Radon Baden-Württemberg: Radon-Vorsorgegebiete und Radonkarte vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 31.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Baden-Württemberg hat 29 Gemeinden im mittleren und südlichen Schwarzwald als Radonvorsorgegebiete festgelegt, gültig seit 15. Juni 2021. Im Messprogramm des Landes lag dort gut ein Drittel der gemessenen Häuser über dem Referenzwert. Der Referenzwert für Wohnräume liegt bei 300 Becquerel je Kubikmeter Luft im Jahresmittel.
Radon in Baden-Württemberg
Mehr Radon im Boden gibt es in Baden-Württemberg vor allem im mittleren und südlichen Schwarzwald. Das Umweltministerium hat alle 1.101 Gemeinden geprüft und dabei eigene Zusatzkriterien angewandt: Neben der Prognose des Bundesamts für Strahlenschutz musste die Urankarte des Landes auf mindestens drei Vierteln der Gemeindefläche mindestens 10 mg Uran je kg Gestein zeigen, und das Gebiet musste allein oder mit Nachbargemeinden größer als 25 km² sein.
Wie verbreitet Radon in Häusern ist, zeigt das kostenlose Messprogramm des Ministeriums. Im ersten Durchgang (Start Dezember 2023) haben rund 1.600 Haushalte ein Jahr lang gemessen. Landesweit hatten knapp 15 % der Gebäude eine erhöhte Radonbelastung; in den 29 Vorsorgegebieten lag bei gut einem Drittel der Gebäude mindestens ein Raum über 300 Bq/m³.
Radon-Vorsorgegebiete in Baden-Württemberg
Baden-Württemberg hat seit dem 15. Juni 2021 Radon-Vorsorgegebiete. 29 Gemeinden in sechs Landkreisen des Regierungsbezirks Freiburg: Breisgau-Hochschwarzwald (Bollschweil, Horben, Münstertal, Oberried, Schluchsee), Lörrach (Aitern, Böllen, Fröhnd, Häg-Ehrsberg, Kleines Wiesental, Schönau im Schwarzwald, Schönenberg, Todtnau, Tunau, Utzenfeld, Wembach, Wieden, Zell im Wiesental), Ortenau (Gutach (Schwarzwaldbahn)), Rottweil (Lauterbach, Schiltach), Schwarzwald-Baar (Schonach) und Waldshut (Dachsberg, Häusern, Herrischried, Ibach, Rickenbach, Sankt Blasien, Todtmoos). Festgelegt per Allgemeinverfügung des Umweltministeriums vom 12. Mai 2021.
Ein Gebiet wird Radonvorsorgegebiet, wenn nach einer wissenschaftlichen Prognose auf mindestens 75 % seiner Fläche in mindestens 10 % der Gebäude der Referenzwert von 300 Bq/m³ im Jahresmittel überschritten wird (§ 121 StrlSchG, § 153 StrlSchV). Die Länder mussten diese Gebiete bis 31. Dezember 2020 per Allgemeinverfügung innerhalb ihrer Verwaltungsgrenzen festlegen und müssen die Festlegung mindestens alle zehn Jahre überprüfen.
Was ein Vorsorgegebiet für Kauf und Neubau heißt
Wer ein Gebäude mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen neu baut, muss überall verhindern oder erheblich erschweren, dass Radon aus dem Baugrund eindringt; außerhalb von Vorsorgegebieten genügt dafür der Feuchteschutz nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik (§ 123 StrlSchG). In Vorsorgegebieten kommt mindestens eine weitere Maßnahme nach § 154 StrlSchV hinzu, etwa eine Absaugung von Radon unter Abdichtungen, rissbegrenzter diffusionshemmender Beton oder konvektionsdicht verarbeitete Materialien; wer bei einer Sanierung den Luftwechsel erheblich verringert, soll Radonschutz mitbedenken (§ 123 Abs. 4 StrlSchG).
In Vorsorgegebieten muss, wer für einen Arbeitsplatz im Erd- oder Kellergeschoss verantwortlich ist, die Radonkonzentration innerhalb von 18 Monaten über zwölf Monate mit Geräten einer vom Bundesamt für Strahlenschutz anerkannten Stelle messen lassen (§ 127 StrlSchG, § 155 StrlSchV); in Bergwerken, Radonheilbädern und Anlagen der Wasserversorgung gilt diese Messpflicht überall (Anlage 8 StrlSchG).
Für ein bestehendes Wohnhaus gibt es keine Messpflicht, auch nicht im Vorsorgegebiet. Ob du misst, entscheidest du selbst.
