Starkregenkarte Nordrhein-Westfalen: Starkregengefahr vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 31.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Den deutschen Rekord für zwei Stunden hält Münster: Am 28. Juli 2014 fielen dort 245 Liter Regen pro Quadratmeter in zwei Stunden. Für ganz Nordrhein-Westfalen gibt es eine Starkregenkarte, viele Städte haben zusätzlich eigene.
Starkregen in Nordrhein-Westfalen
Von 2002 bis 2021 zählten die Versicherer in Nordrhein-Westfalen Starkregenschäden an Wohngebäuden von 4,15 Milliarden Euro, mehr als in jedem anderen Land. Statistisch hatten 132,5 von 1.000 Häusern einen Schaden. Am häufigsten traf es Euskirchen, wo die Flut von 2021 die Bilanz prägt, und Münster mit dem Starkregen von 2014. In dieser Statistik zählen auch Überschwemmungen nach starkem Regen mit.
Das Land ist bevölkerungsreich und hoch industrialisiert, und Kanäle sind nicht für solche Mengen gemacht. Die Stadt Münster hat nachgerechnet: Am 28. Juli 2014 gingen in sieben Stunden rund 40 Millionen Kubikmeter Wasser auf das Stadtgebiet nieder, alle Rückhalteräume in Kanalisation und Gewässern fassen zusammen rund 1,5 Millionen Kubikmeter. Kanäle werden für Regen der Starkregenindex-Stufen 1 bis 3 bemessen, der Regen von 2014 lag bei Stufe 12. Solche Mengen lassen sich nach Einschätzung der Stadt auch künftig nicht schadensfrei ableiten.
Im Landesmittel stieg die Zahl der Tage mit mehr als 20 mm Regen von fünf im Jahr (1951–1980) auf sechs (1991–2020); am häufigsten sind sie in den Mittelgebirgen (LANUV).
- 28. Juli 2014, Münster, fast das ganze Stadtgebiet, am stärksten Mauritz und Kinderhaus: 292 l/m² zwischen 17 und 24 Uhr an der Hauptkläranlage, davon 220 l/m² in anderthalb Stunden; zwei Tote, nach Angaben der zwei größten Versicherer vor Ort rund 10.000 Schadensfälle mit rund 80 Mio. € Schaden
- 13./14. Juli 2021, Hagen, Wuppertal und Solingen: in Hagen-Holthausen 241,3 l/m² in 22 Stunden, davon 66 l/m² in einer Stunde, in Wuppertal-Buchenhofen 151 l/m² in 24 Stunden; große Überschwemmungen in den drei Städten
- 22./23. Juni 2023, Emscher-Lippe-Region und Jülich: in Gelsenkirchen-Buer 73,6 l/m² in vier Stunden, in Jülich 40,5 l/m² in 15 Minuten, beides seltener als ein hundertjährliches Ereignis; örtliche Überschwemmungen
Die Starkregenkarten für Nordrhein-Westfalen
Für ganz Nordrhein-Westfalen gibt es die Starkregengefahrenhinweiskarte NRW im Geoportal. Das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) hat sie mit NRW als Testregion für die spätere Bundeskarte berechnet, auf dem Geländemodell des Landes mit 1 Meter Gitterweite. Sie zeigt Wassertiefe, Fließgeschwindigkeit und Fließrichtung für ein außergewöhnliches, hundertjährliches Ereignis und ein extremes mit 90 mm in einer Stunde; in den übrigen Ländern setzt das BKG für das extreme Szenario 100 mm an. Kanalnetz und Versickerung sind nicht berücksichtigt, der ganze Regen fließt an der Oberfläche ab. Die Landesregierung empfiehlt die Karte als ersten Anhaltspunkt für den eigenen Wohnort.
- Hinweiskarte Starkregengefahren im Geoportal.de ↗ · Adresse eingeben, dann Szenario und Ebene wählen
Die Hinweiskarte Starkregengefahren des Bundes
Die Karte rechnet zwei Regen von je einer Stunde: einen außergewöhnlichen, wie er statistisch etwa einmal in 100 Jahren vorkommt, mit der Regenmenge des Deutschen Wetterdiensts für die jeweilige Region (je nach Land etwa 35 bis 55 mm), und einen extremen mit 100 mm, in Nordrhein-Westfalen 90 mm. Für beide zeigt sie, wie tief das Wasser höchstens steht, in Stufen von 10 cm bis über 4 m, wie schnell es fließt und in welche Richtung. Wasser unter 10 cm zeigt sie nicht.
Gerechnet ist sie mit einem Abflussmodell auf dem amtlichen Geländemodell mit 1 m Auflösung. Gebäude sind darin Hindernisse, um die das Wasser herumfließt; Durchlässe und Rohre ab 50 cm Durchmesser und Pumpwerke sind berücksichtigt.
