Radon Nordrhein-Westfalen: Radon-Vorsorgegebiete und Radonkarte vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 31.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Nordrhein-Westfalen hat kein Radonvorsorgegebiet. Die Zentrale Radonstelle NRW stellt Privathaushalten aber weiterhin kostenlose Messgeräte für eine zwölfmonatige Messung zur Verfügung. Der Referenzwert für Wohnräume liegt bei 300 Becquerel je Kubikmeter Luft im Jahresmittel.
Radon in Nordrhein-Westfalen
Die Prognose des Bundesamts für Strahlenschutz zeigte nur für Arnsberg, Balve und Sundern im Sauerland mögliche Überschreitungen in mehr als 10 % der Gebäude. Ursache ist ein bestimmtes Gestein, das dort nur stellenweise an der Oberfläche liegt, deshalb ist weit weniger als 75 % der Gemeindefläche betroffen. Landesweit fand der Geologische Dienst die höchsten Radonwerte in der Bodenluft dort, wo bestimmte Kalk- und Tonsteine vorkommen.
In der Messkampagne 2021–2022 waren in Arnsberg 8 % von 805 Wohnhäusern von hohen Radonwerten betroffen, in Balve 9 % von 270 und in Sundern 11 % von 235. 2024–2025 folgten das Hohe Venn und die Nordeifel mit Monschau, Nideggen, Stolberg, Hürtgenwald, Langerwehe, Roetgen und Simmerath: In 4 % der untersuchten Gebäude lag der Wert über dem Referenzwert, je nach Gemeinde zwischen 1 und 16 %.
Radon-Vorsorgegebiete in Nordrhein-Westfalen
Nordrhein-Westfalen hat keine Radon-Vorsorgegebiete festgelegt. Das Kriterium (75 % der Gemeindefläche, 10 % der Gebäude) ist nach Mitteilung des Gesundheitsministeriums vom 28. Januar 2021 an keinem Ort erfüllt. Auch Arnsberg, Balve und Sundern wurden nicht festgelegt, weil das radonreiche Gestein dort nur stellenweise vorkommt.
Ein Gebiet wird Radonvorsorgegebiet, wenn nach einer wissenschaftlichen Prognose auf mindestens 75 % seiner Fläche in mindestens 10 % der Gebäude der Referenzwert von 300 Bq/m³ im Jahresmittel überschritten wird (§ 121 StrlSchG, § 153 StrlSchV). Die Länder mussten diese Gebiete bis 31. Dezember 2020 per Allgemeinverfügung innerhalb ihrer Verwaltungsgrenzen festlegen und müssen die Festlegung mindestens alle zehn Jahre überprüfen.
Was ein Vorsorgegebiet für Kauf und Neubau heißt
Wer ein Gebäude mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen neu baut, muss überall verhindern oder erheblich erschweren, dass Radon aus dem Baugrund eindringt; außerhalb von Vorsorgegebieten genügt dafür der Feuchteschutz nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik (§ 123 StrlSchG). In Vorsorgegebieten kommt mindestens eine weitere Maßnahme nach § 154 StrlSchV hinzu, etwa eine Absaugung von Radon unter Abdichtungen, rissbegrenzter diffusionshemmender Beton oder konvektionsdicht verarbeitete Materialien; wer bei einer Sanierung den Luftwechsel erheblich verringert, soll Radonschutz mitbedenken (§ 123 Abs. 4 StrlSchG).
In Vorsorgegebieten muss, wer für einen Arbeitsplatz im Erd- oder Kellergeschoss verantwortlich ist, die Radonkonzentration innerhalb von 18 Monaten über zwölf Monate mit Geräten einer vom Bundesamt für Strahlenschutz anerkannten Stelle messen lassen (§ 127 StrlSchG, § 155 StrlSchV); in Bergwerken, Radonheilbädern und Anlagen der Wasserversorgung gilt diese Messpflicht überall (Anlage 8 StrlSchG).
