Starkregenkarte Berlin: Starkregengefahr vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 31.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Berlin hat eine flächendeckende Starkregenhinweiskarte, die die Karte des Bundes mit Geländesenken und fast 20 Jahren Feuerwehreinsätzen kombiniert. Für einzelne Gebiete gibt es genauere Starkregengefahrenkarten, die auch das Kanalnetz mitrechnen.
Starkregen in Berlin
Laut Senatsverwaltung ist Berlin die Großstadt in Deutschland, die am häufigsten und am stärksten von Starkregen betroffen ist (Forschungsprojekt KlamEx). Rund 34 % der Stadtfläche sind versiegelt, und die Regenkanäle sind für Regen bemessen, wie er alle zwei bis fünf Jahre vorkommt. Fällt mehr, läuft das Wasser über die Straßen und sammelt sich in Senken, tief liegenden Grundstücken sowie Einfahrten und Innenhöfen unter Straßenniveau.
Das Gelände ist flach, das Wasser fließt deshalb langsamer als in Bergregionen. Die Schäden sind trotzdem hoch: Die Senatsverwaltung nennt für die letzten 20 Jahre durchschnittliche Versicherungsschäden von 8,7 Mio. € pro Jahr (GDV). Die Feuerwehr rückt wegen Starkregen vor allem zwischen Mai und September aus, am häufigsten von Juni bis August.
Für die Region Berlin/Brandenburg zeigt sich laut Senatsverwaltung ein leicht positiver Trend bei Starkregenereignissen (mit Verweis auf den DWD-Klimareport Brandenburg 2019); genaue Aussagen nur für Berlin sind wegen der kleinen Fläche schwierig.
- 29./30. Juni 2017, ganz Berlin, Schwerpunkt im Nordwesten: in Tegel 195,8 mm an einem Tag, gebietsweise Tagessummen eines 100-jährlichen Ereignisses; 992 Feuerwehreinsätze wegen Starkregen in zwei Tagen
Die Starkregenkarten für Berlin
Die Starkregenhinweiskarte (Umweltatlas, Karte 02.24.1) gibt es seit Januar 2024. Seit Februar 2025 enthält sie Wasserstände, Fließgeschwindigkeiten und Fließrichtungen der Bundeskarte für ein außergewöhnliches, 100-jährliches Ereignis mit etwa 35–40 mm in einer Stunde und ein extremes mit 100 mm in einer Stunde. Dazu kommen eine Senkenanalyse der Berliner Wasserbetriebe, die Starkregeneinsätze der Feuerwehr von Mai 2005 bis November 2024 und für das extreme Szenario Hinweise, wo Menschen zu Fuß und Autos auf der Straße nicht mehr sicher stehen. Genauer sind die Starkregengefahrenkarten, die seit 2021 Gebiet für Gebiet entstehen: Sie koppeln Kanalnetz und Oberfläche (1D/2D), rechnen die Versickerung mit und zeigen ein seltenes (30- und 50-jährlich) und ein außergewöhnliches Ereignis (100-jährlich), jeweils mit 180 Minuten Dauer, sowie für einen Teil der Gebiete ein extremes (100 mm in 60 Minuten); Wasserstände unter 10 cm stellen sie nicht dar. Stand Februar 2025 lagen sie für Flughafensee (südliches Reinickendorf), Moabit, Obersee und Orankesee (Lichtenberg), Frankentaler Ufer (Lankwitz) und Niederschönhausen Ost vor. Seit 12. Mai 2026 zeigt das Hochwasser-Infoportal beide Karten für einen Standort und gibt einen Bericht als PDF aus.
- Starkregenhinweiskarte im Geoportal Berlin ↗ · ganz Berlin; genauere Starkregengefahrenkarten für Teilgebiete: https://gdi.berlin.de/view/ua_srgk
- Hinweiskarte Starkregengefahren im Geoportal.de ↗ · Adresse eingeben, dann Szenario und Ebene wählen
Die Hinweiskarte Starkregengefahren des Bundes
Die Karte rechnet zwei Regen von je einer Stunde: einen außergewöhnlichen, wie er statistisch etwa einmal in 100 Jahren vorkommt, mit der Regenmenge des Deutschen Wetterdiensts für die jeweilige Region (je nach Land etwa 35 bis 55 mm), und einen extremen mit 100 mm, in Nordrhein-Westfalen 90 mm. Für beide zeigt sie, wie tief das Wasser höchstens steht, in Stufen von 10 cm bis über 4 m, wie schnell es fließt und in welche Richtung. Wasser unter 10 cm zeigt sie nicht.
