Starkregenkarte Thüringen: Starkregengefahr vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 31.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
In Thüringen gibt es seit dem 6. November 2024 die Hinweiskarte Starkregengefahren für das ganze Land. Seit dem 28. September 2026 fördert das Land über die neue Richtlinie Aktion Fluss Starkregenkonzepte und Schutzbauten der Gemeinden.
Starkregen in Thüringen
Von Sturzfluten nach Starkregen können nach Einschätzung des Umweltministeriums nahezu alle Gemeinden in Thüringen betroffen sein; besonders hohe Risiken entstehen durch enge Täler, kritische Fließwege und hohe Wassertiefen. Wegen Wasser- und Sturmschäden rückten die Feuerwehren 2018 zu 5.253 Einsätzen aus, so oft wie in keinem anderen Jahr zwischen 2009 und 2019.
Von 2002 bis 2021 hatten nach der Bilanz der Versicherer 69,4 von 1.000 Wohngebäuden in Thüringen einen Starkregenschaden, zusammen 182 Millionen Euro. Innerhalb des Landes sind die Unterschiede groß: Im Altenburger Land traf es jedes siebte versicherte Haus (139,2 von 1.000), in Sonneberg nur 21,4 von 1.000.
In Nordhausen im südlichen Harzvorland fielen in der Nacht zum 2. August 2024 in weniger als zwölf Stunden über 100 l/m², etwa das 1,5-Fache eines Monats (DWD).
- 19. September 2014, Büßleben bei Erfurt: Sturzflut nach einem Gewitterregen, vom Umweltministerium in seiner Broschüre zur Eigenvorsorge dokumentiert
- 28. August 2019, Bibra, Gumperda und Reinstädt südlich von Jena: schwere Gewitter mit großen Wassermassen; eine Schlammlawine ergoss sich durch Gumperda, der Ort wurde für den Verkehr gesperrt
- 4. Juni 2021, Mosbach (Wutha-Farnroda) südöstlich von Eisenach: nach einem schweren Gewitter strömte eine Flutwelle mitten durch den Ort, massive Sachschäden
Die Starkregenkarten für Thüringen
Eine eigene Landeskarte hat Thüringen nicht. Seit dem 6. November 2024 kann jeder die Hinweiskarte Starkregengefahren für Thüringen im Geoportal des Bundes nutzen; das BKG hat sie mit dem Umweltministerium und dem Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) erarbeitet. Sie zeigt Wassertiefe in Blau, Fließgeschwindigkeit in Gelb bis Rot und Fließpfeile, jeweils für ein außergewöhnliches und ein extremes Ereignis mit 100 mm in der Stunde. Das Umweltministerium hat dazu einen Leitfaden Starkregenvorsorge herausgegeben, der den Gemeinden erklärt, wie sie mit der Karte Gefahren erkennen und Maßnahmen ableiten.
- Hinweiskarte Starkregengefahren im Geoportal.de ↗ · Adresse eingeben, dann Szenario und Ebene wählen
Die Hinweiskarte Starkregengefahren des Bundes
Die Karte rechnet zwei Regen von je einer Stunde: einen außergewöhnlichen, wie er statistisch etwa einmal in 100 Jahren vorkommt, mit der Regenmenge des Deutschen Wetterdiensts für die jeweilige Region (je nach Land etwa 35 bis 55 mm), und einen extremen mit 100 mm, in Nordrhein-Westfalen 90 mm. Für beide zeigt sie, wie tief das Wasser höchstens steht, in Stufen von 10 cm bis über 4 m, wie schnell es fließt und in welche Richtung. Wasser unter 10 cm zeigt sie nicht.
Gerechnet ist sie mit einem Abflussmodell auf dem amtlichen Geländemodell mit 1 m Auflösung. Gebäude sind darin Hindernisse, um die das Wasser herumfließt; Durchlässe und Rohre ab 50 cm Durchmesser und Pumpwerke sind berücksichtigt.