Wie viel Radon ist zu viel?
Der Referenzwert liegt bei 300 Becquerel je Kubikmeter (Bq/m³) im Jahresmittel, für Wohnräume und Arbeitsplätze. Im Schnitt liegt die Radonkonzentration in deutschen Wohnungen bei rund 65 Bq/m³; nach dem Bundesamt für Strahlenschutz leben etwa 10,5 Millionen Menschen mit mehr als 100 Bq/m³ und knapp 2 Millionen mit mehr als 300 Bq/m³ (Studie „Radon in Wohnungen“, Messungen 2019–2020).
Nach einer Studie des Bundesamts für Strahlenschutz gehen in Deutschland rund 2.800 Lungenkrebstodesfälle pro Jahr auf Radon in Wohnungen zurück, etwa 6,3 % aller Lungenkrebstodesfälle (Durchschnitt der Jahre 2018–2022, veröffentlicht im November 2024).
Beratung und Messung in Baden-Württemberg
Ansprechpartner in Baden-Württemberg: Radonberatungsstelle der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW).
Am einfachsten misst du mit passiven Messgeräten (Exposimetern), die ein Messlabor per Post schickt: eins im Keller, weitere im Wohn-, Schlaf- oder Kinderzimmer, drei bis zwölf Monate lang, am besten ein ganzes Jahr. Nach dem Bundesamt für Strahlenschutz kostet eine Messung mit Gerät und Auswertung je nach Labor 30 bis 50 Euro; das BfS führt eine Liste der von ihm anerkannten Stellen.
- Radon-Messprogramm des Umweltministeriums: zwei kostenlose Messdosen für Eigentümer, die ihr Haus oder ihre Wohnung selbst bewohnen, im ganzen Land, nicht nur in Vorsorgegebieten. Die erste Runde ab Dezember 2023 war nach wenigen Tagen ausgebucht; die zweite Runde ab April 2025 mit rund 2.400 Teilnehmenden lief im März 2026 noch.
- Radon-Beratungsstelle der LUBW ↗ · Telefon 0721 5600-2357, radon@lubw.bwl.de; beantwortet Fragen und vermittelt Kontakte zu Fachleuten
Was Baden-Württemberg zusätzlich tut
Vor der Festlegung hat das Umweltministerium die Öffentlichkeit beteiligt; Stellungnahmen waren bis 16. Februar 2021 möglich. Die Festlegung wird laufend überprüft, und das Ministerium bittet darum, eigene Messergebnisse über die Radonberatungsstelle mitzuteilen.
Radon beim Hauskauf prüfen
- Keller und Bodenplatte: Radon kommt aus dem Boden, durch Risse, Rohrdurchführungen und offene Kellerböden. Ein unbeheizter Keller mit Lehm- oder Natursteinboden lässt mehr durch als eine dichte Betonplatte.
- Wohnen im Erdgeschoss oder Souterrain: Je näher die Räume am Boden liegen, desto mehr zählt es. Im Dachgeschoss spielt Radon kaum eine Rolle.
- Frag nach Messungen: Manche Verkäufer haben schon gemessen, in Vorsorgegebieten öfter. Lass dir die Ergebnisse zeigen.
- Messen nach dem Kauf: Mindestens drei Monate in der Heizperiode, besser ein ganzes Jahr. Liegt der Wert über dem Referenzwert, helfen oft schon dichte Risse und Rohrdurchführungen und regelmäßiges Lüften; reicht das nicht, saugt eine Anlage das Radon unter der Bodenplatte ab.
Was Hausprobe für Adressen in Baden-Württemberg zeigt
Für jede Adresse prüft Hausprobe, ob sie in einem Radon-Vorsorgegebiet liegt, und zeigt das Radonpotenzial des Bundesamts für Strahlenschutz für die Fläche. Das Potenzial sagt, wie viel Radon der Boden abgibt; was im einzelnen Haus ankommt, zeigt nur eine Messung.
Häufige Fragen
- Gibt es Radon-Vorsorgegebiete in Baden-Württemberg?
- Ja. 29 Gemeinden in sechs Landkreisen des Regierungsbezirks Freiburg: Breisgau-Hochschwarzwald (Bollschweil, Horben, Münstertal, Oberried, Schluchsee), Lörrach (Aitern, Böllen, Fröhnd, Häg-Ehrsberg, Kleines Wiesental, Schönau im Schwarzwald, Schönenberg, Todtnau, Tunau, Utzenfeld, Wembach, Wieden, Zell im Wiesental), Ortenau (Gutach (Schwarzwaldbahn)), Rottweil (Lauterbach, Schiltach), Schwarzwald-Baar (Schonach) und Waldshut (Dachsberg, Häusern, Herrischried, Ibach, Rickenbach, Sankt Blasien, Todtmoos). Festgelegt per Allgemeinverfügung des Umweltministeriums vom 12. Mai 2021.
