Starkregenkarte Schleswig-Holstein: Starkregengefahr vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 31.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Schleswig-Holstein zeigt die Hinweiskarten Starkregengefahren im eigenen Umweltportal, mit einem hundertjährlichen Regen von 35 bis 40 mm in einer Stunde. Am häufigsten traf Starkregen nach der Bilanz der Versicherer Kiel: Dort hatte statistisch jedes fünfte versicherte Haus einen Schaden.
Starkregen in Schleswig-Holstein
Von 2002 bis 2021 zählten die Versicherer in Schleswig-Holstein Starkregenschäden an Wohngebäuden von 302 Millionen Euro, statistisch bei 95,1 von 1.000 Häusern; ein Schaden kostete im Schnitt 4.750 Euro. Kiel war am stärksten betroffen: Dort hatte jedes fünfte versicherte Haus (224,4 von 1.000) einen Schaden, in Nordfriesland nur 46,4 von 1.000.
Ein hundertjährlicher Regen von einer Stunde bringt im Land je nach Lage 35 bis 40 mm. Das Wasser fließt je nach Gefälle zu den Tiefpunkten im Gelände und kann sich dort sammeln, auch fernab von Gewässern. Das Land setzt auf Vorsorge durch Eigentümer und Gemeinden: Jeder ist für den Schutz seines Hauses selbst verantwortlich, die Gemeinden für Entwässerung, Planung und Gefahrenabwehr.
- 5. Mai 2015, Lübeck: bei schweren Gewittern drang Regenwasser ins Holstentor ein und überflutete Teile des Museums
- 17. August 2022, Helgoland: fast 99 l/m² durch Schauer und Gewitter, Rekord an dieser Station
- Ende Mai 2024, Schleswig-Holstein: nach trockenen Wochen teils unwetterartige Starkregen; der Mai brachte 96 l/m² statt der üblichen 54 l/m²
Die Starkregenkarten für Schleswig-Holstein
Eine eigene Karte neben der des Bundes hat das Land nicht, zeigt die Hinweiskarten Starkregengefahren aber im Umweltportal Schleswig-Holstein und im Geoportal des Bundes. Gerechnet sind ein außergewöhnliches Ereignis mit einer Wiederkehrzeit von 100 Jahren und einer Stunde Dauer, je nach Lage 35–40 mm, und ein extremes mit 100 mm in einer Stunde als gleichmäßiger Blockregen. In die Berechnung gingen bekannte Pumpleistungen ein, sonst pauschal 0,3 m³ pro Sekunde; Versickerung und Kanalnetz sind nicht berücksichtigt, Risikogewässer gelten als nicht ausufernd. Auch wo die Karte nichts zeigt, ist das keine Garantie: Geringe Wassertiefen erscheinen nicht, können aber schon Probleme machen.
- Hinweiskarte Starkregengefahren im Geoportal.de ↗ · Adresse eingeben, dann Szenario und Ebene wählen
Die Hinweiskarte Starkregengefahren des Bundes
Die Karte rechnet zwei Regen von je einer Stunde: einen außergewöhnlichen, wie er statistisch etwa einmal in 100 Jahren vorkommt, mit der Regenmenge des Deutschen Wetterdiensts für die jeweilige Region (je nach Land etwa 35 bis 55 mm), und einen extremen mit 100 mm, in Nordrhein-Westfalen 90 mm. Für beide zeigt sie, wie tief das Wasser höchstens steht, in Stufen von 10 cm bis über 4 m, wie schnell es fließt und in welche Richtung. Wasser unter 10 cm zeigt sie nicht.
Gerechnet ist sie mit einem Abflussmodell auf dem amtlichen Geländemodell mit 1 m Auflösung. Gebäude sind darin Hindernisse, um die das Wasser herumfließt; Durchlässe und Rohre ab 50 cm Durchmesser und Pumpwerke sind berücksichtigt.
Was die Karten nicht zeigen
Das Kanalnetz und die Versickerung im Boden rechnet die Karte nicht mit: Aller Regen fließt an der Oberfläche ab. Durchlässe unter 50 cm, Mauern und Bordsteine fehlen. Ob Wasser ins Haus oder in den Keller läuft, berechnet sie nicht, und Hochwasser aus Flüssen zeigt sie nicht. Das BKG nennt sie eine erste Orientierung, nicht metergenau und rechtlich nicht verbindlich; wo es Karten des Landes oder der Gemeinde gibt, gehen diese vor.
Eine Karte ohne Treffer heißt nicht, dass das Haus sicher ist. Sie zeigt, wo Wasser abfließt und sich sammelt. Ob es ins Haus kommt, entscheiden Kellerfenster, Einfahrt und Rückstausicherung.
Starkregenkarten der Gemeinden in Schleswig-Holstein
Einige Kommunen in Schleswig-Holstein haben eigene Starkregengefahrenkarten, oft mit anderen Regenszenarien. Wo es sie gibt, sollen sie nach Empfehlung des Landes zuerst herangezogen werden, weil sie die örtlichen Gegebenheiten meist genauer abbilden. Das Umweltministerium hat 2024 einen Leitfaden Starkregenrisikomanagement herausgegeben, der beschreibt, wie Gemeinden Gefährdung analysieren und Maßnahmen umsetzen. Hinweise zur Vorsorge am eigenen Haus stehen auf wasserstark.sh. Ob es für deinen Ort eine Karte gibt, erfährst du bei der Gemeinde oder dem Amt.