Was die Karten nicht zeigen
Das Kanalnetz und die Versickerung im Boden rechnet die Karte nicht mit: Aller Regen fließt an der Oberfläche ab. Durchlässe unter 50 cm, Mauern und Bordsteine fehlen. Ob Wasser ins Haus oder in den Keller läuft, berechnet sie nicht, und Hochwasser aus Flüssen zeigt sie nicht. Das BKG nennt sie eine erste Orientierung, nicht metergenau und rechtlich nicht verbindlich; wo es Karten des Landes oder der Gemeinde gibt, gehen diese vor.
Eine Karte ohne Treffer heißt nicht, dass das Haus sicher ist. Sie zeigt, wo Wasser abfließt und sich sammelt. Ob es ins Haus kommt, entscheiden Kellerfenster, Einfahrt und Rückstausicherung.
Starkregenkarten der Gemeinden in Thüringen
Schutz vor Starkregen ist in Thüringen Teil der Klimaanpassung und Aufgabe der Gemeinden; welche Maßnahmen sie ergreifen, entscheiden sie selbst. Bis Anfang 2025 hatte die Thüringer Aufbaubank rund 30 Kommunen bei Starkregenkonzepten, Analysen oder Beratung gefördert, über die Programme Klima Invest und Aktion Fluss zusammen mit rund 1,06 Millionen Euro, etwa Wutha-Farnroda für den Ortsteil Mosbach oder Leinefelde-Worbis für Worbis. Das Landesprogramm Hochwasserschutz 2028–2033 soll erstmals auch kommunale Maßnahmen gegen Starkregen enthalten; die Gemeinden konnten dafür bis 14. Januar 2026 Vorhaben melden. Ob es für deinen Ort ein Konzept gibt, erfährst du bei der Gemeinde.
Förderung und Regeln in Thüringen
- Richtlinie Aktion Fluss vom 28. September 2026, gültig bis 31. Dezember 2030: Gemeinden oder ihr Gewässerunterhaltungsverband bekommen für ein Starkregenrisikomanagementkonzept nach dem Leitfaden des Landes einmalig 25.000 € je Gemeinde oder Ortsteil mit eigener Ortsteilverfassung. Für Bauten, die Wasser zurückhalten oder schadlos durch den Ort leiten, und für Versickerungsflächen gibt es Pauschalen von 10.000 bis 160.000 €. Objektschutz für private Häuser ist ausgeschlossen. Anträge laufen fortlaufend über die Thüringer Aufbaubank.
So prüfst du ein Haus auf Starkregen
- Lage: Steht das Haus in einer Senke, am Fuß eines Hangs oder tiefer als die Straße? Wasser sucht sich den tiefsten Punkt, auch weit weg von jedem Bach.
- Öffnungen: Kellertreppe, Lichtschächte, Garageneinfahrt und ebenerdige Türen sind die Wege ins Haus. Eine Aufkantung von einigen Zentimetern hält oft schon viel ab.
- Rückstau: Abläufe unter der Straßenoberkante brauchen eine Rückstausicherung, sonst drückt der volle Kanal das Wasser in den Keller. Viele Entwässerungssatzungen der Gemeinden schreiben sie vor, viele Versicherungen setzen sie voraus. Lass dir zeigen, wo sie sitzt und wann sie zuletzt gewartet wurde.
- Frühere Schäden: Frag den Verkäufer, ob schon einmal Wasser im Keller stand, und sieh nach Wasserrändern, frischem Putz unten an den Wänden und Luftentfeuchtern.
- Versicherung: Starkregen und Rückstau deckt nur der Elementarschutz. In Thüringen haben ihn 57 % der Wohngebäude (2025, GDV), im Bundesschnitt 59 %. Hol vor dem Kauf ein Angebot für die Adresse ein.
Was Hausprobe für Adressen in Thüringen zeigt
Hausprobe zeigt in Thüringen die Wassertiefe bei extremem Starkregen aus der Hinweiskarte des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG), direkt am Haus.
Dazu kommen Hochwasser, Lärm, Radon, Hitze, Bodenwert und die Kosten für das Haus selbst.
Häufige Fragen
- Wo finde ich die Starkregenkarte für Thüringen?
- Im Geoportal des Bundes als Hinweiskarte Starkregengefahren Thüringen, seit November 2024 frei zugänglich. Die Seite Aktion Fluss des Umweltministeriums erklärt die Ebenen: Wassertiefe in Blau, Fließgeschwindigkeit in Gelb bis Rot, dazu Fließpfeile.
