Radon Schleswig-Holstein: Radon-Vorsorgegebiete und Radonkarte vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 31.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Schleswig-Holstein hat kein Radonvorsorgegebiet. Erhöhte Radonwerte gibt es nach der bisherigen Datenlage vor allem entlang der mittleren und nördlichen Ostseeküste. Der Referenzwert für Wohnräume liegt bei 300 Becquerel je Kubikmeter Luft im Jahresmittel.
Radon in Schleswig-Holstein
2019 und 2020 hat das Land mit dem Geologischen Dienst rund 700 Standorte beprobt, mit älteren Messungen liegen Daten von rund 900 Standorten vor. Sie bestätigen ein Gefälle von West nach Ost: Viele Gebiete haben ein sehr geringes Radonpotenzial, einige ein mittleres, keines erfüllt die Kriterien für ein Vorsorgegebiet.
Der Grund liegt in der Eiszeit. Am meisten Radium enthalten die Böden im östlichen Hügelland, das Moränenmaterial aus Skandinavien geprägt hat. Im bundesweiten Vergleich gilt der Gehalt aber nicht als hoch.
Radon-Vorsorgegebiete in Schleswig-Holstein
Schleswig-Holstein hat keine Radon-Vorsorgegebiete festgelegt. Nach der Auswertung der Messungen 2019/2020 erfüllt kein Gebiet die Voraussetzungen (Stand 19. August 2021). Die Ergebnisse der Innenraum-Messkampagne 2026 sollen in die Überprüfung einfließen, die bis Ende 2030 abgeschlossen sein muss.
Ein Gebiet wird Radonvorsorgegebiet, wenn nach einer wissenschaftlichen Prognose auf mindestens 75 % seiner Fläche in mindestens 10 % der Gebäude der Referenzwert von 300 Bq/m³ im Jahresmittel überschritten wird (§ 121 StrlSchG, § 153 StrlSchV). Die Länder mussten diese Gebiete bis 31. Dezember 2020 per Allgemeinverfügung innerhalb ihrer Verwaltungsgrenzen festlegen und müssen die Festlegung mindestens alle zehn Jahre überprüfen.
Was ein Vorsorgegebiet für Kauf und Neubau heißt
Wer ein Gebäude mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen neu baut, muss überall verhindern oder erheblich erschweren, dass Radon aus dem Baugrund eindringt; außerhalb von Vorsorgegebieten genügt dafür der Feuchteschutz nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik (§ 123 StrlSchG). In Vorsorgegebieten kommt mindestens eine weitere Maßnahme nach § 154 StrlSchV hinzu, etwa eine Absaugung von Radon unter Abdichtungen, rissbegrenzter diffusionshemmender Beton oder konvektionsdicht verarbeitete Materialien; wer bei einer Sanierung den Luftwechsel erheblich verringert, soll Radonschutz mitbedenken (§ 123 Abs. 4 StrlSchG).
In Vorsorgegebieten muss, wer für einen Arbeitsplatz im Erd- oder Kellergeschoss verantwortlich ist, die Radonkonzentration innerhalb von 18 Monaten über zwölf Monate mit Geräten einer vom Bundesamt für Strahlenschutz anerkannten Stelle messen lassen (§ 127 StrlSchG, § 155 StrlSchV); in Bergwerken, Radonheilbädern und Anlagen der Wasserversorgung gilt diese Messpflicht überall (Anlage 8 StrlSchG).
Für ein bestehendes Wohnhaus gibt es keine Messpflicht, auch nicht im Vorsorgegebiet. Ob du misst, entscheidest du selbst.
Wie viel Radon ist zu viel?
Der Referenzwert liegt bei 300 Becquerel je Kubikmeter (Bq/m³) im Jahresmittel, für Wohnräume und Arbeitsplätze. Im Schnitt liegt die Radonkonzentration in deutschen Wohnungen bei rund 65 Bq/m³; nach dem Bundesamt für Strahlenschutz leben etwa 10,5 Millionen Menschen mit mehr als 100 Bq/m³ und knapp 2 Millionen mit mehr als 300 Bq/m³ (Studie „Radon in Wohnungen“, Messungen 2019–2020).
Nach einer Studie des Bundesamts für Strahlenschutz gehen in Deutschland rund 2.800 Lungenkrebstodesfälle pro Jahr auf Radon in Wohnungen zurück, etwa 6,3 % aller Lungenkrebstodesfälle (Durchschnitt der Jahre 2018–2022, veröffentlicht im November 2024).
Beratung und Messung in Schleswig-Holstein
Ansprechpartner in Schleswig-Holstein: Radonberatungsstelle des Landes im Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur (MEKUN).
Am einfachsten misst du mit passiven Messgeräten (Exposimetern), die ein Messlabor per Post schickt: eins im Keller, weitere im Wohn-, Schlaf- oder Kinderzimmer, drei bis zwölf Monate lang, am besten ein ganzes Jahr. Nach dem Bundesamt für Strahlenschutz kostet eine Messung mit Gerät und Auswertung je nach Labor 30 bis 50 Euro; das BfS führt eine Liste der von ihm anerkannten Stellen.
- Innenraum-Messkampagne 2026 mit kostenlosen Messgeräten für 1.000 Haushalte (Sachverständigenbüro Dr. Kemski), gestartet am 19. Januar 2026. Die Anmeldung ist geschlossen, weil alle Plätze vergeben sind; die Ergebnisse sollen in rund zwei Jahren veröffentlicht werden.
