Starkregenkarte Sachsen-Anhalt: Starkregengefahr vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 31.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Den höchsten Tagesniederschlag seit Messbeginn in Sachsen-Anhalt meldete der DWD am 13. Juni 2020: 133,4 l/m² bei Bottmersdorf südwestlich von Magdeburg. Eine eigene Landeskarte gibt es nicht, seit November 2024 zeigt die Hinweiskarte des Bundes das ganze Land.
Starkregen in Sachsen-Anhalt
In Sachsen-Anhalt richtet oft schon ein kurzer Gewitterregen Schaden an, wenn das Wasser über Äcker in die Dörfer läuft. Am 19. Mai 2017 fielen an der DWD-Station Bad Bibra-Altenroda 35 mm in 35 Minuten. Auf den kaum bewachsenen Feldern bei Barnstädt im Saalekreis bildeten sich große Abtragsflächen, Wasser und Boden flossen in die Ortslagen; Flächen mit Wintergetreide hielten das Wasser deutlich zurück.
Die Versicherer zählten von 2002 bis 2021 Starkregenschäden an Wohngebäuden von 204 Millionen Euro, statistisch bei 65,4 von 1.000 Häusern. Am häufigsten traf es Magdeburg mit 105 von 1.000, am seltensten Stendal mit 32,2. Auch die Berechnungen zur Hinweiskarte zeigen Magdeburg als gefährdet, unabhängig vom Wasserstand der Elbe, ebenso kleine Orte wie Eilsdorf im Landkreis Harz oder Dolchau im Altmarkkreis Salzwedel.
Tage mit mehr als 20 mm Regen sind in Mitteldeutschland selten, im Mittel drei im Jahr, im Harz sechs; an ihrer Zahl hat sich seit den 1950er-Jahren nichts geändert (DWD).
- 19. Mai 2017, Barnstädt und Nemsdorf-Göhrendorf im Saalekreis: 35 mm in 35 Minuten an der nächsten DWD-Station, ein mehr als 50-jährliches Ereignis; Sturzflut mit Wasser und Boden von den Feldern in die Ortslagen, danach Pilotprojekt des Landes
- 13. Juni 2020, Bottmersdorf und Klein Germersleben südwestlich von Magdeburg: 133,4 l/m² bei schweren Gewittern, der höchste Tagesniederschlag seit Messbeginn in Sachsen-Anhalt
- 22./23. Juni 2023, Harz, Börde und Salzlandkreis: bei Thale-Wendefurth nach Radardaten 76,5 l/m² in einer Stunde, weit seltener als alle 100 Jahre; in Gröningen 108,1 l/m² in 48 Stunden, Rekord an dieser Station; örtliche Überschwemmungen
Die Starkregenkarten für Sachsen-Anhalt
Eine eigene Starkregenkarte des Landes gibt es nicht. Seit dem 18. November 2024 zeigt die Hinweiskarte Starkregengefahren, die das Umweltministerium mit dem BKG und anderen Ländern erarbeitet hat, ganz Sachsen-Anhalt im Geoportal des Bundes: Überflutungstiefe, Fließgeschwindigkeit und Fließrichtung für ein hundertjährliches und ein extremes Ereignis von 100 mm in einer Stunde. Das Modell berücksichtigt Gelände, Bebauung und Straßendurchlässe, an denen sich Wasser aufstauen kann. Nach dem Umweltministerium sollten Risiken überall dort geklärt werden, wo es Senken, verbaute Fließwege oder zu enge Durchlässe gibt, auch abseits von Gewässern.
- Hinweiskarte Starkregengefahren im Geoportal.de ↗ · Adresse eingeben, dann Szenario und Ebene wählen
Die Hinweiskarte Starkregengefahren des Bundes
Die Karte rechnet zwei Regen von je einer Stunde: einen außergewöhnlichen, wie er statistisch etwa einmal in 100 Jahren vorkommt, mit der Regenmenge des Deutschen Wetterdiensts für die jeweilige Region (je nach Land etwa 35 bis 55 mm), und einen extremen mit 100 mm, in Nordrhein-Westfalen 90 mm. Für beide zeigt sie, wie tief das Wasser höchstens steht, in Stufen von 10 cm bis über 4 m, wie schnell es fließt und in welche Richtung. Wasser unter 10 cm zeigt sie nicht.