- Fördert Thüringen den Schutz meines Hauses vor Starkregen?
- Nein. Die neue Richtlinie Aktion Fluss fördert seit September 2026 Konzepte und Bauten der Gemeinden, Objektschutz für private Häuser ist ausdrücklich ausgeschlossen. Ein Starkregenkonzept der Gemeinde zeigt dir aber, wo Wasser durch den Ort läuft.
- Hat meine Gemeinde schon ein Starkregenkonzept?
- Rund 30 Kommunen haben bis Anfang 2025 mit Landesgeld Konzepte, Analysen oder Beratung bekommen, etwa Wutha-Farnroda für Mosbach oder Leinefelde-Worbis für Worbis. Die Liste steht in der Antwort der Landesregierung, Drucksache 8/264 des Landtags; sonst frag bei der Gemeinde.
- Was ist der Unterschied zwischen Hochwasser und Starkregen?
- Hochwasser kommt aus einem Fluss oder vom Meer und betrifft die Flächen am Gewässer, die die Hochwasserkarten zeigen. Starkregen fällt direkt auf das Gelände: Das Wasser fließt über Straßen und Wiesen ab und sammelt sich in Senken, auch weit weg von jedem Gewässer. Beides deckt nur der Elementarschutz der Gebäudeversicherung.
- Zahlt die Gebäudeversicherung bei Starkregen?
- Nur mit Elementarschutz. Die normale Wohngebäudeversicherung deckt Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel, aber keine Überschwemmung durch Starkregen und keinen Rückstau aus dem Kanal. In Thüringen haben ihn 57 % der Wohngebäude (2025, GDV).
Quellen
- Thüringer Landtag, Drucksache 8/264: Konzepte zur Starkregenvorsorge der Gemeinden in Thüringen, Antwort des TMUENF mit Anlage (07.01.2025)
- Thüringer Landtag, Drucksache 7/4058: Starkregenvorsorge in Thüringen, Teil I (09.09.2021)
- Aktion Fluss (TMUENF): Neue Förderrichtlinie „Aktion Fluss“ startet
- TMUENF: Richtlinie zur Förderung des Hochwasserschutzes, des Schutzes vor Starkregengefahren, der Fließgewässerentwicklung und der Resilienz der Wasserversorgung im Rahmen der „Aktion Fluss“ (28.09.2026)
- Aktion Fluss (TMUENF): Starkregen- und Sturzflutvorsorge in Thüringen
- Thüringer Aufbaubank: Verbesserung des Schutzes vor Starkregengefahren, Abfrage kommunaler Maßnahmen (Webinar 24.11.2025)
- Geoportal.de: Hinweiskarte Starkregengefahren Thüringen
- TMUEN: Hochwasser, Broschüre zur Eigenvorsorge (2015), mit Sturzflut in Büßleben
- DWD: Deutschlandwetter im August 2019
- DWD: Deutschlandwetter im Juni 2021
- DWD: Deutschlandwetter im August 2024
- GDV: Starkregenbilanz 2002 bis 2021, bundesweit 12,6 Milliarden Euro Schäden, mit Bilanz je Bundesland (aktualisiert 27.07.2023)
- BKG: Dokumentation Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG), Produktstand 2024, Stand 25.09.2026
- BKG: FAQ Hinweiskarte Starkregengefahren, Stand 25.09.2026
- BKG: Hinweiskarte Starkregengefahren (Projektseite, Bearbeitungsstand Q1/2026)
- BKG: Produktseite WMS Hinweiskarte Starkregengefahren mit Direktdownload je Bundesland
- Geoportal.de: Metadaten Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG)
- BKG: Datenquellen der Hinweiskarte Starkregengefahren
- BKG (Prof. Dr. Paul Becker): Vortrag Hinweiskarte Starkregengefahren, 28. Gewässersymposium Güstrow, 21.05.2025 (Szenarien, Legendenklassen)
- GDV, Naturgefahrenreport 2026: Versicherungsdichte der Elementarschadenversicherung nach Bundesland (2025, vorläufig)