Starkregenkarte Niedersachsen: Starkregengefahr vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 31.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Niedersachsen hat keine eigene Starkregenkarte, zeigt aber seit dem 22. November 2024 die Hinweiskarte des Bundes, auch in den Umweltkarten des Landes. Für kommunale Starkregenvorsorgekonzepte zahlt das Land bis zu 80 %, finanzschwachen Kommunen bis zu 90 %; der nächste Stichtag ist der 26. Februar 2027.
Starkregen in Niedersachsen
Von 2001 bis 2022 hat der Wetterradar in Niedersachsen 715 Starkregen erfasst, die statistisch nur alle 100 Jahre oder seltener zu erwarten sind (ab Starkregenindex 7). Sie verteilen sich über das ganze Land, unabhängig von der Topografie. In flachen Gegenden ist das Problem oft nicht die Wucht des Wassers: Bei geringem Gefälle und fehlender Vorflut stehen Überflutungen lange und breiten sich weit aus, so das Umweltministerium. Das größte Schadenspotenzial sieht es in geschlossenen Siedlungen der Städte und größeren Gemeinden.
Die Versicherer zählten von 2002 bis 2021 Starkregenschäden an Wohngebäuden von 705 Millionen Euro, statistisch bei 69,8 von 1.000 Häusern. Die Unterschiede sind groß: In Goslar hatte jedes achte versicherte Haus (124,3 von 1.000) einen Schaden, in der Wesermarsch nur 18,4 von 1.000.
- 19. Juni 2021, bei Emden: Unwetter mit vollgelaufenen Kellern und Hagel bis 5 cm
- 22./23. Juni 2023, mehrere Regionen, unter anderem südöstlich von Hannover und zwischen Salzgitter und Wolfsburg: südöstlich von Hannover über 100 l/m² in 48 Stunden, in Ottbergen 120,5 l/m²; zwischen Salzgitter und Wolfsburg 80–90 l/m² in 24 Stunden; in Moringen-Lutterbeck 39,6 l/m² in 20 Minuten, seltener als alle 100 Jahre; örtliche Überschwemmungen
Die Starkregenkarten für Niedersachsen
Eine eigene Starkregenkarte des Landes gibt es nicht. Seit dem 22. November 2024 zeigt die Hinweiskarte Starkregengefahren des BKG ganz Niedersachsen, im Geoportal des Bundes und in den Umweltkarten Niedersachsen. Gerechnet sind ein außergewöhnliches Ereignis (Starkregenindex 7) und ein extremes mit 100 mm in einer Stunde. Der Landesbetrieb NLWKN empfiehlt, zuerst nur die Ebene Überflutungstiefe und eine Grundkarte einzuschalten und dann die Fließrichtung dazuzunehmen, um zu sehen, woher das Wasser kommt.
- Hinweiskarte Starkregengefahren im Geoportal.de ↗ · Adresse eingeben, dann Szenario und Ebene wählen
Die Hinweiskarte Starkregengefahren des Bundes
Die Karte rechnet zwei Regen von je einer Stunde: einen außergewöhnlichen, wie er statistisch etwa einmal in 100 Jahren vorkommt, mit der Regenmenge des Deutschen Wetterdiensts für die jeweilige Region (je nach Land etwa 35 bis 55 mm), und einen extremen mit 100 mm, in Nordrhein-Westfalen 90 mm. Für beide zeigt sie, wie tief das Wasser höchstens steht, in Stufen von 10 cm bis über 4 m, wie schnell es fließt und in welche Richtung. Wasser unter 10 cm zeigt sie nicht.
Gerechnet ist sie mit einem Abflussmodell auf dem amtlichen Geländemodell mit 1 m Auflösung. Gebäude sind darin Hindernisse, um die das Wasser herumfließt; Durchlässe und Rohre ab 50 cm Durchmesser und Pumpwerke sind berücksichtigt.
