Starkregenkarte Sachsen: Starkregengefahr vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 31.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Eine eigene Starkregenkarte des Landes gibt es in Sachsen nicht, seit Oktober 2024 aber die Hinweiskarte des Bundes. Für Mittelgebirge und Hügelland kennt das Sächsische Wassergesetz Hochwasserentstehungsgebiete, in denen neue Baugebiete den Wasserrückhalt nicht wesentlich verschlechtern dürfen oder ihn ausgleichen müssen.
Starkregen in Sachsen
Im Erzgebirge fällt Regen besonders heftig. In Marienberg kamen am 5. Juli 1999 111 mm in zwei Stunden herunter, in Zinnwald-Georgenfeld im Osterzgebirge im August 2002 mehr als 350 mm in 24 Stunden, der höchste in Deutschland gemessene Wert für diese Dauer (DWD). Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) schreibt, dass schon heute die durchschnittlichen Monatsniederschläge manchmal an einem einzigen Tag fallen.
Dazu kommt das Ackerland. Bei Starkregen sammelt sich Wasser in den Tiefenlinien der Felder und reißt ungeschützten Boden mit, etwa im Lösshügelland. Nach Berechnungen des LfULG (2015) werden in Sachsen rund 5.100 Hektar erosionsgefährdeter Abflussbahnen als Acker genutzt; viele davon waren lange Grünland und wurden erst zwischen 1970 und 1985 umgebrochen. Wer ein Haus unterhalb von Feldern kauft, sollte deshalb auch an Schlamm denken.
Seit 2013 zählt der DWD in Mitteldeutschland, also Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, jedes Jahr mindestens 150 Starkregenereignisse; weniger gab es nur in den ersten Jahren der Radarauswertung ab 2001. Für einen gesicherten Trend ist die Zeitreihe laut DWD noch zu kurz.
- Mai 2018, Vogtland: Adorf, Bad Elster, Bad Brambach, Markneukirchen, Oelsnitz/Vogtl., Weischlitz und Plauen-Straßberg: extremer Starkregen; rund 27 Mio. € Schäden an Straßen, Brücken und Stützmauern, das Land förderte die Reparatur mit 90 %
- 11. Mai 2021, Sornzig nördlich von Chemnitz: Starkregen mit Schlammlawinen und vollgelaufenen Kellern
- Juli 2021, sechs von zehn Landkreisen, am schwersten Reinhardtsdorf-Schöna: starke Regenfälle; rund 80 % der Schäden trafen Straßen, Brücken, Gewässer und Leitungen, die bestätigten Schäden an kommunaler Infrastruktur lagen bei rund 101,1 Mio. €
Die Starkregenkarten für Sachsen
Sachsen hat keine eigene landesweite Starkregenkarte. Seit dem 11. Oktober 2024 gibt es die Hinweiskarte Starkregengefahren des Bundes für Sachsen, zu sehen im Geoportal und im Umweltinformationssystem LUIS des Landes. Sie zeigt maximale Wassertiefe, Fließrichtung und Fließgeschwindigkeit für einen hundertjährlichen Regen von einer Stunde, in Sachsen etwa 45–55 mm, und einen extremen von 100 mm in einer Stunde. Für Äcker hat das LfULG zusätzlich Erosionsgefährdungskarten mit den besonders erosionsgefährdeten Abflussbahnen für das ganze Land berechnet; sie zeigen, wo bei Starkregen Wasser und Boden von Feldern abfließen.
- Hinweiskarte Starkregengefahren im Geoportal.de ↗ · Adresse eingeben, dann Szenario und Ebene wählen
Die Hinweiskarte Starkregengefahren des Bundes
Die Karte rechnet zwei Regen von je einer Stunde: einen außergewöhnlichen, wie er statistisch etwa einmal in 100 Jahren vorkommt, mit der Regenmenge des Deutschen Wetterdiensts für die jeweilige Region (je nach Land etwa 35 bis 55 mm), und einen extremen mit 100 mm, in Nordrhein-Westfalen 90 mm. Für beide zeigt sie, wie tief das Wasser höchstens steht, in Stufen von 10 cm bis über 4 m, wie schnell es fließt und in welche Richtung. Wasser unter 10 cm zeigt sie nicht.
Gerechnet ist sie mit einem Abflussmodell auf dem amtlichen Geländemodell mit 1 m Auflösung. Gebäude sind darin Hindernisse, um die das Wasser herumfließt; Durchlässe und Rohre ab 50 cm Durchmesser und Pumpwerke sind berücksichtigt.
