer für einen Arbeitsplatz im Erd- oder Kellergeschoss verantwortlich ist, die Radonkonzentration innerhalb von 18 Monaten über zwölf Monate mit Geräten einer vom Bundesamt für Strahlenschutz anerkannten Stelle messen lassen (§ 127 StrlSchG, § 155 StrlSchV); in Bergwerken, Radonheilbädern und Anlagen der Wasserversorgung gilt diese Messpflicht überall (Anlage 8 StrlSchG).
Für ein bestehendes Wohnhaus gibt es keine Messpflicht, auch nicht im Vorsorgegebiet. Ob du misst, entscheidest du selbst.
Wie viel Radon ist zu viel?
Der Referenzwert liegt bei 300 Becquerel je Kubikmeter (Bq/m³) im Jahresmittel, für Wohnräume und Arbeitsplätze. Im Schnitt liegt die Radonkonzentration in deutschen Wohnungen bei rund 65 Bq/m³; nach dem Bundesamt für Strahlenschutz leben etwa 10,5 Millionen Menschen mit mehr als 100 Bq/m³ und knapp 2 Millionen mit mehr als 300 Bq/m³ (Studie „Radon in Wohnungen“, Messungen 2019–2020).
Nach einer Studie des Bundesamts für Strahlenschutz gehen in Deutschland rund 2.800 Lungenkrebstodesfälle pro Jahr auf Radon in Wohnungen zurück, etwa 6,3 % aller Lungenkrebstodesfälle (Durchschnitt der Jahre 2018–2022, veröffentlicht im November 2024).
Beratung und Messung in Sachsen-Anhalt
Ansprechpartner in Sachsen-Anhalt: Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt (kostenlose Erstberatung) und Umweltministerium (MWU).
Am einfachsten misst du mit passiven Messgeräten (Exposimetern), die ein Messlabor per Post schickt: eins im Keller, weitere im Wohn-, Schlaf- oder Kinderzimmer, drei bis zwölf Monate lang, am besten ein ganzes Jahr. Nach dem Bundesamt für Strahlenschutz kostet eine Messung mit Gerät und Auswertung je nach Labor 30 bis 50 Euro; das BfS führt eine Liste der von ihm anerkannten Stellen.
- Kostenlose Messboxen für Privatwohnungen über das Umweltministerium (Dienstleister Radonova), zwei pro Wohnung. Bisher gab es zwei Runden, 2022 und 2025/2026; die Runde 2025/2026 ist abgeschlossen.
- Radon in Sachsen-Anhalt ↗ · Erstberatung beim Landesamt für Umweltschutz: Telefon 0345 5704-0, strahlenschutz@lau.mwu.sachsen-anhalt.de
Was Sachsen-Anhalt zusätzlich tut
Das Umweltministerium veröffentlicht eine Liste ausgebildeter Radonfachleute, in die sich Fachleute eintragen lassen können.
Radon beim Hauskauf prüfen
- Keller und Bodenplatte: Radon kommt aus dem Boden, durch Risse, Rohrdurchführungen und offene Kellerböden. Ein unbeheizter Keller mit Lehm- oder Natursteinboden lässt mehr durch als eine dichte Betonplatte.
- Wohnen im Erdgeschoss oder Souterrain: Je näher die Räume am Boden liegen, desto mehr zählt es. Im Dachgeschoss spielt Radon kaum eine Rolle.
- Frag nach Messungen: Manche Verkäufer haben schon gemessen, in Vorsorgegebieten öfter. Lass dir die Ergebnisse zeigen.
- Messen nach dem Kauf: Mindestens drei Monate in der Heizperiode, besser ein ganzes Jahr. Liegt der Wert über dem Referenzwert, helfen oft schon dichte Risse und Rohrdurchführungen und regelmäßiges Lüften; reicht das nicht, saugt eine Anlage das Radon unter der Bodenplatte ab.
Was Hausprobe für Adressen in Sachsen-Anhalt zeigt
Für jede Adresse prüft Hausprobe, ob sie in einem Radon-Vorsorgegebiet liegt, und zeigt das Radonpotenzial des Bundesamts für Strahlenschutz für die Fläche. Das Potenzial sagt, wie viel Radon der Boden abgibt; was im einzelnen Haus ankommt, zeigt nur eine Messung.
