Radon Thüringen: Radon-Vorsorgegebiete und Radonkarte vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 31.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Thüringen hat 19 Gemeinden als Radonvorsorgegebiete festgelegt, 14 im Thüringer Wald und Schiefergebirge und fünf in Ostthüringen um Ronneburg. Nach dem Bundesamt für Strahlenschutz gehen hier 10 % der Lungenkrebstodesfälle auf Radon zurück, mehr als in jedem anderen Land. Der Referenzwert für Wohnräume liegt bei 300 Becquerel je Kubikmeter Luft im Jahresmittel.
Radon in Thüringen
Thüringen hat einzelne Gemeinden geprüft, nicht ganze Landkreise, weil kleinere belastete Gebiete sonst durch das Raster fallen würden. Maßstab war das geogene Radonpotenzial: In allen 19 Gemeinden liegt es über dem Schwellenwert von 44. Verwendet wurden unter anderem 4.321 Bodenluftdatensätze von 1995/1996, Aero-Gamma-Messungen, Studien aus dem Uranerzbergbau und 1.610 Langzeitmessungen in Innenräumen aus den Jahren 2001–2003.
Um Ronneburg hat die Wismut Uranerz abgebaut. Die Stadt Ronneburg und die Gemeinden Kauern, Korbußen und Paitzdorf haben Anfang 2021 gegen die Festlegung geklagt; die Klagen haben keine aufschiebende Wirkung, die Pflichten gelten also (Stand November 2022).
Radon-Vorsorgegebiete in Thüringen
Thüringen hat seit dem 31. Dezember 2020 Radon-Vorsorgegebiete. 19 Gemeinden: Elgersburg, Großbreitenbach und Ilmenau (Ilm-Kreis), Floh-Seligenthal und Oberhof (Schmalkalden-Meiningen), Goldisthal (Sonneberg), Gräfenthal, Katzhütte und Schwarzatal (Saalfeld-Rudolstadt), Masserberg und Schleusegrund (Hildburghausen), Luisenthal und Tambach-Dietharz (Gotha), Ruhla (Wartburgkreis), Kauern, Korbußen, Paitzdorf und Ronneburg (Greiz) sowie Posterstein (Altenburger Land). Allgemeinverfügung des TLUBN vom 1. Dezember 2020, Thüringer Staatsanzeiger Nr. 51+52/2020 vom 21. Dezember 2020.
Ein Gebiet wird Radonvorsorgegebiet, wenn nach einer wissenschaftlichen Prognose auf mindestens 75 % seiner Fläche in mindestens 10 % der Gebäude der Referenzwert von 300 Bq/m³ im Jahresmittel überschritten wird (§ 121 StrlSchG, § 153 StrlSchV). Die Länder mussten diese Gebiete bis 31. Dezember 2020 per Allgemeinverfügung innerhalb ihrer Verwaltungsgrenzen festlegen und müssen die Festlegung mindestens alle zehn Jahre überprüfen.
Was ein Vorsorgegebiet für Kauf und Neubau heißt
Wer ein Gebäude mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen neu baut, muss überall verhindern oder erheblich erschweren, dass Radon aus dem Baugrund eindringt; außerhalb von Vorsorgegebieten genügt dafür der Feuchteschutz nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik (§ 123 StrlSchG). In Vorsorgegebieten kommt mindestens eine weitere Maßnahme nach § 154 StrlSchV hinzu, etwa eine Absaugung von Radon unter Abdichtungen, rissbegrenzter diffusionshemmender Beton oder konvektionsdicht verarbeitete Materialien; wer bei einer Sanierung den Luftwechsel erheblich verringert, soll Radonschutz mitbedenken (§ 123 Abs. 4 StrlSchG).
In Vorsorgegebieten muss, wer für einen Arbeitsplatz im Erd- oder Kellergeschoss verantwortlich ist, die Radonkonzentration innerhalb von 18 Monaten über zwölf Monate mit Geräten einer vom Bundesamt für Strahlenschutz anerkannten Stelle messen lassen (§ 127 StrlSchG, § 155 StrlSchV); in Bergwerken, Radonheilbädern und Anlagen der Wasserversorgung gilt diese Messpflicht überall (Anlage 8 StrlSchG).
Für ein bestehendes Wohnhaus gibt es keine Messpflicht, auch nicht im Vorsorgegebiet. Ob du misst, entscheidest du selbst.
