Radon Rheinland-Pfalz: Radon-Vorsorgegebiete und Radonkarte vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 31.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Rheinland-Pfalz hat kein Radonvorsorgegebiet. Weil das Radonvorkommen kleinräumig wechselt, stellt das Land eine geologische Radonkarte bereit, und frühere Messungen fanden im Landkreis Bad Kreuznach sehr hohe Einzelwerte. Der Referenzwert für Wohnräume liegt bei 300 Becquerel je Kubikmeter Luft im Jahresmittel.
Radon in Rheinland-Pfalz
Nach geologischen Untersuchungen des Bundesamts für Strahlenschutz und eigenen Bodenmessungen muss in keinem Landkreis ein Vorsorgegebiet festgelegt werden; Raumluftmessungen, die das Land seit 2003 durchführen lässt, bestätigen das. Ob kleinere Verwaltungseinheiten Vorsorgegebiete werden sollten, will das Umweltministerium mit weiteren Messungen prüfen.
Gemessen wurde in Bitburg-Prüm und Trier-Saarburg (Bericht 2003), in Cochem-Zell, Kusel, Mayen-Koblenz und im Westerwaldkreis (2005) sowie im Donnersbergkreis und im Landkreis Bad Kreuznach (2013). Bad Kreuznach war bis dahin der einzige untersuchte Landkreis mit Werten über 1.000 Bq/m³ in Erdgeschossräumen und über 10.000 Bq/m³ in Kellern. Im Donnersbergkreis und in Bad Kreuznach lagen rund 17 % der Erdgeschossräume über 100 Bq/m³.
Radon-Vorsorgegebiete in Rheinland-Pfalz
Rheinland-Pfalz hat keine Radon-Vorsorgegebiete festgelegt. Nach Angaben des Umweltministeriums muss nach derzeitigem Wissensstand in keinem Landkreis ein Vorsorgegebiet ausgewiesen werden. Ob kleinere Verwaltungseinheiten in Frage kommen, soll mit weiteren Messungen geprüft werden.
Ein Gebiet wird Radonvorsorgegebiet, wenn nach einer wissenschaftlichen Prognose auf mindestens 75 % seiner Fläche in mindestens 10 % der Gebäude der Referenzwert von 300 Bq/m³ im Jahresmittel überschritten wird (§ 121 StrlSchG, § 153 StrlSchV). Die Länder mussten diese Gebiete bis 31. Dezember 2020 per Allgemeinverfügung innerhalb ihrer Verwaltungsgrenzen festlegen und müssen die Festlegung mindestens alle zehn Jahre überprüfen.
Was ein Vorsorgegebiet für Kauf und Neubau heißt
Wer ein Gebäude mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen neu baut, muss überall verhindern oder erheblich erschweren, dass Radon aus dem Baugrund eindringt; außerhalb von Vorsorgegebieten genügt dafür der Feuchteschutz nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik (§ 123 StrlSchG). In Vorsorgegebieten kommt mindestens eine weitere Maßnahme nach § 154 StrlSchV hinzu, etwa eine Absaugung von Radon unter Abdichtungen, rissbegrenzter diffusionshemmender Beton oder konvektionsdicht verarbeitete Materialien; wer bei einer Sanierung den Luftwechsel erheblich verringert, soll Radonschutz mitbedenken (§ 123 Abs. 4 StrlSchG).
In Vorsorgegebieten muss, wer für einen Arbeitsplatz im Erd- oder Kellergeschoss verantwortlich ist, die Radonkonzentration innerhalb von 18 Monaten über zwölf Monate mit Geräten einer vom Bundesamt für Strahlenschutz anerkannten Stelle messen lassen (§ 127 StrlSchG, § 155 StrlSchV); in Bergwerken, Radonheilbädern und Anlagen der Wasserversorgung gilt diese Messpflicht überall (Anlage 8 StrlSchG).
Für ein bestehendes Wohnhaus gibt es keine Messpflicht, auch nicht im Vorsorgegebiet. Ob du misst, entscheidest du selbst.
Wie viel Radon ist zu viel?
Der Referenzwert liegt bei 300 Becquerel je Kubikmeter (Bq/m³) im Jahresmittel, für Wohnräume und Arbeitsplätze. Im Schnitt liegt die Radonkonzentration in deutschen Wohnungen bei rund 65 Bq/m³; nach dem Bundesamt für Strahlenschutz leben etwa 10,5 Millionen Menschen mit mehr als 100 Bq/m³ und knapp 2 Millionen mit mehr als 300 Bq/m³ (Studie „Radon in Wohnungen“, Messungen 2019–2020).
Nach einer Studie des Bundesamts für Strahlenschutz gehen in Deutschland rund 2.800 Lungenkrebstodesfälle pro Jahr auf Radon in Wohnungen zurück, etwa 6,3 % aller Lungenkrebstodesfälle (Durchschnitt der Jahre 2018–2022, veröffentlicht im November 2024).
Beratung und Messung in Rheinland-Pfalz
Ansprechpartner in Rheinland-Pfalz: Radon-Informationsstelle im Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz.
Am einfachsten misst du mit passiven Messgeräten (Exposimetern), die ein Messlabor per Post schickt: eins im Keller, weitere im Wohn-, Schlaf- oder Kinderzimmer, drei bis zwölf Monate lang, am besten ein ganzes Jahr. Nach dem Bundesamt für Strahlenschutz kostet eine Messung mit Gerät und Auswertung je nach Labor 30 bis 50 Euro; das BfS führt eine Liste der von ihm anerkannten Stellen.