Häufige Fragen
- Gibt es Radon-Vorsorgegebiete in Sachsen-Anhalt?
- Ja. 15 Gemeinden und Verbandsgemeinden. Landkreis Harz: Falkenstein/Harz, Harzgerode, Ilsenburg (Harz), Oberharz am Brocken, Thale und Wernigerode. Landkreis Mansfeld-Südharz: Allstedt, Arnstein, Hettstedt, Lutherstadt Eisleben, Mansfeld, Sangerhausen, Südharz sowie die Verbandsgemeinden Goldene Aue und Mansfelder Grund-Helbra. Festgelegt per Allgemeinverfügungen des Umweltministeriums.
- Ist Wernigerode ein Radonvorsorgegebiet?
- Ja. Wernigerode im Landkreis Harz ist seit 30. Dezember 2020 Radonvorsorgegebiet, ebenso Falkenstein/Harz, Harzgerode, Ilsenburg, Oberharz am Brocken und Thale. Für Neubauten gilt dort eine zusätzliche Radonschutzmaßnahme; für dein bestehendes Haus empfiehlt das Land freiwillige Maßnahmen, wenn die Werte hoch sind.
- Ist Halle ein Radongebiet?
- Nein. Halle (Saale) gehört nicht dazu; alle 15 Vorsorgegebiete liegen in den Landkreisen Harz und Mansfeld-Südharz. Ein einzelnes Haus kann trotzdem hohe Werte haben, das zeigt nur eine Messung.
- Muss ich beim Hauskauf Radon messen?
- Nein. Für Wohnhäuser gibt es keine Messpflicht, auch nicht in Vorsorgegebieten. Eine Messung kostet nach dem Bundesamt für Strahlenschutz 30 bis 50 Euro und zeigt, ob du etwas tun solltest.
Quellen
- Staatskanzlei Sachsen-Anhalt, Pressemitteilung vom 17. November 2020: Radon: Land weist Vorsorgegebiete zum Schutz der Gesundheit aus
- MWU Sachsen-Anhalt: Radon in Sachsen-Anhalt
- MWU Sachsen-Anhalt, Pressemitteilung vom 9. September 2022: Umweltministerium versendet 900 Messboxen
- MWU Sachsen-Anhalt, Pressemitteilung vom 8. August 2025: Umweltministerium legt erneut Programm zur Radonmessung für Privatwohnungen auf
- MWU Sachsen-Anhalt, Pressemitteilung vom 25. Februar 2026: Kostenloses Programm zur Radonmessung, letzte Messboxen
- BfS: Radon-Vorsorgegebiete in Deutschland (Übersicht der Länder, Karte Stand 15. Juni 2021, Seite aktualisiert 13. Oktober 2025)
- Strahlenschutzgesetz § 121: Festlegung von Gebieten
- Strahlenschutzgesetz § 123: Maßnahmen an Gebäuden
- Strahlenschutzgesetz § 124: Referenzwert für Aufenthaltsräume
- Strahlenschutzgesetz § 126: Referenzwert für Arbeitsplätze
- Strahlenschutzgesetz § 127: Messung der Radonkonzentration an Arbeitsplätzen
- Strahlenschutzgesetz Anlage 8: Arbeitsfelder mit erhöhter Exposition durch Radon
- Strahlenschutzverordnung § 153: Kriterien für die Festlegung der Gebiete
- Strahlenschutzverordnung § 154: Maßnahmen für Neubauten in Vorsorgegebieten
- Strahlenschutzverordnung § 155: Durchführung der Messung
- BfS: Radon-Konzentration in Wohnräumen (Karte, Messungen 2019–2020)
- BfS, Pressemitteilung vom 12. Dezember 2023: Neue Karte zeigt Radon-Situation in Wohnungen
- BfS, Pressemitteilung vom 14. November 2024: Lungenkrebs: Über 6 Prozent der Todesfälle könnten von Radon verursacht sein (Anteile nach Ländern)
- BfS: Wie kann ich Radon messen (lassen)?
- BfS: Anerkannte Stellen für die Messung der Radon-222-Aktivitätskonzentration