Wie viel Radon ist zu viel?
Der Referenzwert liegt bei 300 Becquerel je Kubikmeter (Bq/m³) im Jahresmittel, für Wohnräume und Arbeitsplätze. Im Schnitt liegt die Radonkonzentration in deutschen Wohnungen bei rund 65 Bq/m³; nach dem Bundesamt für Strahlenschutz leben etwa 10,5 Millionen Menschen mit mehr als 100 Bq/m³ und knapp 2 Millionen mit mehr als 300 Bq/m³ (Studie „Radon in Wohnungen“, Messungen 2019–2020).
Nach einer Studie des Bundesamts für Strahlenschutz gehen in Deutschland rund 2.800 Lungenkrebstodesfälle pro Jahr auf Radon in Wohnungen zurück, etwa 6,3 % aller Lungenkrebstodesfälle (Durchschnitt der Jahre 2018–2022, veröffentlicht im November 2024).
Beratung und Messung in Thüringen
Ansprechpartner in Thüringen: Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN), Referat Strahlenschutz.
Am einfachsten misst du mit passiven Messgeräten (Exposimetern), die ein Messlabor per Post schickt: eins im Keller, weitere im Wohn-, Schlaf- oder Kinderzimmer, drei bis zwölf Monate lang, am besten ein ganzes Jahr. Nach dem Bundesamt für Strahlenschutz kostet eine Messung mit Gerät und Auswertung je nach Labor 30 bis 50 Euro; das BfS führt eine Liste der von ihm anerkannten Stellen.
- Das TLUBN legt regelmäßig kostenlose Messprogramme für Haus- und Wohnungseigentümer auf: Exposimeter per Post, ein Jahr Messzeit, Ergebnis per Post. 2025 lief die Anmeldung bis 1. Mai, 2026 bis 1. September; die Runde 2026 ist damit geschlossen.
- Radon beim TLUBN ↗ · Radon-Hotline 0361 573943943, radon-info@tlubn.thueringen.de
Was Thüringen zusätzlich tut
Zur Überprüfung der Festlegung misst das TLUBN die Bodenluft neu: 2022 an 100 Orten in den Vorsorgegebieten, von Juni 2026 bis Juni 2027 zum Beispiel in Uder im Eichsfeld. Die Messflurstücke werden in den Amtsblättern der Gemeinden bekannt gemacht.
Radon beim Hauskauf prüfen
- Keller und Bodenplatte: Radon kommt aus dem Boden, durch Risse, Rohrdurchführungen und offene Kellerböden. Ein unbeheizter Keller mit Lehm- oder Natursteinboden lässt mehr durch als eine dichte Betonplatte.
- Wohnen im Erdgeschoss oder Souterrain: Je näher die Räume am Boden liegen, desto mehr zählt es. Im Dachgeschoss spielt Radon kaum eine Rolle.
- Frag nach Messungen: Manche Verkäufer haben schon gemessen, in Vorsorgegebieten öfter. Lass dir die Ergebnisse zeigen.
- Messen nach dem Kauf: Mindestens drei Monate in der Heizperiode, besser ein ganzes Jahr. Liegt der Wert über dem Referenzwert, helfen oft schon dichte Risse und Rohrdurchführungen und regelmäßiges Lüften; reicht das nicht, saugt eine Anlage das Radon unter der Bodenplatte ab.
Was Hausprobe für Adressen in Thüringen zeigt
Für jede Adresse prüft Hausprobe, ob sie in einem Radon-Vorsorgegebiet liegt, und zeigt das Radonpotenzial des Bundesamts für Strahlenschutz für die Fläche. Das Potenzial sagt, wie viel Radon der Boden abgibt; was im einzelnen Haus ankommt, zeigt nur eine Messung.
Häufige Fragen
- Gibt es Radon-Vorsorgegebiete in Thüringen?
- Ja. 19 Gemeinden: Elgersburg, Großbreitenbach und Ilmenau (Ilm-Kreis), Floh-Seligenthal und Oberhof (Schmalkalden-Meiningen), Goldisthal (Sonneberg), Gräfenthal, Katzhütte und Schwarzatal (Saalfeld-Rudolstadt), Masserberg und Schleusegrund (Hildburghausen), Luisenthal und Tambach-Dietharz (Gotha), Ruhla (Wartburgkreis), Kauern, Korbußen, Paitzdorf und Ronneburg (Greiz) sowie Posterstein (Altenburger Land). Allgemeinverfügung des TLUBN vom 1. Dezember 2020, Thüringer Staatsanzeiger Nr. 51+52/2020 vom 21. Dezember 2020.
