Starkregenkarte Bremen: Starkregengefahr vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 31.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Für die Stadt Bremen gibt es eine eigene Starkregenkarte, und Eigentümer bekommen dazu kostenlos eine Auskunft für ihr Grundstück und eine Beratung vor Ort. Bremerhaven ist in dieser Karte nicht enthalten; dort zeigt die Hinweiskarte des Bundes die Starkregengefahr.
Starkregen in Bremen
Im August 2011 liefen in Bremen innerhalb von zwei Wochen zweimal nach Gewittern Unterführungen, Straßen und Keller voll, darunter die Unterführung Parkallee und der Findorff-Tunnel. Die Sachschäden lagen nach groben Schätzungen im einstelligen Millionenbereich. Daraufhin startete die Stadt das Projekt KLAS (KlimaAnpassungsStrategie Extreme Regenereignisse), aus dem die heutige Starkregenkarte stammt.
Eine Erkenntnis aus KLAS betrifft jeden Käufer: Fehlender Schutz vor Rückstau aus dem Kanal ist der häufigste Grund für überflutete Keller. 2023 war im Land Bremen mit 1.076 l/m² das nasseste Jahr seit 1961, knapp 50 % mehr als im Mittel 1961–1990; im Sommer liefen örtlich Keller voll.
Für 2071–2100 rechnet das Land Bremen mit 8 % mehr Jahresniederschlag (Bandbreite von minus 14 bis plus 23 %, Szenario RCP 8.5) und mit mehr Tagen mit hohen Niederschlagsmengen.
- August 2011, Stadt Bremen: zwei extreme Regenereignisse innerhalb von zwei Wochen; überflutete Unterführungen wie Parkallee und Findorff-Tunnel, Straßen und Keller, Schäden nach groben Schätzungen im einstelligen Millionenbereich
- Sommer 2023, Land Bremen: örtliche Überschwemmungen mit vollgelaufenen Kellern im nassesten Jahr seit 1961
- März 1979, Burg Blomendal, Bremen-Blumenthal: Überschwemmung nach Starkregen an Blumenthaler Aue und Beckedorfer Beeke; die Burg mit Kindertagesstätte liegt in einer Senke am Zusammenfluss der beiden Geestbäche
Die Starkregenkarten für Bremen
Die Starkregenkarte im Starkregen-Vorsorgeportal haben Umweltbehörde, hanseWasser und das Ingenieurbüro Dr. Pecher im Projekt KLAS berechnet. Sie zeigt für die Stadtgemeinde Bremen, welchen Weg Regenwasser an der Oberfläche nimmt, wo es sich sammelt oder an Gebäuden und Mauern aufstaut, und den höchsten Wasserstand während eines zweistündigen Regens. Es gibt drei Szenarien: 42,2 mm in 120 Minuten (30-jährlich), 46,0 mm (50-jährlich) und 51,1 mm (100-jährlich). Das „extreme“ Szenario der Bremer Karte ist also ein 100-jährlicher Regen und damit deutlich schwächer als das extreme Szenario des Bundes mit 100 mm in einer Stunde. Die Hinweiskarte des Bundes deckt das ganze Land ab, auch Bremerhaven.
- Starkregenkarte im Starkregen-Vorsorgeportal Bremen ↗ · nur Stadtgemeinde Bremen
- Hinweiskarte Starkregengefahren im Geoportal.de ↗ · Adresse eingeben, dann Szenario und Ebene wählen
Die Hinweiskarte Starkregengefahren des Bundes
Die Karte rechnet zwei Regen von je einer Stunde: einen außergewöhnlichen, wie er statistisch etwa einmal in 100 Jahren vorkommt, mit der Regenmenge des Deutschen Wetterdiensts für die jeweilige Region (je nach Land etwa 35 bis 55 mm), und einen extremen mit 100 mm, in Nordrhein-Westfalen 90 mm. Für beide zeigt sie, wie tief das Wasser höchstens steht, in Stufen von 10 cm bis über 4 m, wie schnell es fließt und in welche Richtung. Wasser unter 10 cm zeigt sie nicht.
