Starkregenkarte Rheinland-Pfalz: Starkregengefahr vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 31.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Rheinland-Pfalz hat eigene Sturzflutgefahrenkarten für das ganze Land, seit Ende 2023 auch für die Ortslagen. Dazu kommen örtliche Vorsorgekonzepte: Bis Ende 2024 hatten 1.865 Gemeinden damit begonnen, rund 700 waren fertig.
Starkregen in Rheinland-Pfalz
Wo es bei Starkregen gefährlich wird, beschreibt das Umweltministerium so: wenn hinter dem Haus ein Hang ansteigt, wenn es in einer Mulde liegt oder an einer Geländerinne. Nach Angaben des Ministeriums sind im Land an mehreren Orten schon bis zu 150 mm Regen in wenig mehr als einer Stunde gefallen, ein Viertel bis ein Fünftel eines Jahresniederschlags. Nach den Erfahrungen des Landesamts für Umwelt kommen solche Starkregen meist in Serien, wie im Mai und Juni 2018.
Die Schäden sind hier besonders teuer. Von 2002 bis 2021 kostete ein Starkregenschaden an einem Wohngebäude im Schnitt 11.000 Euro, so viel wie in keinem anderen Land. Am häufigsten betroffen war der Eifelkreis Bitburg-Prüm, wo statistisch jedes dritte versicherte Haus (300,9 von 1.000) einen Schaden hatte. Die Flut an der Ahr im Juli 2021 entstand, als anhaltender Starkregen ganze Flussgebiete traf und sich das Wasser in den engen Tälern sammelte; sie ist auf der Hochwasser-Seite beschrieben.
Nach Szenariorechnungen der Kooperation KLIWA nehmen seltene sommerliche 12-Stunden-Niederschläge in Rheinland-Pfalz in den nächsten 30 Jahren tendenziell zu (LfU, 2018).
- 27. Mai 2018, Herrstein im Hunsrück, Einzugsgebiet des Fischbachs: bis zu 170 l/m² in drei Stunden, an der Station Bruchweiler 147 l/m² in 140 Minuten, weit seltener als ein hundertjährliches Ereignis; Überschwemmungen im Ort, zerstörte Brückengeländer und viel Treibgut
- 1. Juni 2018, Westeifel um Prüm, Eifelkreis Bitburg-Prüm: bis zu 140 l/m² in fünf Stunden; an der Prüm ein hundertjährliches Hochwasser bis zum Bitburger Stausee
Die Starkregenkarten für Rheinland-Pfalz
Die Sturzflutgefahrenkarten des Landesamts für Umwelt sind seit Ende 2023 freigeschaltet und lösen die älteren Hinweiskarten ab; sie zeigen die Gefahr jetzt auch innerorts. Gerechnet sind drei Szenarien nach dem Starkregenindex (SRI): ein außergewöhnlicher Regen von einer Stunde (SRI 7, je nach Region etwa 40–47 mm, im Mittel etwa einmal in 100 Jahren), ein extremer von einer Stunde (SRI 10, etwa 80–94 mm) und ein extremer von vier Stunden (SRI 10, etwa 112–136 mm). Die Karten zeigen Wassertiefen ab 5 cm, Fließgeschwindigkeiten und Fließrichtungen, berechnet auf einem Geländemodell mit 1 Meter Auflösung mit Gebäuden, Brücken und Durchlässen. Die Versickerung im Boden ist eingerechnet, die Kanalisation nicht. Je Rechengebiet sind höchstens 20 km² betrachtet; an größeren Bächen endet die Darstellung im Gewässer, dort gelten die Hochwassergefahrenkarten. Die Grundlagendaten stammen von Anfang 2022, fortgeschrieben werden die Karten etwa alle 4–5 Jahre. Im Geoportal des Bundes erscheinen die Karten des Landes in anderer Darstellung.
- Sturzflutgefahrenkarten Rheinland-Pfalz ↗ · im Kartendienst Wassergefahren; Erläuterungen im Wasserportal
- Hinweiskarte Starkregengefahren im Geoportal.de ↗ · Adresse eingeben, dann Szenario und Ebene wählen
Die Hinweiskarte Starkregengefahren des Bundes
Die Karte rechnet zwei Regen von je einer Stunde: einen außergewöhnlichen, wie er statistisch etwa einmal in 100 Jahren vorkommt, mit der Regenmenge des Deutschen Wetterdiensts für die jeweilige Region (je nach Land etwa 35 bis 55 mm), und einen extremen mit 100 mm, in Nordrhein-Westfalen 90 mm. Für beide zeigt sie, wie tief das Wasser höchstens steht, in Stufen von 10 cm bis über 4 m, wie schnell es fließt und in welche Richtung. Wasser unter 10 cm zeigt sie nicht.