So prüfst du ein Haus auf Starkregen
- Lage: Steht das Haus in einer Senke, am Fuß eines Hangs oder tiefer als die Straße? Wasser sucht sich den tiefsten Punkt, auch weit weg von jedem Bach.
- Öffnungen: Kellertreppe, Lichtschächte, Garageneinfahrt und ebenerdige Türen sind die Wege ins Haus. Eine Aufkantung von einigen Zentimetern hält oft schon viel ab.
- Rückstau: Abläufe unter der Straßenoberkante brauchen eine Rückstausicherung, sonst drückt der volle Kanal das Wasser in den Keller. Viele Entwässerungssatzungen der Gemeinden schreiben sie vor, viele Versicherungen setzen sie voraus. Lass dir zeigen, wo sie sitzt und wann sie zuletzt gewartet wurde.
- Frühere Schäden: Frag den Verkäufer, ob schon einmal Wasser im Keller stand, und sieh nach Wasserrändern, frischem Putz unten an den Wänden und Luftentfeuchtern.
- Versicherung: Starkregen und Rückstau deckt nur der Elementarschutz. In Schleswig-Holstein haben ihn 46 % der Wohngebäude (2025, GDV), im Bundesschnitt 59 %. Hol vor dem Kauf ein Angebot für die Adresse ein.
Was Hausprobe für Adressen in Schleswig-Holstein zeigt
Hausprobe zeigt in Schleswig-Holstein die Wassertiefe bei extremem Starkregen aus der Hinweiskarte des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG), direkt am Haus.
Dazu kommen Hochwasser, Lärm, Radon, Hitze, Bodenwert und die Kosten für das Haus selbst.
Häufige Fragen
- Wo finde ich die Starkregenkarte für Schleswig-Holstein?
- Im Umweltportal Schleswig-Holstein unter Hinweiskarten Starkregengefahren oder im Geoportal des Bundes. Sie zeigt Wassertiefe, Fließrichtung und Fließgeschwindigkeit für einen hundertjährlichen Regen von 35 bis 40 mm in einer Stunde und einen extremen von 100 mm.
- Die Karte zeigt an meinem Haus nichts. Bin ich sicher?
- Nicht unbedingt. Das Land weist darauf hin, dass auch geringe Wassertiefen, die in den Karten nicht dargestellt sind, zu Problemen führen können. Prüf vor Ort: War das Haus schon einmal betroffen, gibt es Gefälle oder Senken, wo käme Wasser ins Gebäude, und gibt es Rückstauklappen, Aufkantungen oder Abdichtungen?
- Was ist der Unterschied zwischen Hochwasser und Starkregen?
- Hochwasser kommt aus einem Fluss oder vom Meer und betrifft die Flächen am Gewässer, die die Hochwasserkarten zeigen. Starkregen fällt direkt auf das Gelände: Das Wasser fließt über Straßen und Wiesen ab und sammelt sich in Senken, auch weit weg von jedem Gewässer. Beides deckt nur der Elementarschutz der Gebäudeversicherung.
- Zahlt die Gebäudeversicherung bei Starkregen?
- Nur mit Elementarschutz. Die normale Wohngebäudeversicherung deckt Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel, aber keine Überschwemmung durch Starkregen und keinen Rückstau aus dem Kanal. In Schleswig-Holstein haben ihn 46 % der Wohngebäude (2025, GDV).
Quellen
- Schleswig-Holstein (MEKUN): Hinweiskarten Starkregengefahren
- Schleswig-Holstein (MEKUN): Leitfaden Starkregenrisikomanagement (2024)
- Umweltportal Schleswig-Holstein: Kartendienste
- Schleswig-Holstein: wasserstark.sh, Vorsorge gegen Hochwasser und Starkregen
- DWD: Schadensrückblick 2015, Wetterschäden in Deutschland
- DWD: Deutschlandwetter im August 2022
- DWD: Deutschlandwetter im Mai 2024
- GDV: Starkregenbilanz 2002 bis 2021, bundesweit 12,6 Milliarden Euro Schäden, mit Bilanz je Bundesland (aktualisiert 27.07.2023)
- BKG: Dokumentation Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG), Produktstand 2024, Stand 25.09.2026
- BKG: FAQ Hinweiskarte Starkregengefahren, Stand 25.09.2026
- BKG: Hinweiskarte Starkregengefahren (Projektseite, Bearbeitungsstand Q1/2026)
- BKG: Produktseite WMS Hinweiskarte Starkregengefahren mit Direktdownload je Bundesland
- Geoportal.de: Metadaten Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG)
- BKG: Datenquellen der Hinweiskarte Starkregengefahren
- BKG (Prof. Dr. Paul Becker): Vortrag Hinweiskarte Starkregengefahren, 28. Gewässersymposium Güstrow, 21.05.2025 (Szenarien, Legendenklassen)
- GDV, Naturgefahrenreport 2026: Versicherungsdichte der Elementarschadenversicherung nach Bundesland (2025, vorläufig)