Radon Hessen: Radon-Vorsorgegebiete und Radonkarte vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 31.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Hessen hat bisher kein Radonvorsorgegebiet, weil bei der ersten Prüfung kein Landkreis und keine kreisfreie Stadt das Kriterium erfüllte. Das Land hat eine Überprüfung angekündigt, bei der künftig auch einzelne Gemeinden festgelegt werden könnten. Der Referenzwert für Wohnräume liegt bei 300 Becquerel je Kubikmeter Luft im Jahresmittel.
Radon in Hessen
Mit mehr Überschreitungen des Referenzwerts rechnet die Landesradonstrategie in Teilen des Odenwalds, des Taunus und im Grenzgebiet zu Thüringen: dort, wo Gesteine mehr Uran oder Thorium enthalten oder tektonische Störungen dem Gas einen Weg nach oben bieten. In Bad Nauheim wurden bei einem Forschungsvorhaben in der Bodenluft fast 2.000.000 Bq/m³ gemessen.
Seit 2018 haben das Land, die Technische Hochschule Mittelhessen und das Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) die Bodenluft flächendeckend vermessen; diese Kampagne endete 2024. Danach bekamen 3.000 Haushalte vom Hessischen Radonzentrum je zwei kostenlose Messgeräte für ein Jahr; der erste Teil endete im September 2024, der zweite sollte im Mai 2025 enden. Gesamtergebnisse hat das Radonzentrum auf seiner Seite bis Oktober 2026 nicht veröffentlicht.
Radon-Vorsorgegebiete in Hessen
Hessen hat keine Radon-Vorsorgegebiete festgelegt. Hessen hat zum 1. Januar 2021 auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte geprüft; nach der Prognose des Bundesamts für Strahlenschutz erfüllte keine dieser Einheiten das Kriterium auf mehr als 75 % ihrer Fläche. Die Landesradonstrategie kündigt eine Überprüfung bis 2025 an und hält eine Festlegung auf Gemeindeebene für möglich. In der Übersicht des BfS ist für Hessen weiterhin kein Gebiet eingetragen.
Ein Gebiet wird Radonvorsorgegebiet, wenn nach einer wissenschaftlichen Prognose auf mindestens 75 % seiner Fläche in mindestens 10 % der Gebäude der Referenzwert von 300 Bq/m³ im Jahresmittel überschritten wird (§ 121 StrlSchG, § 153 StrlSchV). Die Länder mussten diese Gebiete bis 31. Dezember 2020 per Allgemeinverfügung innerhalb ihrer Verwaltungsgrenzen festlegen und müssen die Festlegung mindestens alle zehn Jahre überprüfen.
Was ein Vorsorgegebiet für Kauf und Neubau heißt
Wer ein Gebäude mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen neu baut, muss überall verhindern oder erheblich erschweren, dass Radon aus dem Baugrund eindringt; außerhalb von Vorsorgegebieten genügt dafür der Feuchteschutz nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik (§ 123 StrlSchG). In Vorsorgegebieten kommt mindestens eine weitere Maßnahme nach § 154 StrlSchV hinzu, etwa eine Absaugung von Radon unter Abdichtungen, rissbegrenzter diffusionshemmender Beton oder konvektionsdicht verarbeitete Materialien; wer bei einer Sanierung den Luftwechsel erheblich verringert, soll Radonschutz mitbedenken (§ 123 Abs. 4 StrlSchG).
In Vorsorgegebieten muss, wer für einen Arbeitsplatz im Erd- oder Kellergeschoss verantwortlich ist, die Radonkonzentration innerhalb von 18 Monaten über zwölf Monate mit Geräten einer vom Bundesamt für Strahlenschutz anerkannten Stelle messen lassen (§ 127 StrlSchG, § 155 StrlSchV); in Bergwerken, Radonheilbädern und Anlagen der Wasserversorgung gilt diese Messpflicht überall (Anlage 8 StrlSchG).
Für ein bestehendes Wohnhaus gibt es keine Messpflicht, auch nicht im Vorsorgegebiet. Ob du misst, entscheidest du selbst.
Wie viel Radon ist zu viel?
Der Referenzwert liegt bei 300 Becquerel je Kubikmeter (Bq/m³) im Jahresmittel, für Wohnräume und Arbeitsplätze. Im Schnitt liegt die Radonkonzentration in deutschen Wohnungen bei rund 65 Bq/m³; nach dem Bundesamt für Strahlenschutz leben etwa 10,5 Millionen Menschen mit mehr als 100 Bq/m³ und knapp 2 Millionen mit mehr als 300 Bq/m³ (Studie „Radon in Wohnungen“, Messungen 2019–2020).
Nach einer Studie des Bundesamts für Strahlenschutz gehen in Deutschland rund 2.800 Lungenkrebstodesfälle pro Jahr auf Radon in Wohnungen zurück, etwa 6,3 % aller Lungenkrebstodesfälle (Durchschnitt der Jahre 2018–2022, veröffentlicht im November 2024).
Beratung und Messung in Hessen
Ansprechpartner in Hessen: Hessisches Radonzentrum (HeRaZ) an der Technischen Hochschule Mittelhessen.
Am einfachsten misst du mit passiven Messgeräten (Exposimetern), die ein Messlabor per Post schickt: eins im Keller, weitere im Wohn-, Schlaf- oder Kinderzimmer, drei bis zwölf Monate lang, am besten ein ganzes Jahr. Nach dem Bundesamt für Strahlenschutz kostet eine Messung mit Gerät und Auswertung je nach Labor 30 bis 50 Euro; das BfS führt eine Liste der von ihm anerkannten Stellen.