Was die Karten nicht zeigen
Das Kanalnetz und die Versickerung im Boden rechnet die Karte nicht mit: Aller Regen fließt an der Oberfläche ab. Durchlässe unter 50 cm, Mauern und Bordsteine fehlen. Ob Wasser ins Haus oder in den Keller läuft, berechnet sie nicht, und Hochwasser aus Flüssen zeigt sie nicht. Das BKG nennt sie eine erste Orientierung, nicht metergenau und rechtlich nicht verbindlich; wo es Karten des Landes oder der Gemeinde gibt, gehen diese vor.
Eine Karte ohne Treffer heißt nicht, dass das Haus sicher ist. Sie zeigt, wo Wasser abfließt und sich sammelt. Ob es ins Haus kommt, entscheiden Kellerfenster, Einfahrt und Rückstausicherung.
Starkregenkarten der Gemeinden in Sachsen
Konzepte zum Sturzflut-Risikomanagement und Gefahrenkarten für Starkregen sollen in Sachsen vor allem die Kommunen erstellen, das Land fördert sie seit September 2024. Einige große Städte haben eigene Karten. Leipzig zeigt in seiner Starkregengefahrenkarte drei Szenarien als Stundenwerte: 43,5 l/m² (etwa alle 30 Jahre), 53,6 l/m² (etwa alle 100 Jahre) und 80 l/m², nachempfunden dem heftigsten bisher in Leipzig gemessenen Regen; für einzelne Grundstücke geben die Leipziger Wasserwerke eine Detailauskunft. In anderen Orten frag bei der Gemeinde, ob es ein Konzept oder eine Karte gibt.
Förderung und Regeln in Sachsen
In festgesetzten Hochwasserentstehungsgebieten, vor allem in Mittelgebirgen und im Hügelland, muss das natürliche Versickerungs- und Rückhaltevermögen erhalten bleiben (§ 76 Sächsisches Wassergesetz). Neue Baugebiete sind dort nur zulässig, wenn der Wasserrückhalt nicht wesentlich leidet oder ausgeglichen wird, etwa durch Wald oder Rückhalteanlagen; im Außenbereich brauchen Vorhaben ab 1.000 m² zu versiegelnder Fläche eine Genehmigung der Wasserbehörde. Ob ein Grundstück in einem solchen Gebiet liegt, zeigen die flurstücksgenauen Karten der Wasserbehörde; Einsicht ist kostenlos (§ 77).
- Förderrichtlinie Gewässer/Hochwasserschutz (FRL GH/2024) vom 2. September 2024, in Kraft seit 20. September 2024 bis 30. Juni 2031: Gemeinden, kommunale Zusammenschlüsse sowie Wasser- und Bodenverbände bekommen für Konzepte zum kommunalen Sturzflut-Risikomanagement und für Gefährdungs- und Risikobetrachtungen bei Starkregen 75 % der Kosten. Feste Anlagen zum Schutz vor Starkregen sind ebenfalls förderfähig, mit 75 %, oder 90 %, wenn sie vor allem Unterliegergemeinden zugutekommen.
So prüfst du ein Haus auf Starkregen
- Lage: Steht das Haus in einer Senke, am Fuß eines Hangs oder tiefer als die Straße? Wasser sucht sich den tiefsten Punkt, auch weit weg von jedem Bach.
- Öffnungen: Kellertreppe, Lichtschächte, Garageneinfahrt und ebenerdige Türen sind die Wege ins Haus. Eine Aufkantung von einigen Zentimetern hält oft schon viel ab.
- Rückstau: Abläufe unter der Straßenoberkante brauchen eine Rückstausicherung, sonst drückt der volle Kanal das Wasser in den Keller. Viele Entwässerungssatzungen der Gemeinden schreiben sie vor, viele Versicherungen setzen sie voraus. Lass dir zeigen, wo sie sitzt und wann sie zuletzt gewartet wurde.
- Frühere Schäden: Frag den Verkäufer, ob schon einmal Wasser im Keller stand, und sieh nach Wasserrändern, frischem Putz unten an den Wänden und Luftentfeuchtern.
- Versicherung: Starkregen und Rückstau deckt nur der Elementarschutz. In Sachsen haben ihn 54 % der Wohngebäude (2025, GDV), im Bundesschnitt 59 %. Hol vor dem Kauf ein Angebot für die Adresse ein.
Was Hausprobe für Adressen in Sachsen zeigt
Hausprobe zeigt in Sachsen die Wassertiefe bei extremem Starkregen aus der Hinweiskarte des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG), direkt am Haus.
Dazu kommen Hochwasser, Lärm, Radon, Hitze, Bodenwert und die Kosten für das Haus selbst.