Gerechnet ist sie mit einem Abflussmodell auf dem amtlichen Geländemodell mit 1 m Auflösung. Gebäude sind darin Hindernisse, um die das Wasser herumfließt; Durchlässe und Rohre ab 50 cm Durchmesser und Pumpwerke sind berücksichtigt.
Was die Karten nicht zeigen
Das Kanalnetz und die Versickerung im Boden rechnet die Karte nicht mit: Aller Regen fließt an der Oberfläche ab. Durchlässe unter 50 cm, Mauern und Bordsteine fehlen. Ob Wasser ins Haus oder in den Keller läuft, berechnet sie nicht, und Hochwasser aus Flüssen zeigt sie nicht. Das BKG nennt sie eine erste Orientierung, nicht metergenau und rechtlich nicht verbindlich; wo es Karten des Landes oder der Gemeinde gibt, gehen diese vor.
Eine Karte ohne Treffer heißt nicht, dass das Haus sicher ist. Sie zeigt, wo Wasser abfließt und sich sammelt. Ob es ins Haus kommt, entscheiden Kellerfenster, Einfahrt und Rückstausicherung.
Starkregenkarten der Gemeinden in Sachsen-Anhalt
Für die Gemeinden hat das Umweltministerium im November 2023 den Leitfaden „Aktiv gegen Starkregen!“ veröffentlicht: 86 Seiten dazu, wie sie Starkregengefahren ermitteln, welche Maßnahmen folgen können und wie sie die Menschen vor Ort beteiligen, dazu eine Checkliste für Privathaushalte und eine Übersicht der Förderung. Er beruht auch auf einem Pilotprojekt für Barnstädt und Nemsdorf-Göhrendorf im Saalekreis, wo nach dem Starkregen vom Mai 2017 ein kommunales Starkregenrisikomanagement erarbeitet wurde. Ob deine Gemeinde ein Konzept hat, erfährst du dort.
Förderung und Regeln in Sachsen-Anhalt
- Förderprogramm KLIMA III (EFRE): Kommunen erhalten für Maßnahmen der Klimaanpassung und des kommunalen Hochwasser- und Starkregenrisikomanagements bis zu 90 % der förderfähigen Ausgaben, insgesamt stehen 35 Mio. € bereit. Im April 2025 war das Programm nach Angaben des Landesamts für Umweltschutz überzeichnet, Informationen zu einem neuen Förderfenster standen aus.
So prüfst du ein Haus auf Starkregen
- Lage: Steht das Haus in einer Senke, am Fuß eines Hangs oder tiefer als die Straße? Wasser sucht sich den tiefsten Punkt, auch weit weg von jedem Bach.
- Öffnungen: Kellertreppe, Lichtschächte, Garageneinfahrt und ebenerdige Türen sind die Wege ins Haus. Eine Aufkantung von einigen Zentimetern hält oft schon viel ab.
- Rückstau: Abläufe unter der Straßenoberkante brauchen eine Rückstausicherung, sonst drückt der volle Kanal das Wasser in den Keller. Viele Entwässerungssatzungen der Gemeinden schreiben sie vor, viele Versicherungen setzen sie voraus. Lass dir zeigen, wo sie sitzt und wann sie zuletzt gewartet wurde.
- Frühere Schäden: Frag den Verkäufer, ob schon einmal Wasser im Keller stand, und sieh nach Wasserrändern, frischem Putz unten an den Wänden und Luftentfeuchtern.
- Versicherung: Starkregen und Rückstau deckt nur der Elementarschutz. In Sachsen-Anhalt haben ihn 53 % der Wohngebäude (2025, GDV), im Bundesschnitt 59 %. Hol vor dem Kauf ein Angebot für die Adresse ein.
Was Hausprobe für Adressen in Sachsen-Anhalt zeigt
Hausprobe zeigt in Sachsen-Anhalt die Wassertiefe bei extremem Starkregen aus der Hinweiskarte des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG), direkt am Haus.
Dazu kommen Hochwasser, Lärm, Radon, Hitze, Bodenwert und die Kosten für das Haus selbst.
Häufige Fragen
- Wo sehe ich die Starkregengefahr für ein Haus in Sachsen-Anhalt?
