Starkregenkarte Hessen: Starkregengefahr vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 31.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Hessen hat zwei eigene Kartenwerke des HLNUG: eine grobe Starkregen-Hinweiskarte für das ganze Land und Fließpfadkarten, die für die meisten Häuser zeigen, ob ein Fließweg in der Nähe liegt. Seit 20. Oktober 2026 kommt die Hinweiskarte des Bundes mit Wassertiefen dazu.
Starkregen in Hessen
In Hessen kommen Starkregen oft in Serien. In den Serien von Ende Mai bis Ende Juni 2016 und von Mitte Mai bis Mitte Juni 2018 gab es laut HLNUG jeweils an 10 Tagen mehr als 40 l/m² in kurzer Zeit. Die größten Mengen: 82 l/m² am 29. Mai 2016 in Birkenau an der Bergstraße und 78 l/m² am 13. Mai 2018 in Grebenhain im Vogelsbergkreis; am 7. Juni 2018 fielen 60 l/m² in der Frankfurter Innenstadt.
Seit ihrer Aktualisierung 2022 treten in der hessischen Starkregen-Hinweiskarte die Siedlungen deutlicher hervor; die höchsten Werte liegen in Kassel, im Rhein-Main-Gebiet, in Gießen und Darmstadt. Auch die oft dicht besiedelten Flusstäler, in denen es regelmäßig zu Überflutungen kommt, heben sich ab. Insgesamt weist die Karte für 19 % der Landesfläche einen hohen und für 21 % einen erhöhten Starkregen-Index aus.
2025 registrierte das Land Hessen 28 Starkregenereignisse.
- Ende Mai bis Ende Juni 2016, ganz Hessen, unter anderem Birkenau, Liebenau und Offenbach: an 10 Tagen mehr als 40 l/m² in kurzer Zeit, am 29. Mai 82 l/m² in Birkenau; überflutete Straßen in Liebenau (28. Mai) und Offenbach (6. Juni)
- 7. Juni 2018, Frankfurt am Main und Weilburg: 60 l/m² in kurzer Zeit in der Frankfurter Innenstadt; Überflutungen bei Weilburg
- 20./21. Mai 2019, Nord- und Osthessen: an 10 Messstellen 24-Stunden-Mengen, wie sie statistisch nur alle 100 Jahre oder seltener vorkommen, bis 112,3 mm in Sinntal-Sterbfritz; Straßen und Keller unter Wasser, A44 bei Kassel und A4 bei Bad Hersfeld überflutet, Marktplatz in Kaufungen überschwemmt, Schlammlawine in Schotten
Die Starkregenkarten für Hessen
Die Starkregen-Hinweiskarte aus dem Projekt KLIMPRAX bewertet ganz Hessen in Rasterzellen von 1 km². Sie verbindet die Zahl gemessener Starkregen aus Radardaten des DWD (2001–2020, aktualisiert 2022), den Versiegelungsgrad und Senken und Abflussbahnen aus einer hydrodynamischen Modellierung zu einem Index, dazu kommt ein Vulnerabilitätsindex aus Bevölkerungsdichte, Krankenhäusern, Anlagen mit Gefahrstoffen und Erosionsgefahr. Für ein einzelnes Haus ist sie zu grob. Genauer sind die kommunalen Fließpfadkarten mit einer Auflösung von 1 m²: Sie zeigen, wohin Wasser bei Starkregen fließt, und färben jedes Haus rot, das mit einer Ecke oder Seite höchstens 5 m von einem Fließpfad entfernt ist. Gräben, Durchlässe und Kanalisation sind meist nicht enthalten; für Großstädte und sehr flache Gebiete wie das Hessische Ried sind sie nicht geeignet. Beide Karten zeigt der Starkregenviewer. Wassertiefen für zwei Szenarien liefert seit 20. Oktober 2026 die Hinweiskarte des Bundes; für Hessen entspricht ihr 100-jährliches Szenario etwa 40–50 mm in einer Stunde.
- Starkregenviewer des HLNUG ↗ · Starkregen-Hinweiskarte und kommunale Fließpfadkarten
- Hinweiskarte Starkregengefahren im Geoportal.de ↗ · Adresse eingeben, dann Szenario und Ebene wählen
Die Hinweiskarte Starkregengefahren des Bundes
Die Karte rechnet zwei Regen von je einer Stunde: einen außergewöhnlichen, wie er statistisch etwa einmal in 100 Jahren vorkommt, mit der Regenmenge des Deutschen Wetterdiensts für die jeweilige Region (je nach Land etwa 35 bis 55 mm), und einen extremen mit 100 mm, in Nordrhein-Westfalen 90 mm. Für beide zeigt sie, wie tief das Wasser höchstens steht, in Stufen von 10 cm bis über 4 m, wie schnell es fließt und in welche Richtung. Wasser unter 10 cm zeigt sie nicht.