Häufige Fragen
- Gibt es eine Starkregenkarte für Sachsen?
- Ja, seit Oktober 2024 die Hinweiskarte Starkregengefahren des Bundes, auch im LUIS des Landes. Sie zeigt einen hundertjährlichen Regen von etwa 45–55 mm in einer Stunde und einen extremen von 100 mm. Leipzig hat eine genauere eigene Karte; in anderen Orten frag bei der Gemeinde.
- Was ist ein Hochwasserentstehungsgebiet?
- Ein Gebiet, meist im Mittelgebirge oder Hügelland, in dem Starkregen oder Schneeschmelze schnell starke Abflüsse auslösen können. Die obere Wasserbehörde setzt es per Verordnung fest. Dort gelten strengere Regeln für Versiegelung und neue Baugebiete; ob ein Grundstück betroffen ist, zeigen die Karten der Wasserbehörde.
- Warum hat Sachsen so viele Starkregenschäden?
- In der Bilanz der Versicherer hatten von 2002 bis 2021 statistisch 143,7 von 1.000 Wohngebäuden einen Schaden, mehr als in jedem anderen Flächenland. Den Ausschlag geben dabei Hochwasser nach starken Regenfällen: 2002 vor allem in der Sächsischen Schweiz, 2010 in Görlitz und das Juni-Hochwasser 2013. Am häufigsten betroffen war Görlitz.
- Was ist der Unterschied zwischen Hochwasser und Starkregen?
- Hochwasser kommt aus einem Fluss oder vom Meer und betrifft die Flächen am Gewässer, die die Hochwasserkarten zeigen. Starkregen fällt direkt auf das Gelände: Das Wasser fließt über Straßen und Wiesen ab und sammelt sich in Senken, auch weit weg von jedem Gewässer. Beides deckt nur der Elementarschutz der Gebäudeversicherung.
- Zahlt die Gebäudeversicherung bei Starkregen?
- Nur mit Elementarschutz. Die normale Wohngebäudeversicherung deckt Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel, aber keine Überschwemmung durch Starkregen und keinen Rückstau aus dem Kanal. In Sachsen haben ihn 54 % der Wohngebäude (2025, GDV).
Quellen
- SMEKUL Sachsen: Hinweiskarten Starkregengefahren für den Freistaat Sachsen
- LfULG Sachsen (LUIS): Hinweiskarte Starkregengefahren
- REVOSax: Förderrichtlinie Gewässer/Hochwasserschutz (FRL GH/2024) vom 2. September 2024
- REVOSax: Sächsisches Wassergesetz, §§ 76 und 77 (Fassung gültig ab 10.07.2025)
- LfULG: Begrünung von erosionsgefährdeten Abflussbahnen (2015)
- DWD: Klimareport Mitteldeutschland (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen), 2024
- SMWA Sachsen: Freistaat fördert Infrastrukturschäden im Vogtlandkreis mit Höchstsatz (21.08.2018)
- SMF Sachsen: Klarstellung zur Soforthilfe für Kommunen im Vogtland (13.06.2018)
- Sächsische Staatsregierung: Starkregen- und Hochwasserereignis im Juli 2021, Mittelverteilung (17.05.2022)
- SMWA Sachsen: Starkregen- und Hochwasserschäden vom Sommer 2021 werden zu 100 Prozent ausgeglichen (17.06.2022)
- DWD: Deutschlandwetter im Mai 2021
- Stadt Leipzig: Starkregen, Regenwassermanagement und Vorsorge, mit Starkregengefahrenkarte
- GDV: Starkregenbilanz 2002 bis 2021, bundesweit 12,6 Milliarden Euro Schäden, mit Bilanz je Bundesland (aktualisiert 27.07.2023)
- BKG: Dokumentation Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG), Produktstand 2024, Stand 25.09.2026
- BKG: FAQ Hinweiskarte Starkregengefahren, Stand 25.09.2026
- BKG: Hinweiskarte Starkregengefahren (Projektseite, Bearbeitungsstand Q1/2026)
- BKG: Produktseite WMS Hinweiskarte Starkregengefahren mit Direktdownload je Bundesland
- Geoportal.de: Metadaten Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG)
- BKG: Datenquellen der Hinweiskarte Starkregengefahren
- BKG (Prof. Dr. Paul Becker): Vortrag Hinweiskarte Starkregengefahren, 28. Gewässersymposium Güstrow, 21.05.2025 (Szenarien, Legendenklassen)
- GDV, Naturgefahrenreport 2026: Versicherungsdichte der Elementarschadenversicherung nach Bundesland (2025, vorläufig)