Was die Karten nicht zeigen
Das Kanalnetz und die Versickerung im Boden rechnet die Karte nicht mit: Aller Regen fließt an der Oberfläche ab. Durchlässe unter 50 cm, Mauern und Bordsteine fehlen. Ob Wasser ins Haus oder in den Keller läuft, berechnet sie nicht, und Hochwasser aus Flüssen zeigt sie nicht. Das BKG nennt sie eine erste Orientierung, nicht metergenau und rechtlich nicht verbindlich; wo es Karten des Landes oder der Gemeinde gibt, gehen diese vor.
Eine Karte ohne Treffer heißt nicht, dass das Haus sicher ist. Sie zeigt, wo Wasser abfließt und sich sammelt. Ob es ins Haus kommt, entscheiden Kellerfenster, Einfahrt und Rückstausicherung.
Starkregenkarten der Gemeinden in Nordrhein-Westfalen
Seit Anfang 2019 gibt das Umweltministerium den Kommunen die Arbeitshilfe kommunales Starkregenrisikomanagement an die Hand: erst Starkregengefahrenkarten, dann eine Risikoanalyse, dann ein Handlungskonzept. Ende 2021 hatten nach Angaben des Ministeriums mehr als 50 Kommunen eigene oder regionale Starkregengefahrenkarten, darunter Dortmund, Köln und Wuppertal. Münster hat Karten für das ganze Stadtgebiet mit drei Szenarien nach der Arbeitshilfe, das extreme mit 90 mm in einer Stunde. Welche Stadt oder Gemeinde eine Starkregenkarte hat, zeigt die Karte „Konzepte vor Ort“ im Klimaatlas NRW des Landesamts LANUK, wo vorhanden mit Link zur Karte der Kommune.
Förderung und Regeln in Nordrhein-Westfalen
Für Grundstücke, die nach dem 1. Januar 1996 erstmals bebaut, befestigt oder an die öffentliche Kanalisation angeschlossen wurden, ist Regenwasser nach § 55 Abs. 2 Wasserhaushaltsgesetz zu beseitigen, also ortsnah zu versickern, zu verrieseln oder getrennt vom Schmutzwasser abzuleiten (§ 44 Landeswassergesetz NRW). Die Gemeinde kann per Satzung oder Bebauungsplan festlegen, wie das zu geschehen hat. Frag beim Kauf, was für das Grundstück gilt und ob die Anlagen dafür vorhanden sind.
- Förderrichtlinie Hochwasserrisikomanagement und Wasserrahmenrichtlinie (FöRL HWRM/WRRL) vom 10. Dezember 2024: Das Land fördert örtliche Untersuchungen zur Hochwassergefährdung einschließlich Starkregen mit 40 bis 80 % der Kosten. Antragsberechtigt sind vor allem Gemeinden, Gemeindeverbände und Wasserverbände, bewilligt wird bei der Bezirksregierung. Die Richtlinie gilt vom 1. Januar 2025 bis 31. Dezember 2027.
So prüfst du ein Haus auf Starkregen
- Lage: Steht das Haus in einer Senke, am Fuß eines Hangs oder tiefer als die Straße? Wasser sucht sich den tiefsten Punkt, auch weit weg von jedem Bach.
- Öffnungen: Kellertreppe, Lichtschächte, Garageneinfahrt und ebenerdige Türen sind die Wege ins Haus. Eine Aufkantung von einigen Zentimetern hält oft schon viel ab.
- Rückstau: Abläufe unter der Straßenoberkante brauchen eine Rückstausicherung, sonst drückt der volle Kanal das Wasser in den Keller. Viele Entwässerungssatzungen der Gemeinden schreiben sie vor, viele Versicherungen setzen sie voraus. Lass dir zeigen, wo sie sitzt und wann sie zuletzt gewartet wurde.
- Frühere Schäden: Frag den Verkäufer, ob schon einmal Wasser im Keller stand, und sieh nach Wasserrändern, frischem Putz unten an den Wänden und Luftentfeuchtern.
- Versicherung: Starkregen und Rückstau deckt nur der Elementarschutz. In Nordrhein-Westfalen haben ihn 65 % der Wohngebäude (2025, GDV), im Bundesschnitt 59 %. Hol vor dem Kauf ein Angebot für die Adresse ein.
Was Hausprobe für Adressen in Nordrhein-Westfalen zeigt
Hausprobe zeigt in Nordrhein-Westfalen die Wassertiefe bei extremem Starkregen aus der Hinweiskarte des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG), direkt am Haus.
Dazu kommen Hochwasser, Lärm, Radon, Hitze, Bodenwert und die Kosten für das Haus selbst.
Häufige Fragen
- Wo sehe ich, ob ein Haus in NRW bei Starkregen gefährdet ist?
- In der Starkregengefahrenhinweiskarte NRW im Geoportal, für jede Adresse im Land: Wassertiefe und Fließwege bei einem hundertjährlichen und einem extremen Regen von 90 mm in einer Stunde. Ob die Stadt zusätzlich eine eigene Starkregengefahrenkarte hat, zeigt die Karte „Konzepte vor Ort“ im Klimaatlas NRW.