- Radon-Informationsstelle ↗ · Telefon 06131 6033-1263, Radon@lfu.rlp.de; Liste von Messstellen und geologische Radonkarte
Was Rheinland-Pfalz zusätzlich tut
Die geologische Radonkarte des Landesamts für Umwelt zeigt Radonkonzentration in der Bodenluft, Durchlässigkeit des Bodens und Radonpotenzial. Sie ist eine Prognose und ersetzt keine Messung im Haus.
Radon beim Hauskauf prüfen
- Keller und Bodenplatte: Radon kommt aus dem Boden, durch Risse, Rohrdurchführungen und offene Kellerböden. Ein unbeheizter Keller mit Lehm- oder Natursteinboden lässt mehr durch als eine dichte Betonplatte.
- Wohnen im Erdgeschoss oder Souterrain: Je näher die Räume am Boden liegen, desto mehr zählt es. Im Dachgeschoss spielt Radon kaum eine Rolle.
- Frag nach Messungen: Manche Verkäufer haben schon gemessen, in Vorsorgegebieten öfter. Lass dir die Ergebnisse zeigen.
- Messen nach dem Kauf: Mindestens drei Monate in der Heizperiode, besser ein ganzes Jahr. Liegt der Wert über dem Referenzwert, helfen oft schon dichte Risse und Rohrdurchführungen und regelmäßiges Lüften; reicht das nicht, saugt eine Anlage das Radon unter der Bodenplatte ab.
Was Hausprobe für Adressen in Rheinland-Pfalz zeigt
Für jede Adresse prüft Hausprobe, ob sie in einem Radon-Vorsorgegebiet liegt, und zeigt das Radonpotenzial des Bundesamts für Strahlenschutz für die Fläche. Das Potenzial sagt, wie viel Radon der Boden abgibt; was im einzelnen Haus ankommt, zeigt nur eine Messung.
Häufige Fragen
- Gibt es Radon-Vorsorgegebiete in Rheinland-Pfalz?
- Nein. Nach Angaben des Umweltministeriums muss nach derzeitigem Wissensstand in keinem Landkreis ein Vorsorgegebiet ausgewiesen werden. Ob kleinere Verwaltungseinheiten in Frage kommen, soll mit weiteren Messungen geprüft werden.
- Ist Bad Kreuznach ein Radongebiet?
- Ein Vorsorgegebiet ist es nicht, in Rheinland-Pfalz gibt es keines. Bei Messungen 2013 hatte der Landkreis Bad Kreuznach aber die höchsten Werte aller bis dahin untersuchten Landkreise, in einzelnen Kellern über 10.000 Bq/m³. Vor dem Kauf eines Hauses dort lohnt eine Messung.
- Wo finde ich in Rheinland-Pfalz eine Radonmessstelle?
- Die Radon-Informationsstelle im Landesamt für Umwelt führt eine Liste von Messstellen. Für Messungen an Arbeitsplätzen müssen Geräte einer vom Bundesamt für Strahlenschutz anerkannten Stelle verwendet werden; das BfS veröffentlicht die Anbieter.
- Muss ich beim Hauskauf Radon messen?
- Nein. Für Wohnhäuser gibt es keine Messpflicht, auch nicht in Vorsorgegebieten. Eine Messung kostet nach dem Bundesamt für Strahlenschutz 30 bis 50 Euro und zeigt, ob du etwas tun solltest.
Quellen
- Umweltministerium Rheinland-Pfalz: Radon in Häusern (Radonvorsorgegebiete)
- LfU Rheinland-Pfalz: Radon-Informationsstelle
- LfU Rheinland-Pfalz: Radonmessungen (Berichte 2003, 2005, 2013)
- LfU Rheinland-Pfalz: Radon-Raumluftmessungen im Donnersbergkreis und Landkreis Bad Kreuznach (GeoConsult Rein, 2013)
- LfU Rheinland-Pfalz: Geologische Radonkarte RLP
- BfS: Radon-Vorsorgegebiete in Deutschland (Übersicht der Länder, Karte Stand 15. Juni 2021, Seite aktualisiert 13. Oktober 2025)
- Strahlenschutzgesetz § 121: Festlegung von Gebieten
- Strahlenschutzgesetz § 123: Maßnahmen an Gebäuden
- Strahlenschutzgesetz § 124: Referenzwert für Aufenthaltsräume
- Strahlenschutzgesetz § 126: Referenzwert für Arbeitsplätze
- Strahlenschutzgesetz § 127: Messung der Radonkonzentration an Arbeitsplätzen
- Strahlenschutzgesetz Anlage 8: Arbeitsfelder mit erhöhter Exposition durch Radon
- Strahlenschutzverordnung § 153: Kriterien für die Festlegung der Gebiete
- Strahlenschutzverordnung § 154: Maßnahmen für Neubauten in Vorsorgegebieten
- Strahlenschutzverordnung § 155: Durchführung der Messung
- BfS: Radon-Konzentration in Wohnräumen (Karte, Messungen 2019–2020)
- BfS, Pressemitteilung vom 12. Dezember 2023: Neue Karte zeigt Radon-Situation in Wohnungen
- BfS, Pressemitteilung vom 14. November 2024: Lungenkrebs: Über 6 Prozent der Todesfälle könnten von Radon verursacht sein (Anteile nach Ländern)
- BfS: Wie kann ich Radon messen (lassen)?
- BfS: Anerkannte Stellen für die Messung der Radon-222-Aktivitätskonzentration