- Ist Todtnau ein Radonvorsorgegebiet?
- Ja. Todtnau im Landkreis Lörrach gehört zu den 29 Gemeinden, die seit 15. Juni 2021 Radonvorsorgegebiet sind. Wer dort neu baut, muss neben dem Feuchteschutz eine weitere Radonschutzmaßnahme umsetzen. Für ein bestehendes Haus gibt es keine Pflicht; eine Messung zeigt dir, ob du handeln solltest.
- Ist Freiburg ein Radongebiet?
- Die Stadt Freiburg ist kein Radonvorsorgegebiet. Im umliegenden Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald sind Bollschweil, Horben, Münstertal, Oberried und Schluchsee festgelegt. Auch außerhalb dieser Gemeinden kann ein einzelnes Haus hohe Werte haben; Klarheit bringt nur eine Messung.
- Wie oft ist Radon in Häusern in Baden-Württemberg zu hoch?
- Im Messprogramm des Landes hatten knapp 15 % der gemessenen Gebäude eine erhöhte Radonbelastung. In den Vorsorgegebieten im Schwarzwald lag bei gut einem Drittel der Gebäude mindestens ein Raum über 300 Bq/m³.
- Muss ich beim Hauskauf Radon messen?
- Nein. Für Wohnhäuser gibt es keine Messpflicht, auch nicht in Vorsorgegebieten. Eine Messung kostet nach dem Bundesamt für Strahlenschutz 30 bis 50 Euro und zeigt, ob du etwas tun solltest.
Quellen
- Umweltministerium Baden-Württemberg: Radonvorsorgegebiete in Baden-Württemberg
- Umweltministerium Baden-Württemberg: Allgemeinverfügung zur Festlegung der Radonvorsorgegebiete vom 12. Mai 2021 (verfügender Teil)
- Umweltministerium Baden-Württemberg: Allgemeinverfügung mit Begründung (Kriterien 1 bis 3)
- Umweltministerium Baden-Württemberg: Liste der Radonvorsorgegebiete (Stand 15. Juni 2021)
- LUBW: Radonvorsorgegebiete
- LUBW: Kontakt und Beratung (Radon-Beratungsstelle)
- Landesregierung Baden-Württemberg, Pressemitteilung vom 4. Dezember 2023: Land startet Programm zu Radon-Messungen in Wohngebäuden
- Landesregierung Baden-Württemberg, Pressemitteilung vom 2. April 2025: Neuauflage des Radon-Messprogramms für Wohngebäude
- Landesregierung Baden-Württemberg, Pressemitteilung vom 13. März 2026: Ergebnisse des Radon-Messprogramms
- Strahlenschutzgesetz § 121: Festlegung von Gebieten
- Strahlenschutzgesetz § 123: Maßnahmen an Gebäuden
- Strahlenschutzgesetz § 124: Referenzwert für Aufenthaltsräume
- Strahlenschutzgesetz § 126: Referenzwert für Arbeitsplätze
- Strahlenschutzgesetz § 127: Messung der Radonkonzentration an Arbeitsplätzen
- Strahlenschutzgesetz Anlage 8: Arbeitsfelder mit erhöhter Exposition durch Radon
- Strahlenschutzverordnung § 153: Kriterien für die Festlegung der Gebiete
- Strahlenschutzverordnung § 154: Maßnahmen für Neubauten in Vorsorgegebieten
- Strahlenschutzverordnung § 155: Durchführung der Messung
- BfS: Radon-Vorsorgegebiete in Deutschland (Übersicht der Länder, Karte Stand 15. Juni 2021, Seite aktualisiert 13. Oktober 2025)
- BfS: Radon-Konzentration in Wohnräumen (Karte, Messungen 2019–2020)
- BfS, Pressemitteilung vom 12. Dezember 2023: Neue Karte zeigt Radon-Situation in Wohnungen
- BfS, Pressemitteilung vom 14. November 2024: Lungenkrebs: Über 6 Prozent der Todesfälle könnten von Radon verursacht sein (Anteile nach Ländern)
- BfS: Wie kann ich Radon messen (lassen)?
- BfS: Anerkannte Stellen für die Messung der Radon-222-Aktivitätskonzentration