Für ein bestehendes Wohnhaus gibt es keine Messpflicht, auch nicht im Vorsorgegebiet. Ob du misst, entscheidest du selbst.
Wie viel Radon ist zu viel?
Der Referenzwert liegt bei 300 Becquerel je Kubikmeter (Bq/m³) im Jahresmittel, für Wohnräume und Arbeitsplätze. Im Schnitt liegt die Radonkonzentration in deutschen Wohnungen bei rund 65 Bq/m³; nach dem Bundesamt für Strahlenschutz leben etwa 10,5 Millionen Menschen mit mehr als 100 Bq/m³ und knapp 2 Millionen mit mehr als 300 Bq/m³ (Studie „Radon in Wohnungen“, Messungen 2019–2020).
Nach einer Studie des Bundesamts für Strahlenschutz gehen in Deutschland rund 2.800 Lungenkrebstodesfälle pro Jahr auf Radon in Wohnungen zurück, etwa 6,3 % aller Lungenkrebstodesfälle (Durchschnitt der Jahre 2018–2022, veröffentlicht im November 2024).
Beratung und Messung in Nordrhein-Westfalen
Ansprechpartner in Nordrhein-Westfalen: Zentrale Radonstelle NRW am Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz NRW (LfGA).
Am einfachsten misst du mit passiven Messgeräten (Exposimetern), die ein Messlabor per Post schickt: eins im Keller, weitere im Wohn-, Schlaf- oder Kinderzimmer, drei bis zwölf Monate lang, am besten ein ganzes Jahr. Nach dem Bundesamt für Strahlenschutz kostet eine Messung mit Gerät und Auswertung je nach Labor 30 bis 50 Euro; das BfS führt eine Liste der von ihm anerkannten Stellen.
- Kostenlose Radonmessgeräte für eine zwölfmonatige Messung in Privathaushalten über die Zentrale Radonstelle NRW, Anfrage per E-Mail an radon@lfga.nrw.de oder über das Kontaktformular (Stand Oktober 2026).
- Zentrale Radonstelle NRW ↗ · radon@lfga.nrw.de; erste Anlaufstelle für Fragen zu Radon
Was Nordrhein-Westfalen zusätzlich tut
Bei den Kampagnen hat das Land auch Schulen und Kitas gemessen: in Arnsberg, Balve und Sundern 49 Einrichtungen, von denen drei Arnsberger Schulen Maßnahmen einleiten mussten, im Hohen Venn und in der Nordeifel 36 Schulen und 37 Kitas.
Nach dem Anstieg des Grubenwassers im früheren Ibbenbürener Steinkohlenrevier hat das Land 2024–2026 in der Nordschachtsiedlung in Mettingen vorsorglich gemessen. Zwei Häuser hatten in Kurzzeitmessungen erhöhte Werte, die mit baulichen Maßnahmen deutlich gesenkt wurden; die Langzeitmessungen waren in allen Wohnräumen unauffällig.
Radon beim Hauskauf prüfen
- Keller und Bodenplatte: Radon kommt aus dem Boden, durch Risse, Rohrdurchführungen und offene Kellerböden. Ein unbeheizter Keller mit Lehm- oder Natursteinboden lässt mehr durch als eine dichte Betonplatte.
- Wohnen im Erdgeschoss oder Souterrain: Je näher die Räume am Boden liegen, desto mehr zählt es. Im Dachgeschoss spielt Radon kaum eine Rolle.
- Frag nach Messungen: Manche Verkäufer haben schon gemessen, in Vorsorgegebieten öfter. Lass dir die Ergebnisse zeigen.
- Messen nach dem Kauf: Mindestens drei Monate in der Heizperiode, besser ein ganzes Jahr. Liegt der Wert über dem Referenzwert, helfen oft schon dichte Risse und Rohrdurchführungen und regelmäßiges Lüften; reicht das nicht, saugt eine Anlage das Radon unter der Bodenplatte ab.