Was die Karten nicht zeigen
Das Kanalnetz und die Versickerung im Boden rechnet die Karte nicht mit: Aller Regen fließt an der Oberfläche ab. Durchlässe unter 50 cm, Mauern und Bordsteine fehlen. Ob Wasser ins Haus oder in den Keller läuft, berechnet sie nicht, und Hochwasser aus Flüssen zeigt sie nicht. Das BKG nennt sie eine erste Orientierung, nicht metergenau und rechtlich nicht verbindlich; wo es Karten des Landes oder der Gemeinde gibt, gehen diese vor.
Eine Karte ohne Treffer heißt nicht, dass das Haus sicher ist. Sie zeigt, wo Wasser abfließt und sich sammelt. Ob es ins Haus kommt, entscheiden Kellerfenster, Einfahrt und Rückstausicherung.
Starkregenkarten der Gemeinden in Niedersachsen
Eine gesetzliche Pflicht, Starkregenkonzepte umzusetzen, haben die Gemeinden in Niedersachsen nach Auskunft der Landesregierung von 2021 nicht. Als Vorlage dient der Leitfaden „Kommunale Starkregenvorsorge in Niedersachsen“ der Kommunalen UmweltAktioN (UAN), entstanden in einem Pilotprojekt mit Bad Salzdetfurth, einer Stadt im eng bebauten Tal des Berglands, und dem Flecken Steyerberg im Flachland. Wer Fördergeld will, muss den Leitfaden anwenden und Starkregengefahrenkarten für mindestens einen Regen der Stufe 5 und einen der Stufe 7 oder höher rechnen lassen. Ob es für deinen Ort schon eine Karte gibt, erfährst du bei der Gemeinde.
Förderung und Regeln in Niedersachsen
- Richtlinie kommunale Starkregenvorsorgekonzepte (NBank): Zuschuss von bis zu 80 % der Kosten, für finanzschwache Kommunen bis zu 90 %, höchstens 150.000 € je Konzept, bei interkommunalen Projekten bis 400.000 €; dazu eine Pauschale von 20 % für Öffentlichkeitsarbeit. Gefördert werden Konzepte der Kommunen, auch gemeinsame Konzepte mehrerer Kommunen. Nächster Antragsstichtag ist der 26. Februar 2027.
So prüfst du ein Haus auf Starkregen
- Lage: Steht das Haus in einer Senke, am Fuß eines Hangs oder tiefer als die Straße? Wasser sucht sich den tiefsten Punkt, auch weit weg von jedem Bach.
- Öffnungen: Kellertreppe, Lichtschächte, Garageneinfahrt und ebenerdige Türen sind die Wege ins Haus. Eine Aufkantung von einigen Zentimetern hält oft schon viel ab.
- Rückstau: Abläufe unter der Straßenoberkante brauchen eine Rückstausicherung, sonst drückt der volle Kanal das Wasser in den Keller. Viele Entwässerungssatzungen der Gemeinden schreiben sie vor, viele Versicherungen setzen sie voraus. Lass dir zeigen, wo sie sitzt und wann sie zuletzt gewartet wurde.
- Frühere Schäden: Frag den Verkäufer, ob schon einmal Wasser im Keller stand, und sieh nach Wasserrändern, frischem Putz unten an den Wänden und Luftentfeuchtern.
- Versicherung: Starkregen und Rückstau deckt nur der Elementarschutz. In Niedersachsen haben ihn 41 % der Wohngebäude (2025, GDV), im Bundesschnitt 59 %. Hol vor dem Kauf ein Angebot für die Adresse ein.
Was Hausprobe für Adressen in Niedersachsen zeigt
Hausprobe zeigt in Niedersachsen die Wassertiefe bei extremem Starkregen aus der Hinweiskarte des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG), direkt am Haus.
Dazu kommen Hochwasser, Lärm, Radon, Hitze, Bodenwert und die Kosten für das Haus selbst.
Häufige Fragen
- Wo sehe ich, ob ein Haus in Niedersachsen bei Starkregen gefährdet ist?