Gerechnet ist sie mit einem Abflussmodell auf dem amtlichen Geländemodell mit 1 m Auflösung. Gebäude sind darin Hindernisse, um die das Wasser herumfließt; Durchlässe und Rohre ab 50 cm Durchmesser und Pumpwerke sind berücksichtigt.
Was die Karten nicht zeigen
Das Kanalnetz und die Versickerung im Boden rechnet die Karte nicht mit: Aller Regen fließt an der Oberfläche ab. Durchlässe unter 50 cm, Mauern und Bordsteine fehlen. Ob Wasser ins Haus oder in den Keller läuft, berechnet sie nicht, und Hochwasser aus Flüssen zeigt sie nicht. Das BKG nennt sie eine erste Orientierung, nicht metergenau und rechtlich nicht verbindlich; wo es Karten des Landes oder der Gemeinde gibt, gehen diese vor.
Eine Karte ohne Treffer heißt nicht, dass das Haus sicher ist. Sie zeigt, wo Wasser abfließt und sich sammelt. Ob es ins Haus kommt, entscheiden Kellerfenster, Einfahrt und Rückstausicherung.
Starkregenkarten der Gemeinden in Rheinland-Pfalz
Die örtliche Vorsorge liegt bei den Gemeinden, über örtliche Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepte. Die Gemeinde führt, ein Ingenieurbüro analysiert die Gefahr im Ort, in Bürgerversammlungen und Workshops werden Maßnahmen erarbeitet und verbindlich festgeschrieben, auch zum Schutz einzelner Häuser. Bis Ende 2024 hatten 1.865 Gemeinden mit einem Konzept begonnen oder bereiteten es vor, rund 700 Konzepte waren fertig. Einige Verbandsgemeinden stellen ihre Konzepte online; frag beim Kauf bei der Verbandsgemeinde, ob es eines für den Ort gibt und was es für die Straße vorsieht.
Förderung und Regeln in Rheinland-Pfalz
- Örtliche Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepte: Das Land fördert die Kosten des Fachbüros mit bis zu 90 %, für Gemeinden. Auch die Umsetzung beschlossener Maßnahmen kann gefördert werden, wenn ihre Kosten nicht höher sind als der Schaden, den sie verhindern. Grundlage sind die Förderrichtlinien der Wasserwirtschaftsverwaltung vom Dezember 2021; so steht es im Oktober 2026 auf der Seite des Landes.
So prüfst du ein Haus auf Starkregen
- Lage: Steht das Haus in einer Senke, am Fuß eines Hangs oder tiefer als die Straße? Wasser sucht sich den tiefsten Punkt, auch weit weg von jedem Bach.
- Öffnungen: Kellertreppe, Lichtschächte, Garageneinfahrt und ebenerdige Türen sind die Wege ins Haus. Eine Aufkantung von einigen Zentimetern hält oft schon viel ab.
- Rückstau: Abläufe unter der Straßenoberkante brauchen eine Rückstausicherung, sonst drückt der volle Kanal das Wasser in den Keller. Viele Entwässerungssatzungen der Gemeinden schreiben sie vor, viele Versicherungen setzen sie voraus. Lass dir zeigen, wo sie sitzt und wann sie zuletzt gewartet wurde.
- Frühere Schäden: Frag den Verkäufer, ob schon einmal Wasser im Keller stand, und sieh nach Wasserrändern, frischem Putz unten an den Wänden und Luftentfeuchtern.
- Versicherung: Starkregen und Rückstau deckt nur der Elementarschutz. In Rheinland-Pfalz haben ihn 59 % der Wohngebäude (2025, GDV), im Bundesschnitt 59 %. Hol vor dem Kauf ein Angebot für die Adresse ein.
Was Hausprobe für Adressen in Rheinland-Pfalz zeigt
Hausprobe zeigt in Rheinland-Pfalz die Wassertiefe bei extremem Starkregen aus der Hinweiskarte des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG), direkt am Haus.
Dazu kommen Hochwasser, Lärm, Radon, Hitze, Bodenwert und die Kosten für das Haus selbst.
Häufige Fragen
- Wo prüfe ich die Sturzflutgefahr für ein Haus in Rheinland-Pfalz?
- Im Kartendienst Wassergefahren des Landesamts für Umwelt, dort liegen die Sturzflutgefahrenkarten mit drei Szenarien. Der HochwasserRisiko-Check des Landes gibt dir für eine Adresse eine Einschätzung zu Flusshochwasser und Sturzflut und nach einem Fragebogen konkrete Vorschläge zur Vorsorge. Der HydroZwilling RLP zeigt die Sturzflutgefährdung in 3D.