Was Hausprobe für Adressen in Nordrhein-Westfalen zeigt
Für jede Adresse prüft Hausprobe, ob sie in einem Radon-Vorsorgegebiet liegt, und zeigt das Radonpotenzial des Bundesamts für Strahlenschutz für die Fläche. Das Potenzial sagt, wie viel Radon der Boden abgibt; was im einzelnen Haus ankommt, zeigt nur eine Messung.
Häufige Fragen
- Gibt es Radon-Vorsorgegebiete in Nordrhein-Westfalen?
- Nein. Das Kriterium (75 % der Gemeindefläche, 10 % der Gebäude) ist nach Mitteilung des Gesundheitsministeriums vom 28. Januar 2021 an keinem Ort erfüllt. Auch Arnsberg, Balve und Sundern wurden nicht festgelegt, weil das radonreiche Gestein dort nur stellenweise vorkommt.
- Ist Arnsberg ein Radongebiet?
- Kein Vorsorgegebiet, aber die Region um Arnsberg, Balve und Sundern ist die einzige in NRW, für die die Bundesprognose Überschreitungen in mehr als 10 % der Gebäude für möglich hielt. Gemessen waren in Arnsberg 8 % der Wohnhäuser betroffen, in Sundern 11 %. Wenn du dort kaufst, miss ein Jahr lang; die Zentrale Radonstelle stellt die Geräte kostenlos.
- Gibt es in der Eifel viel Radon?
- In der Nordeifel und im Hohen Venn lag 2024–2025 in 4 % der gemessenen Gebäude der Wert über 300 Bq/m³, kaum mehr als im Bundesmittel von 3 %. Zwischen den Gemeinden schwankte der Anteil aber zwischen 1 und 16 %.
- Muss ich beim Hauskauf Radon messen?
- Nein. Für Wohnhäuser gibt es keine Messpflicht, auch nicht in Vorsorgegebieten. Eine Messung kostet nach dem Bundesamt für Strahlenschutz 30 bis 50 Euro und zeigt, ob du etwas tun solltest.
Quellen
- Land NRW, Pressemitteilung vom 28. Januar 2021: Keine Ausweisung von Radonvorsorgegebieten in Nordrhein-Westfalen
- Land NRW, Pressemitteilung vom 18. November 2022: Erste Ergebnisse der Radon-Messkampagne in Arnsberg, Sundern und Balve
- Zentrale Radonstelle NRW: Radon-Messprogramme in NRW (Hohes Venn/Nordeifel, Mettingen, Bodenluft)
- Zentrale Radonstelle NRW: Startseite
- BfS: Radon-Vorsorgegebiete in Deutschland (Übersicht der Länder, Karte Stand 15. Juni 2021, Seite aktualisiert 13. Oktober 2025)
- Strahlenschutzgesetz § 121: Festlegung von Gebieten
- Strahlenschutzgesetz § 123: Maßnahmen an Gebäuden
- Strahlenschutzgesetz § 124: Referenzwert für Aufenthaltsräume
- Strahlenschutzgesetz § 126: Referenzwert für Arbeitsplätze
- Strahlenschutzgesetz § 127: Messung der Radonkonzentration an Arbeitsplätzen
- Strahlenschutzgesetz Anlage 8: Arbeitsfelder mit erhöhter Exposition durch Radon
- Strahlenschutzverordnung § 153: Kriterien für die Festlegung der Gebiete
- Strahlenschutzverordnung § 154: Maßnahmen für Neubauten in Vorsorgegebieten
- Strahlenschutzverordnung § 155: Durchführung der Messung
- BfS: Radon-Konzentration in Wohnräumen (Karte, Messungen 2019–2020)
- BfS, Pressemitteilung vom 12. Dezember 2023: Neue Karte zeigt Radon-Situation in Wohnungen
- BfS, Pressemitteilung vom 14. November 2024: Lungenkrebs: Über 6 Prozent der Todesfälle könnten von Radon verursacht sein (Anteile nach Ländern)
- BfS: Wie kann ich Radon messen (lassen)?
- BfS: Anerkannte Stellen für die Messung der Radon-222-Aktivitätskonzentration