- In der Hinweiskarte Starkregengefahren, im Geoportal des Bundes oder in den Umweltkarten Niedersachsen. Schalte zuerst nur die Überflutungstiefe ein, dann die Fließrichtung. Frag zusätzlich bei der Gemeinde, ob es eine eigene Starkregengefahrenkarte gibt.
- Warum steht Wasser im Flachland so lange?
- Bei wenig Gefälle und fehlender Vorflut kann das Wasser nicht abfließen; nach dem Umweltministerium sind dann vor allem Dauer und Ausdehnung der Überflutung das Problem. Als Vorsorge am Haus nennt es Rückstausicherung, wasserdichte Kellerwände und -fenster und eine funktionierende Grundstücksentwässerung.
- Hilft das Land Hausbesitzern nach Starkregenschäden?
- Einen Anspruch darauf gibt es nicht. Weder Bund noch Land noch Kommunen haften für Schäden an privaten Gebäuden, jeder ist nach § 5 Abs. 2 Wasserhaushaltsgesetz zur eigenen Vorsorge verpflichtet. Prüf deshalb vor dem Kauf die Elementarschadenversicherung.
- Was ist der Unterschied zwischen Hochwasser und Starkregen?
- Hochwasser kommt aus einem Fluss oder vom Meer und betrifft die Flächen am Gewässer, die die Hochwasserkarten zeigen. Starkregen fällt direkt auf das Gelände: Das Wasser fließt über Straßen und Wiesen ab und sammelt sich in Senken, auch weit weg von jedem Gewässer. Beides deckt nur der Elementarschutz der Gebäudeversicherung.
- Zahlt die Gebäudeversicherung bei Starkregen?
- Nur mit Elementarschutz. Die normale Wohngebäudeversicherung deckt Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel, aber keine Überschwemmung durch Starkregen und keinen Rückstau aus dem Kanal. In Niedersachsen haben ihn 41 % der Wohngebäude (2025, GDV).
Quellen
- NLWKN: Hinweiskarte Starkregengefahren für Niedersachsen veröffentlicht
- Niedersächsisches Umweltministerium: Starkregen
- Geoportal.de: Hinweiskarte Starkregengefahren Niedersachsen
- NBank: Kommunale Starkregenvorsorgekonzepte
- Niedersächsischer Landtag, Drucksache 18/9160: Pilotprojekt Kommunale Starkregenvorsorge (2021)
- Niedersächsischer Landtag, Drucksache 18/9748: Vorsorgender Hochwasserschutz, Antwort der Landesregierung (30.07.2021)
- DWD: Deutschlandwetter im Juni 2021
- DWD: Deutschlandwetter im Juni 2023
- DWD: Hydro-klimatologische Einordnung der Stark- und Dauerniederschläge im Zusammenhang mit Tief „Lambert“, 22. bis 23. Juni 2023 (Stand 27.06.2023)
- GDV: Starkregenbilanz 2002 bis 2021, bundesweit 12,6 Milliarden Euro Schäden, mit Bilanz je Bundesland (aktualisiert 27.07.2023)
- BKG: Dokumentation Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG), Produktstand 2024, Stand 25.09.2026
- BKG: FAQ Hinweiskarte Starkregengefahren, Stand 25.09.2026
- BKG: Hinweiskarte Starkregengefahren (Projektseite, Bearbeitungsstand Q1/2026)
- BKG: Produktseite WMS Hinweiskarte Starkregengefahren mit Direktdownload je Bundesland
- Geoportal.de: Metadaten Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG)
- BKG: Datenquellen der Hinweiskarte Starkregengefahren
- BKG (Prof. Dr. Paul Becker): Vortrag Hinweiskarte Starkregengefahren, 28. Gewässersymposium Güstrow, 21.05.2025 (Szenarien, Legendenklassen)
- GDV, Naturgefahrenreport 2026: Versicherungsdichte der Elementarschadenversicherung nach Bundesland (2025, vorläufig)