- Ist Ilmenau ein Radonvorsorgegebiet?
- Ja. Die Stadt Ilmenau im Ilm-Kreis ist seit 31. Dezember 2020 Radonvorsorgegebiet, ebenso Elgersburg und Großbreitenbach. Für Neubauten gilt dort neben dem Feuchteschutz eine zusätzliche Radonschutzmaßnahme, für Arbeitsplätze im Keller und Erdgeschoss eine Messpflicht.
- Ist Erfurt ein Radongebiet?
- Nein. Die 19 Thüringer Vorsorgegebiete liegen im Thüringer Wald, im Schiefergebirge und in Ostthüringen. Auf der Radonkarte des Bundesamts für Strahlenschutz liegt Erfurt deutlich unter seinem Umland, vor allem weil in der Stadt mehr Menschen in höheren Stockwerken wohnen. Für ein Haus mit Keller zeigt nur eine Messung, wie viel Radon es gibt.
- Kann ich in Thüringen kostenlos Radon messen?
- Das TLUBN bietet regelmäßig kostenlose Jahresmessungen für Haus- und Wohnungseigentümer an; die Anmeldung für 2026 endete am 1. September 2026. Fragen beantwortet die Radon-Hotline unter 0361 573943943.
- Muss ich beim Hauskauf Radon messen?
- Nein. Für Wohnhäuser gibt es keine Messpflicht, auch nicht in Vorsorgegebieten. Eine Messung kostet nach dem Bundesamt für Strahlenschutz 30 bis 50 Euro und zeigt, ob du etwas tun solltest.
Quellen
- TLUBN: Allgemeinverfügung zur Festlegung von Radonvorsorgegebieten vom 1. Dezember 2020 (Abdruck der Stadt Ilmenau)
- Thüringer Landtag, Drucksache 7/6762: Antwort auf die Kleine Anfrage „Fragen zu Radonmessungen und zu Radonvorsorgegebieten in Thüringen“ (November 2022)
- Stadt Eisenach: Bekanntmachung des TLUBN „Radonmessungen in Innenräumen in Thüringen“ 2026
- Stadt Ronneburg: Bekanntmachung des TLUBN „Radonmessungen in Innenräumen in Thüringen“ 2025
- Landgemeinde Uder: Ankündigung des TLUBN zu Bodenluftmessungen 2026
- TLUBN: Natürliche Radioaktivität
- Wismut GmbH: Standorte der Wismut
- BfS, Pressemitteilung vom 14. November 2024: Lungenkrebs: Über 6 Prozent der Todesfälle könnten von Radon verursacht sein (Anteile nach Ländern)
- BfS: Radon-Konzentration in Wohnräumen (Karte, Messungen 2019–2020)
- BfS: Radon-Vorsorgegebiete in Deutschland (Übersicht der Länder, Karte Stand 15. Juni 2021, Seite aktualisiert 13. Oktober 2025)
- Strahlenschutzgesetz § 121: Festlegung von Gebieten
- Strahlenschutzgesetz § 123: Maßnahmen an Gebäuden
- Strahlenschutzgesetz § 124: Referenzwert für Aufenthaltsräume
- Strahlenschutzgesetz § 126: Referenzwert für Arbeitsplätze
- Strahlenschutzgesetz § 127: Messung der Radonkonzentration an Arbeitsplätzen
- Strahlenschutzgesetz Anlage 8: Arbeitsfelder mit erhöhter Exposition durch Radon
- Strahlenschutzverordnung § 153: Kriterien für die Festlegung der Gebiete
- Strahlenschutzverordnung § 154: Maßnahmen für Neubauten in Vorsorgegebieten
- Strahlenschutzverordnung § 155: Durchführung der Messung
- BfS, Pressemitteilung vom 12. Dezember 2023: Neue Karte zeigt Radon-Situation in Wohnungen
- BfS: Wie kann ich Radon messen (lassen)?
- BfS: Anerkannte Stellen für die Messung der Radon-222-Aktivitätskonzentration