Gerechnet ist sie mit einem Abflussmodell auf dem amtlichen Geländemodell mit 1 m Auflösung. Gebäude sind darin Hindernisse, um die das Wasser herumfließt; Durchlässe und Rohre ab 50 cm Durchmesser und Pumpwerke sind berücksichtigt.
Was die Karten nicht zeigen
Das Kanalnetz und die Versickerung im Boden rechnet die Karte nicht mit: Aller Regen fließt an der Oberfläche ab. Durchlässe unter 50 cm, Mauern und Bordsteine fehlen. Ob Wasser ins Haus oder in den Keller läuft, berechnet sie nicht, und Hochwasser aus Flüssen zeigt sie nicht. Das BKG nennt sie eine erste Orientierung, nicht metergenau und rechtlich nicht verbindlich; wo es Karten des Landes oder der Gemeinde gibt, gehen diese vor.
Eine Karte ohne Treffer heißt nicht, dass das Haus sicher ist. Sie zeigt, wo Wasser abfließt und sich sammelt. Ob es ins Haus kommt, entscheiden Kellerfenster, Einfahrt und Rückstausicherung.
Starkregenkarten der Gemeinden in Bremen
Im Land Bremen sind die beiden Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven getrennte Gebiete; das Starkregen-Vorsorgeportal gilt nur für die Stadt Bremen. Dort bekommen Eigentümer eine grundstücksbezogene Detailauskunft zur Überflutungsgefahr, die hanseWasser per Post schickt, und eine kostenlose, einstündige Beratung vor Ort, bei der Fachleute von hanseWasser Untergeschoss und Umgebung ansehen, auch mit Blick auf Sickerwasser und Rückstau aus dem Kanal. In Bremen-Blumenthal gibt es zudem eine Starkregenpartnerschaft an Blumenthaler Aue und Beckedorfer Beeke mit einem Kurzfrist-Vorhersagesystem für Starkregen, das bisher als Testversion läuft. Für Bremerhaven nennt das Portal keine eigene Karte.
Förderung und Regeln in Bremen
- Förderprogramm Schwammstadt (Richtlinie vom 7. November 2024, befristet bis 31. Dezember 2027, Anträge laufend über die Bremer Umwelt Beratung, vor Baubeginn), für private Eigentümer in Bremen und Bremerhaven: Dachbegrünung ab 10 m² und 10 cm Aufbau 25 % der Kosten, höchstens 45 €/m² und 5.000 €, ab 15 cm 30 %, höchstens 50 €/m² und 6.000 €; Entsiegelung ab 20 m² 30 %, höchstens 40 €/m² und 5.000 €; Regen- oder Grauwasseranlage für Toilette und Garten 40 %, höchstens 5.000 €, nur für den Garten 25 %, höchstens 1.500 €. Gefördert werden nur freiwillige Maßnahmen, nicht solche, die Bebauungsplan oder Baugenehmigung vorschreiben.
- Bremer Aufbau-Bank, Programm „Rund ums Haus“, für Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern in Bremen und Bremerhaven: zinsgünstige Kredite von 3.000 bis 20.000 €, unter anderem für Schutz vor Starkregen und die Sanierung der Grundstücksentwässerung, ohne Grundschuldeintrag.
So prüfst du ein Haus auf Starkregen
- Lage: Steht das Haus in einer Senke, am Fuß eines Hangs oder tiefer als die Straße? Wasser sucht sich den tiefsten Punkt, auch weit weg von jedem Bach.
- Öffnungen: Kellertreppe, Lichtschächte, Garageneinfahrt und ebenerdige Türen sind die Wege ins Haus. Eine Aufkantung von einigen Zentimetern hält oft schon viel ab.
- Rückstau: Abläufe unter der Straßenoberkante brauchen eine Rückstausicherung, sonst drückt der volle Kanal das Wasser in den Keller. Viele Entwässerungssatzungen der Gemeinden schreiben sie vor, viele Versicherungen setzen sie voraus. Lass dir zeigen, wo sie sitzt und wann sie zuletzt gewartet wurde.
- Frühere Schäden: Frag den Verkäufer, ob schon einmal Wasser im Keller stand, und sieh nach Wasserrändern, frischem Putz unten an den Wänden und Luftentfeuchtern.