Gerechnet ist sie mit einem Abflussmodell auf dem amtlichen Geländemodell mit 1 m Auflösung. Gebäude sind darin Hindernisse, um die das Wasser herumfließt; Durchlässe und Rohre ab 50 cm Durchmesser und Pumpwerke sind berücksichtigt.
Was die Karten nicht zeigen
Das Kanalnetz und die Versickerung im Boden rechnet die Karte nicht mit: Aller Regen fließt an der Oberfläche ab. Durchlässe unter 50 cm, Mauern und Bordsteine fehlen. Ob Wasser ins Haus oder in den Keller läuft, berechnet sie nicht, und Hochwasser aus Flüssen zeigt sie nicht. Das BKG nennt sie eine erste Orientierung, nicht metergenau und rechtlich nicht verbindlich; wo es Karten des Landes oder der Gemeinde gibt, gehen diese vor.
Eine Karte ohne Treffer heißt nicht, dass das Haus sicher ist. Sie zeigt, wo Wasser abfließt und sich sammelt. Ob es ins Haus kommt, entscheiden Kellerfenster, Einfahrt und Rückstausicherung.
Starkregenkarten der Gemeinden in Hessen
Die meisten Kommunen in Hessen haben vom HLNUG bereits eine Fließpfadkarte bekommen; seit sie im Starkregenviewer stehen, kann sie jeder kostenlos ansehen. Seit April 2025 ordnet der Viewer den Fließpfaden ein Einzugsgebiet mit Fläche, Länge und Neigung zu und markiert, wo am Ortsrand ein Graben, Kanal oder Bach liegt; das gilt nicht für Gemeinden mit mehr als 90.000 Einwohnern und zu flache Gebiete. Für größere Orte, flache Lagen und kritische Gebiete empfiehlt das HLNUG eine Starkregen-Gefahrenkarte, die die Kommune bei einem Ingenieurbüro beauftragt; sie rechnet Senken und Wassertiefen und kann auch das Kanalnetz mitrechnen. Ob es für deinen Ort eine gibt, erfährst du bei der Gemeinde.
Förderung und Regeln in Hessen
Nach § 37 Abs. 4 Hessisches Wassergesetz soll Niederschlagswasser von dem verwertet werden, bei dem es anfällt. Gemeinden können per Satzung oder im Bebauungsplan vorschreiben, dass Anlagen zum Sammeln oder Verwenden von Regenwasser gebaut werden, etwa eine Zisterne, um Kanäle zu entlasten und Überschwemmungen zu vermeiden. Frag bei der Gemeinde, ob für dein Grundstück so eine Pflicht gilt.
- Kommunale Klimarichtlinie (in Kraft vom 1. Juli 2025 bis 30. Juni 2030, Anträge über die WIBank), für Kommunen: Zuschuss für Starkregenanalysen mit Simulation der Abflusswege und Maßnahmen bis 100.000 € (interkommunal bis 250.000 €) und für investive Maßnahmen wie Rückhalt, Versickerung, Entsiegelung oder das Öffnen verrohrter Bäche bis 250.000 €. Fördersatz in der Regel 40 %, für Mitglieder im Bündnis „Hessen aktiv: Die Klima-Kommunen“ 60 % (Ambitionsstufe Standard) oder 75 % (Sprinter).
- Über dieselbe Richtlinie können Klima-Kommunen mit in der Regel mindestens 20.000 Einwohnern eigene Förderprogramme für Privateigentümer in überhitzten Stadtteilen auflegen: Dach- und Fassadenbegrünung, Zisternen und Hofentsiegelung mit 60–85 % der Kosten, höchstens 20.000 € je Förderung. Ob es so ein Programm in deinem Ort gibt, erfährst du bei der Stadt.
So prüfst du ein Haus auf Starkregen
- Lage: Steht das Haus in einer Senke, am Fuß eines Hangs oder tiefer als die Straße? Wasser sucht sich den tiefsten Punkt, auch weit weg von jedem Bach.
- Öffnungen: Kellertreppe, Lichtschächte, Garageneinfahrt und ebenerdige Türen sind die Wege ins Haus. Eine Aufkantung von einigen Zentimetern hält oft schon viel ab.
- Rückstau: Abläufe unter der Straßenoberkante brauchen eine Rückstausicherung, sonst drückt der volle Kanal das Wasser in den Keller. Viele Entwässerungssatzungen der Gemeinden schreiben sie vor, viele Versicherungen setzen sie voraus. Lass dir zeigen, wo sie sitzt und wann sie zuletzt gewartet wurde.
- Frühere Schäden: Frag den Verkäufer, ob schon einmal Wasser im Keller stand, und sieh nach Wasserrändern, frischem Putz unten an den Wänden und Luftentfeuchtern.