- Radonberatungsstelle Schleswig-Holstein ↗ · Telefon 0431 988-5530, radonberatung@mekun.landsh.de; berät kostenlos, auch zu selbst beauftragten Messungen
Was Schleswig-Holstein zusätzlich tut
Das Land hat eine eigene Prognosekarte des Radonpotenzials erstellt. In Gebieten ab einem Radonpotenzial von 30 hält die Radonberatungsstelle eine Messung im Einzelfall für sinnvoll, je nach Zustand des Gebäudes.
Radon beim Hauskauf prüfen
- Keller und Bodenplatte: Radon kommt aus dem Boden, durch Risse, Rohrdurchführungen und offene Kellerböden. Ein unbeheizter Keller mit Lehm- oder Natursteinboden lässt mehr durch als eine dichte Betonplatte.
- Wohnen im Erdgeschoss oder Souterrain: Je näher die Räume am Boden liegen, desto mehr zählt es. Im Dachgeschoss spielt Radon kaum eine Rolle.
- Frag nach Messungen: Manche Verkäufer haben schon gemessen, in Vorsorgegebieten öfter. Lass dir die Ergebnisse zeigen.
- Messen nach dem Kauf: Mindestens drei Monate in der Heizperiode, besser ein ganzes Jahr. Liegt der Wert über dem Referenzwert, helfen oft schon dichte Risse und Rohrdurchführungen und regelmäßiges Lüften; reicht das nicht, saugt eine Anlage das Radon unter der Bodenplatte ab.
Was Hausprobe für Adressen in Schleswig-Holstein zeigt
Für jede Adresse prüft Hausprobe, ob sie in einem Radon-Vorsorgegebiet liegt, und zeigt das Radonpotenzial des Bundesamts für Strahlenschutz für die Fläche. Das Potenzial sagt, wie viel Radon der Boden abgibt; was im einzelnen Haus ankommt, zeigt nur eine Messung.
Häufige Fragen
- Gibt es Radon-Vorsorgegebiete in Schleswig-Holstein?
- Nein. Nach der Auswertung der Messungen 2019/2020 erfüllt kein Gebiet die Voraussetzungen (Stand 19. August 2021). Die Ergebnisse der Innenraum-Messkampagne 2026 sollen in die Überprüfung einfließen, die bis Ende 2030 abgeschlossen sein muss.
- Gibt es an der Ostseeküste in Schleswig-Holstein mehr Radon?
- Ja, nach der bisherigen Datenlage treten erhöhte Radonkonzentrationen vor allem entlang der mittleren und nördlichen Ostseeküste auf. Ein Vorsorgegebiet ist dort trotzdem nicht festgelegt. Ob dein Haus betroffen ist, hängt stark vom Gebäude ab und zeigt nur eine Messung.
- Kann ich in Schleswig-Holstein kostenlos Radon messen?
- Die kostenlose Messkampagne 2026 für 1.000 Haushalte ist ausgebucht. Messgeräte kannst du kostenpflichtig bei vom Bundesamt für Strahlenschutz anerkannten Laboren bestellen; die Radonberatungsstelle hilft dir kostenlos, das Ergebnis einzuordnen.
- Muss ich beim Hauskauf Radon messen?
- Nein. Für Wohnhäuser gibt es keine Messpflicht, auch nicht in Vorsorgegebieten. Eine Messung kostet nach dem Bundesamt für Strahlenschutz 30 bis 50 Euro und zeigt, ob du etwas tun solltest.
Quellen
- Land Schleswig-Holstein: Kein Radonvorsorgegebiet in Schleswig-Holstein (Stand 19. August 2021)
- Land Schleswig-Holstein: Fragen und Antworten zu Gesundheitsrisiken durch Radon in Gebäuden
- Land Schleswig-Holstein: Messkampagne zur Ermittlung von Radon in Innenräumen (Stand 21. Januar 2026)
- MEKUN Schleswig-Holstein, Medieninformation vom 19. Januar 2026: Land startet Innenraum-Messkampagne für Radon
- Land Schleswig-Holstein: Radonberatungsstelle
- BfS: Radon-Vorsorgegebiete in Deutschland (Übersicht der Länder, Karte Stand 15. Juni 2021, Seite aktualisiert 13. Oktober 2025)
- Strahlenschutzgesetz § 121: Festlegung von Gebieten
- Strahlenschutzgesetz § 123: Maßnahmen an Gebäuden
- Strahlenschutzgesetz § 124: Referenzwert für Aufenthaltsräume
- Strahlenschutzgesetz § 126: Referenzwert für Arbeitsplätze
- Strahlenschutzgesetz § 127: Messung der Radonkonzentration an Arbeitsplätzen
- Strahlenschutzgesetz Anlage 8: Arbeitsfelder mit erhöhter Exposition durch Radon
- Strahlenschutzverordnung § 153: Kriterien für die Festlegung der Gebiete
- Strahlenschutzverordnung § 154: Maßnahmen für Neubauten in Vorsorgegebieten
- Strahlenschutzverordnung § 155: Durchführung der Messung
- BfS: Radon-Konzentration in Wohnräumen (Karte, Messungen 2019–2020)
- BfS, Pressemitteilung vom 12. Dezember 2023: Neue Karte zeigt Radon-Situation in Wohnungen
- BfS, Pressemitteilung vom 14. November 2024: Lungenkrebs: Über 6 Prozent der Todesfälle könnten von Radon verursacht sein (Anteile nach Ländern)
- BfS: Wie kann ich Radon messen (lassen)?
- BfS: Anerkannte Stellen für die Messung der Radon-222-Aktivitätskonzentration