- Versicherung: Starkregen und Rückstau deckt nur der Elementarschutz. In Bremen haben ihn 41 % der Wohngebäude (2025, GDV), im Bundesschnitt 59 %. Hol vor dem Kauf ein Angebot für die Adresse ein.
Was Hausprobe für Adressen in Bremen zeigt
Hausprobe zeigt in Bremen die Wassertiefe bei extremem Starkregen aus der Hinweiskarte des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG), direkt am Haus.
Dazu kommen Hochwasser, Lärm, Radon, Hitze, Bodenwert und die Kosten für das Haus selbst.
Häufige Fragen
- Kann ich als Käufer die Detailauskunft für ein Grundstück in Bremen beantragen?
- Nein, nur die im Grundbuch eingetragenen Eigentümer. Bitte den Verkäufer, sie zu beantragen; sie ist kostenlos. Die Starkregenkarte selbst kannst du ohne Antrag im Starkregen-Vorsorgeportal ansehen.
- Wie stark ist der Regen im extremen Szenario der Bremer Karte?
- 51,1 mm in zwei Stunden, ein Regen, wie er statistisch einmal in 100 Jahren vorkommt. Das extreme Szenario der Bundeskarte rechnet mit 100 mm in einer Stunde und zeigt deshalb an vielen Stellen mehr Wasser.
- Gibt es in Bremen Geld für eine Zisterne oder ein Gründach?
- Ja, über das Förderprogramm Schwammstadt bis Ende 2027: für ein Gründach bis 5.000 € oder 6.000 €, für eine Regenwasseranlage für Toilette und Garten bis 5.000 €, für Entsiegelung bis 5.000 €. Der Antrag muss vor Baubeginn bei der Bremer Umwelt Beratung liegen.
- Was ist der Unterschied zwischen Hochwasser und Starkregen?
- Hochwasser kommt aus einem Fluss oder vom Meer und betrifft die Flächen am Gewässer, die die Hochwasserkarten zeigen. Starkregen fällt direkt auf das Gelände: Das Wasser fließt über Straßen und Wiesen ab und sammelt sich in Senken, auch weit weg von jedem Gewässer. Beides deckt nur der Elementarschutz der Gebäudeversicherung.
- Zahlt die Gebäudeversicherung bei Starkregen?
- Nur mit Elementarschutz. Die normale Wohngebäudeversicherung deckt Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel, aber keine Überschwemmung durch Starkregen und keinen Rückstau aus dem Kanal. In Bremen haben ihn 41 % der Wohngebäude (2025, GDV).
Quellen
- Die Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft: Starkregen-Vorsorgeportal
- Bremen: Grundstücksbezogene Detailauskunft zur Überflutungsgefahr
- Klimaanpassung Bremen: Das Starkregenvorsorgeportal (Szenarien)
- Klimaanpassung Bremen: Starkregen, erwartete Veränderungen
- Starkregenkarte Bremen (GIS-Hub)
- Klimaanpassung Bremen: Förderprogramm Schwammstadt
- Amtsblatt der Freien Hansestadt Bremen Nr. 6 vom 9. Januar 2025: Förderrichtlinie Schwammstadt vom 7. November 2024
- Die Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft: Abwasser, Förderungen (BAB „Rund ums Haus“)
- Die Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft: Starkregenpartnerschaft Blumenthaler Aue
- Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr: Deputationsvorlage 19/51 (S) „KLAS, Ergebnisbericht und Projektfortführung“ vom 02.12.2015
- BKG: Dokumentation Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG), Produktstand 2024, Stand 25.09.2026
- BKG: FAQ Hinweiskarte Starkregengefahren, Stand 25.09.2026
- BKG: Hinweiskarte Starkregengefahren (Projektseite, Bearbeitungsstand Q1/2026)
- BKG: Produktseite WMS Hinweiskarte Starkregengefahren mit Direktdownload je Bundesland
- Geoportal.de: Metadaten Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG)
- BKG: Datenquellen der Hinweiskarte Starkregengefahren
- BKG (Prof. Dr. Paul Becker): Vortrag Hinweiskarte Starkregengefahren, 28. Gewässersymposium Güstrow, 21.05.2025 (Szenarien, Legendenklassen)
- GDV, Naturgefahrenreport 2026: Versicherungsdichte der Elementarschadenversicherung nach Bundesland (2025, vorläufig)