- Versicherung: Starkregen und Rückstau deckt nur der Elementarschutz. In Hessen haben ihn 59 % der Wohngebäude (2025, GDV), im Bundesschnitt 59 %. Hol vor dem Kauf ein Angebot für die Adresse ein.
Was Hausprobe für Adressen in Hessen zeigt
Hausprobe zeigt in Hessen die Wassertiefe bei extremem Starkregen aus der Hinweiskarte des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG), direkt am Haus.
Dazu kommen Hochwasser, Lärm, Radon, Hitze, Bodenwert und die Kosten für das Haus selbst.
Häufige Fragen
- Das Haus ist in der hessischen Fließpfadkarte rot. Ist es gefährdet?
- Rot heißt: Mindestens eine Ecke oder Seite liegt höchstens 5 m von einem Fließpfad entfernt. Laut HLNUG bedeutet das nicht, dass das Haus sicher betroffen ist, und umgekehrt sollte sich niemand sicher fühlen, nur weil sein Haus nicht rot ist. Für die Tiefe des Wassers schau in die Hinweiskarte des Bundes oder eine Starkregen-Gefahrenkarte der Gemeinde.
- Warum ist das Hessische Ried in der Fließpfadkarte leer?
- Das Gelände ist dort zu flach für aussagekräftige Fließpfade. Das HLNUG empfiehlt für solche Gebiete Starkregen-Gefahrenkarten der Gemeinden. Seit Oktober 2026 zeigt zudem die Hinweiskarte des Bundes auch im Ried, wo und wie tief sich Wasser sammeln kann.
- Was sagt mir die Starkregen-Hinweiskarte für meinen Ort?
- Sie ordnet jedes Quadratkilometer-Feld einer Gefährdungsstufe zu und ist für Kommunen gedacht, nicht für einzelne Häuser. Eine Zelle kann hoch eingestuft sein, ohne dass es dort schon Schäden gab, etwa wegen starker Versiegelung. Für ein Grundstück sind Fließpfadkarte und Bundeskarte aussagekräftiger.
- Was ist der Unterschied zwischen Hochwasser und Starkregen?
- Hochwasser kommt aus einem Fluss oder vom Meer und betrifft die Flächen am Gewässer, die die Hochwasserkarten zeigen. Starkregen fällt direkt auf das Gelände: Das Wasser fließt über Straßen und Wiesen ab und sammelt sich in Senken, auch weit weg von jedem Gewässer. Beides deckt nur der Elementarschutz der Gebäudeversicherung.
- Zahlt die Gebäudeversicherung bei Starkregen?
- Nur mit Elementarschutz. Die normale Wohngebäudeversicherung deckt Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel, aber keine Überschwemmung durch Starkregen und keinen Rückstau aus dem Kanal. In Hessen haben ihn 59 % der Wohngebäude (2025, GDV).
Quellen
- HLNUG: KLIMPRAX Starkregen
- HLNUG: Starkregen-Hinweiskarte für Hessen
- HLNUG: Kommunale Fließpfadkarten
- HLNUG: Starkregen-Gefahrenkarten
- HLNUG: Starkregenviewer
- HLNUG (Prof. Dr. Thomas Schmid): Begrüßung Abschlusskonferenz KLIMPRAX Starkregen, 02.10.2020 (Starkregenserien 2016 und 2018)
- HLNUG Jahresbericht 2019: 100-jährliches Starkregenereignis im Mai 2019 in Nord- und Osthessen
- Hessisches Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt: Pressemitteilung „Karte zeigt Gefahren in Hessen“ vom 20.10.2026
- Kommunale Klimarichtlinie Hessen, StAnz. Nr. 27/2025, S. 707 (in Kraft 01.07.2025 bis 30.06.2030)
- Hessisches Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt: Förderung Kommunale Klimarichtlinie
- Hessisches Wassergesetz (HWG), § 37 (Bürgerservice Hessenrecht)
- Geoportal.de: Hinweiskarte Starkregengefahren Hessen
- BKG: Dokumentation Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG), Produktstand 2024, Stand 25.09.2026
- BKG: FAQ Hinweiskarte Starkregengefahren, Stand 25.09.2026
- BKG: Hinweiskarte Starkregengefahren (Projektseite, Bearbeitungsstand Q1/2026)
- BKG: Produktseite WMS Hinweiskarte Starkregengefahren mit Direktdownload je Bundesland
- Geoportal.de: Metadaten Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG)
- BKG: Datenquellen der Hinweiskarte Starkregengefahren
- BKG (Prof. Dr. Paul Becker): Vortrag Hinweiskarte Starkregengefahren, 28. Gewässersymposium Güstrow, 21.05.2025 (Szenarien, Legendenklassen)
- GDV, Naturgefahrenreport 2026: Versicherungsdichte der Elementarschadenversicherung nach Bundesland (2025, vorläufig)