- Warum rechnet die NRW-Karte mit 90 und nicht mit 100 mm?
- NRW war die Testregion, als das BKG seine Starkregenkarten entwickelt hat. Für das extreme Szenario wurden hier 90 mm in einer Stunde angesetzt, in den übrigen Ländern 100 mm. Münster rechnet in seiner eigenen Karte nach der Arbeitshilfe des Landes ebenfalls mit 90 mm.
- Muss ich in NRW Regenwasser auf dem Grundstück versickern?
- Bei Grundstücken, die nach dem 1. Januar 1996 erstmals bebaut oder angeschlossen wurden, grundsätzlich ja, oder du leitest es getrennt vom Schmutzwasser ab (§ 44 Landeswassergesetz). Die Details regelt die Gemeinde in ihrer Satzung oder im Bebauungsplan; frag dort vor dem Kauf nach.
- Was ist der Unterschied zwischen Hochwasser und Starkregen?
- Hochwasser kommt aus einem Fluss oder vom Meer und betrifft die Flächen am Gewässer, die die Hochwasserkarten zeigen. Starkregen fällt direkt auf das Gelände: Das Wasser fließt über Straßen und Wiesen ab und sammelt sich in Senken, auch weit weg von jedem Gewässer. Beides deckt nur der Elementarschutz der Gebäudeversicherung.
- Zahlt die Gebäudeversicherung bei Starkregen?
- Nur mit Elementarschutz. Die normale Wohngebäudeversicherung deckt Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel, aber keine Überschwemmung durch Starkregen und keinen Rückstau aus dem Kanal. In Nordrhein-Westfalen haben ihn 65 % der Wohngebäude (2025, GDV).
Quellen
- Landesregierung NRW: Beginn der Hochwassersaison, Informationsangebote, mit Starkregengefahrenhinweiskarte NRW und kommunalen Starkregenkarten (1. November 2024)
- Geoportal.de: Starkregengefahrenhinweise NRW
- BKG: Dokumentation Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG), Produktstand 2024, Stand 25.09.2026
- BKG: Starkregenhinweiskarten, Potential und Grenzen, Vortrag beim Deutschen Städtetag (12.08.2021)
- Landesregierung NRW: Starkregen-Kongress, kommunale Starkregengefahrenkarten und Arbeitshilfe (Dezember 2021)
- LANUK NRW: Klimaatlas, Methodik der Karten „Konzepte vor Ort“ (Stand 16.06.2026)
- Klimaatlas NRW: Kartenanwendung mit kommunalen Starkregenkarten
- LANUV NRW: Klimaatlas, Methodik Niederschlagskenntage (Stand August 2024)
- Stadt Münster: Bericht zum Unwetter am 28.07.2014, Vorlage V/0839/2014
- Stadt Münster: Entwässerung in Kinderhaus nach dem Starkregen vom 28.07.2014, Vorlage V/0312/2017
- Stadt Münster: Starkregengefahrenkarten
- DWD: Hydro-klimatologische Einordnung der Stark- und Dauerniederschläge im Saarland und in Rheinland-Pfalz, Tief „Katinka“, Mai 2024 (Stand 03.06.2024)
- DWD: Hydro-klimatologische Einordnung der Stark- und Dauerniederschläge im Zusammenhang mit Tief „Bernd“, 12. bis 19. Juli 2021 (Stand 21.07.2021)
- DWD: Hydro-klimatologische Einordnung der Stark- und Dauerniederschläge im Zusammenhang mit Tief „Lambert“, 22. bis 23. Juni 2023 (Stand 27.06.2023)
- GDV: Starkregenbilanz 2002 bis 2021, bundesweit 12,6 Milliarden Euro Schäden, mit Bilanz je Bundesland (aktualisiert 27.07.2023)
- MUNV NRW: Förderrichtlinie Hochwasserrisikomanagement und Wasserrahmenrichtlinie (FöRL HWRM/WRRL), Runderlass vom 10.12.2024
- Landeswassergesetz NRW, § 44 Beseitigung von Niederschlagswasser (Fassung gültig ab 30.10.2026)
- BKG: FAQ Hinweiskarte Starkregengefahren, Stand 25.09.2026
- BKG: Hinweiskarte Starkregengefahren (Projektseite, Bearbeitungsstand Q1/2026)
- BKG: Produktseite WMS Hinweiskarte Starkregengefahren mit Direktdownload je Bundesland
- Geoportal.de: Metadaten Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG)
- BKG: Datenquellen der Hinweiskarte Starkregengefahren
- BKG (Prof. Dr. Paul Becker): Vortrag Hinweiskarte Starkregengefahren, 28. Gewässersymposium Güstrow, 21.05.2025 (Szenarien, Legendenklassen)
- GDV, Naturgefahrenreport 2026: Versicherungsdichte der Elementarschadenversicherung nach Bundesland (2025, vorläufig)