- Warum zeigt die Sturzflutkarte an manchen Bächen plötzlich nichts mehr?
- Die Karten betrachten Rechengebiete bis 20 km². Wo ein Bach ein größeres Einzugsgebiet hat, endet die Darstellung im Gewässer; dargestellt bleiben nur seitliche Zuflüsse. Für diese Abschnitte zeigen die Hochwassergefahrenkarten, was bei Hochwasser überflutet wird. Schau dir deshalb beide Karten an.
- Gibt es für meinen Ort ein Vorsorgekonzept?
- Bis Ende 2024 hatten 1.865 Gemeinden in Rheinland-Pfalz mit einem örtlichen Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzept begonnen, rund 700 waren fertig. Frag bei der Verbandsgemeinde nach. Das Konzept zeigt die Schwachstellen im Ort und was Gemeinde und Eigentümer tun sollen.
- Was ist der Unterschied zwischen Hochwasser und Starkregen?
- Hochwasser kommt aus einem Fluss oder vom Meer und betrifft die Flächen am Gewässer, die die Hochwasserkarten zeigen. Starkregen fällt direkt auf das Gelände: Das Wasser fließt über Straßen und Wiesen ab und sammelt sich in Senken, auch weit weg von jedem Gewässer. Beides deckt nur der Elementarschutz der Gebäudeversicherung.
- Zahlt die Gebäudeversicherung bei Starkregen?
- Nur mit Elementarschutz. Die normale Wohngebäudeversicherung deckt Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel, aber keine Überschwemmung durch Starkregen und keinen Rückstau aus dem Kanal. In Rheinland-Pfalz haben ihn 59 % der Wohngebäude (2025, GDV).
Quellen
- Wasserportal Rheinland-Pfalz (LfU): Sturzflutgefahrenkarten
- Wasserportal Rheinland-Pfalz: Sturzflutgefahrenkarten, Hintergrundinformationen zur Methode
- Wasserportal Rheinland-Pfalz: Sturzflutgefahrenkarten, FAQ
- Wasserportal Rheinland-Pfalz: Unterschiede zwischen Hinweiskarten und Sturzflutgefahrenkarten
- LfU Rheinland-Pfalz: Sturzflutgefahrenkarten, Vortrag beim Erfahrungsaustausch (10.11.2023, Freischaltung im November 2023)
- Wasserportal Rheinland-Pfalz: HochwasserRisiko-Check
- HydroZwilling RLP
- Hochwassermanagement Rheinland-Pfalz: Örtliche Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepte
- Hochwassermanagement Rheinland-Pfalz: Welche Förderung gibt es vom Land?
- Umweltministerium Rheinland-Pfalz: „Hochwasserschutz war 2024 Priorität“, 1.865 Gemeinden mit Vorsorgekonzepten (02.01.2025)
- Umweltministerium Rheinland-Pfalz: Fragen und Antworten zum Thema Starkregen
- LfU Rheinland-Pfalz: Starkregen und Hochwasser im Mai/Juni 2018, Vortrag (07.08.2018)
- Verbandsgemeinde Herrstein-Rhaunen: Vorsorgekonzept Herrstein, Hochwasser und Starkregen, Erläuterungsbericht (2022)
- DWD: Hydro-klimatologische Einordnung der Stark- und Dauerniederschläge im Zusammenhang mit Tief „Bernd“, 12. bis 19. Juli 2021 (Stand 21.07.2021)
- BKG: Dokumentation Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG), Produktstand 2024, Stand 25.09.2026
- GDV: Starkregenbilanz 2002 bis 2021, bundesweit 12,6 Milliarden Euro Schäden, mit Bilanz je Bundesland (aktualisiert 27.07.2023)
- BKG: FAQ Hinweiskarte Starkregengefahren, Stand 25.09.2026
- BKG: Hinweiskarte Starkregengefahren (Projektseite, Bearbeitungsstand Q1/2026)
- BKG: Produktseite WMS Hinweiskarte Starkregengefahren mit Direktdownload je Bundesland
- Geoportal.de: Metadaten Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG)
- BKG: Datenquellen der Hinweiskarte Starkregengefahren
- BKG (Prof. Dr. Paul Becker): Vortrag Hinweiskarte Starkregengefahren, 28. Gewässersymposium Güstrow, 21.05.2025 (Szenarien, Legendenklassen)
- GDV, Naturgefahrenreport 2026: Versicherungsdichte der Elementarschadenversicherung nach Bundesland (2025, vorläufig)