- Hessisches Radonzentrum ↗ · Information und Beratung zu Radonmessung und Radonschutz
Was Hessen zusätzlich tut
Hessen hat eine eigene Landesradonstrategie (Fassung Oktober 2023). Dazu gehören das Hessische Radonzentrum, die landesweiten Messkampagnen und Forschungsvorhaben zu Radon in Gebäuden.
Radon beim Hauskauf prüfen
- Keller und Bodenplatte: Radon kommt aus dem Boden, durch Risse, Rohrdurchführungen und offene Kellerböden. Ein unbeheizter Keller mit Lehm- oder Natursteinboden lässt mehr durch als eine dichte Betonplatte.
- Wohnen im Erdgeschoss oder Souterrain: Je näher die Räume am Boden liegen, desto mehr zählt es. Im Dachgeschoss spielt Radon kaum eine Rolle.
- Frag nach Messungen: Manche Verkäufer haben schon gemessen, in Vorsorgegebieten öfter. Lass dir die Ergebnisse zeigen.
- Messen nach dem Kauf: Mindestens drei Monate in der Heizperiode, besser ein ganzes Jahr. Liegt der Wert über dem Referenzwert, helfen oft schon dichte Risse und Rohrdurchführungen und regelmäßiges Lüften; reicht das nicht, saugt eine Anlage das Radon unter der Bodenplatte ab.
Was Hausprobe für Adressen in Hessen zeigt
Für jede Adresse prüft Hausprobe, ob sie in einem Radon-Vorsorgegebiet liegt, und zeigt das Radonpotenzial des Bundesamts für Strahlenschutz für die Fläche. Das Potenzial sagt, wie viel Radon der Boden abgibt; was im einzelnen Haus ankommt, zeigt nur eine Messung.
Häufige Fragen
- Gibt es Radon-Vorsorgegebiete in Hessen?
- Nein. Hessen hat zum 1. Januar 2021 auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte geprüft; nach der Prognose des Bundesamts für Strahlenschutz erfüllte keine dieser Einheiten das Kriterium auf mehr als 75 % ihrer Fläche. Die Landesradonstrategie kündigt eine Überprüfung bis 2025 an und hält eine Festlegung auf Gemeindeebene für möglich. In der Übersicht des BfS ist für Hessen weiterhin kein Gebiet eingetragen.
- Ist der Odenwald ein Radongebiet?
- Ein Radonvorsorgegebiet ist er nicht, in Hessen gibt es keines. Die Landesradonstrategie nennt Teile des Odenwalds aber als Gebiet, in dem mit mehr Überschreitungen des Referenzwerts zu rechnen ist. Wenn du dort ein Haus mit genutztem Keller kaufst, lohnt eine Messung über ein Jahr.
- Kann ich in Hessen kostenlos Radon messen?
- Die kostenlose Innenraum-Messkampagne des Hessischen Radonzentrums für 3.000 Haushalte ist abgeschlossen. Zwei Exposimeter für Keller und Wohnraum kosten nach Angabe des Radonzentrums zusammen etwa 60 Euro.
- Muss ich beim Hauskauf Radon messen?
- Nein. Für Wohnhäuser gibt es keine Messpflicht, auch nicht in Vorsorgegebieten. Eine Messung kostet nach dem Bundesamt für Strahlenschutz 30 bis 50 Euro und zeigt, ob du etwas tun solltest.
Quellen
- Hessisches Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt: Die Radonstrategie des Landes Hessen (Oktober 2023)
- HLNUG: Radon in Hessen
- Hessisches Radonzentrum: Radongebiete in Deutschland und Hessen
- Hessisches Radonzentrum, 23. September 2024: Hessen hat Radon gemessen (Innenraum-Messkampagne)
- Hessisches Radonzentrum: Radonmessung mit Exposimeter (Kosten)
- BfS: Radon-Vorsorgegebiete in Deutschland (Übersicht der Länder, Karte Stand 15. Juni 2021, Seite aktualisiert 13. Oktober 2025)
- Strahlenschutzgesetz § 121: Festlegung von Gebieten
- Strahlenschutzgesetz § 123: Maßnahmen an Gebäuden
- Strahlenschutzgesetz § 124: Referenzwert für Aufenthaltsräume
- Strahlenschutzgesetz § 126: Referenzwert für Arbeitsplätze
- Strahlenschutzgesetz § 127: Messung der Radonkonzentration an Arbeitsplätzen
- Strahlenschutzgesetz Anlage 8: Arbeitsfelder mit erhöhter Exposition durch Radon
- Strahlenschutzverordnung § 153: Kriterien für die Festlegung der Gebiete
- Strahlenschutzverordnung § 154: Maßnahmen für Neubauten in Vorsorgegebieten
- Strahlenschutzverordnung § 155: Durchführung der Messung
- BfS: Radon-Konzentration in Wohnräumen (Karte, Messungen 2019–2020)
- BfS, Pressemitteilung vom 12. Dezember 2023: Neue Karte zeigt Radon-Situation in Wohnungen
- BfS, Pressemitteilung vom 14. November 2024: Lungenkrebs: Über 6 Prozent der Todesfälle könnten von Radon verursacht sein (Anteile nach Ländern)
- BfS: Wie kann ich Radon messen (lassen)?
- BfS: Anerkannte Stellen für die Messung der Radon-222-Aktivitätskonzentration