- In der Hinweiskarte Starkregengefahren im Geoportal des Bundes, seit November 2024 für das ganze Land. Sie zeigt, wo sich Wasser sammelt und wie schnell es fließt, auch in Senken und vor engen Durchlässen abseits von Gewässern.
- Ist Magdeburg bei Starkregen gefährdet, auch ohne Elbhochwasser?
- Ja. Nach den Berechnungen zur Hinweiskarte können in Magdeburg Flächen unabhängig vom Wasserstand der Elbe überflutet werden. In der Bilanz der Versicherer war Magdeburg von 2002 bis 2021 der am häufigsten betroffene Kreis des Landes, mit 105 Schäden je 1.000 Wohngebäude.
- Worauf achte ich bei einem Haus unterhalb von Feldern?
- Prüf in der Hinweiskarte, ob eine Fließbahn auf das Grundstück zuläuft, und frag die Gemeinde nach früheren Ereignissen. In Barnstädt kam das Wasser 2017 mit Boden von kaum bewachsenen Feldern; Flächen mit Wintergetreide bremsten es. Solche Maßnahmen auf den Feldern sind Sache von Landwirten und Gemeinde, der Leitfaden des Landes beschreibt sie.
- Was ist der Unterschied zwischen Hochwasser und Starkregen?
- Hochwasser kommt aus einem Fluss oder vom Meer und betrifft die Flächen am Gewässer, die die Hochwasserkarten zeigen. Starkregen fällt direkt auf das Gelände: Das Wasser fließt über Straßen und Wiesen ab und sammelt sich in Senken, auch weit weg von jedem Gewässer. Beides deckt nur der Elementarschutz der Gebäudeversicherung.
- Zahlt die Gebäudeversicherung bei Starkregen?
- Nur mit Elementarschutz. Die normale Wohngebäudeversicherung deckt Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel, aber keine Überschwemmung durch Starkregen und keinen Rückstau aus dem Kanal. In Sachsen-Anhalt haben ihn 53 % der Wohngebäude (2025, GDV).
Quellen
- Umweltministerium Sachsen-Anhalt: Willingmann stellt Hinweiskarte zu Starkregengefahren vor, Pressemitteilung 137/2024 (18.11.2024)
- Umweltministerium Sachsen-Anhalt: Leitfaden „Aktiv gegen Starkregen!“ für Kommunen, Pressemitteilung 126/2023 (13.11.2023)
- Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt: 1. Klimastammtisch, Folien mit Hinweis zu KLIMA III (01.04.2025)
- LLG Sachsen-Anhalt: Risikoanalyse und Empfehlungen zur Starkregengefahrenvorsorge für Barnstädt und Nemsdorf-Göhrendorf, Schriftenreihe 1/2021
- DWD: Deutschlandwetter im Juni 2020
- DWD: Deutschlandwetter im Juni 2023
- DWD: Hydro-klimatologische Einordnung der Stark- und Dauerniederschläge im Zusammenhang mit Tief „Lambert“, 22. bis 23. Juni 2023 (Stand 27.06.2023)
- DWD: Klimareport Mitteldeutschland (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen), 2024
- BKG: Dokumentation Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG), Produktstand 2024, Stand 25.09.2026
- GDV: Starkregenbilanz 2002 bis 2021, bundesweit 12,6 Milliarden Euro Schäden, mit Bilanz je Bundesland (aktualisiert 27.07.2023)
- BKG: FAQ Hinweiskarte Starkregengefahren, Stand 25.09.2026
- BKG: Hinweiskarte Starkregengefahren (Projektseite, Bearbeitungsstand Q1/2026)
- BKG: Produktseite WMS Hinweiskarte Starkregengefahren mit Direktdownload je Bundesland
- Geoportal.de: Metadaten Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG)
- BKG: Datenquellen der Hinweiskarte Starkregengefahren
- BKG (Prof. Dr. Paul Becker): Vortrag Hinweiskarte Starkregengefahren, 28. Gewässersymposium Güstrow, 21.05.2025 (Szenarien, Legendenklassen)
- GDV, Naturgefahrenreport 2026: Versicherungsdichte der Elementarschadenversicherung nach Bundesland (2025, vorläufig)