Gerechnet ist sie mit einem Abflussmodell auf dem amtlichen Geländemodell mit 1 m Auflösung. Gebäude sind darin Hindernisse, um die das Wasser herumfließt; Durchlässe und Rohre ab 50 cm Durchmesser und Pumpwerke sind berücksichtigt.
Was die Karten nicht zeigen
Das Kanalnetz und die Versickerung im Boden rechnet die Karte nicht mit: Aller Regen fließt an der Oberfläche ab. Durchlässe unter 50 cm, Mauern und Bordsteine fehlen. Ob Wasser ins Haus oder in den Keller läuft, berechnet sie nicht, und Hochwasser aus Flüssen zeigt sie nicht. Das BKG nennt sie eine erste Orientierung, nicht metergenau und rechtlich nicht verbindlich; wo es Karten des Landes oder der Gemeinde gibt, gehen diese vor.
Eine Karte ohne Treffer heißt nicht, dass das Haus sicher ist. Sie zeigt, wo Wasser abfließt und sich sammelt. Ob es ins Haus kommt, entscheiden Kellerfenster, Einfahrt und Rückstausicherung.
Starkregenkarten der Gemeinden in Berlin
Starkregenrisikomanagement ist in Berlin laut Senatsverwaltung eine Gemeinschaftsaufgabe von Senat, Bezirken, Berliner Wasserbetrieben, Unternehmen und Eigentümern. Die genaueren Gefahrenkarten erarbeiten Senatsverwaltung und Wasserbetriebe gemeinsam, in einer Reihenfolge nach Dringlichkeit der Vorsorge und geplanten Kanalsanierungen; eine stadtweite Gefahrenkarte entsteht nur schrittweise über die nächsten Jahre. Bis dahin ist die Hinweiskarte die Grundlage für ganz Berlin. Für Fragen zur Regenwasserbewirtschaftung auf dem eigenen Grundstück bietet die Berliner Regenwasseragentur eine kostenlose Erstberatung.
Förderung und Regeln in Berlin
Bei Neubau, Umbau oder Nutzungsänderung muss das Regenwasser in Berlin grundsätzlich auf dem Grundstück bewirtschaftet werden (Hinweisblatt BReWa-BE, Stand Juli 2021). Ist eine Einleitung unvermeidbar, ist sie nur in Höhe des Abflusses im unversiegelten Zustand zulässig; im Gebiet der Mischkanalisation ist sie grundsätzlich nicht mehr möglich. Was darüber hinausgeht, muss schadlos auf dem Grundstück zurückgehalten werden und darf nicht auf Straße oder Nachbargrundstück laufen. Dafür ist ein Überflutungsnachweis zu führen, bei Grundstücken über 800 m² im Sinne der technischen Regelwerke, darunter in Anlehnung daran.
Außerhalb von Trinkwasserschutzzonen darf Niederschlagswasser unter bestimmten Voraussetzungen ohne Erlaubnis versickert werden (Niederschlagswasserfreistellungsverordnung von 2001); sonst ist eine Erlaubnis der Wasserbehörde nötig. Wer Regenwasser auf dem Grundstück bewirtschaftet, kann sich ganz oder teilweise vom Niederschlagswasserentgelt der Berliner Wasserbetriebe befreien lassen.
- GründachPLUS, für Eigentümer und Verfügungsberechtigte von Bestandsgebäuden, beantragt bei der IBB Business Team in zwei Schritten (Vorantrag, Hauptantrag): Dachbegrünung bis zu 95 €/m² ab 10 cm Substrat und bis zu 180 €/m² ab 26 cm, 7,50 €/m² zusätzlich für ein Biodiversitätsdach, bis zu 40 €/m² Mehrkosten bei Kombination mit Solar; Fassadenbegrünung 50 % der Kosten, mit Bewässerung aus Dachregenwasser 60 %. Laut Senatsverwaltung konzentriert sich der Geltungsbereich auf hochverdichtete Quartiere. Das Programm lief im Oktober 2026.
So prüfst du ein Haus auf Starkregen
- Lage: Steht das Haus in einer Senke, am Fuß eines Hangs oder tiefer als die Straße? Wasser sucht sich den tiefsten Punkt, auch weit weg von jedem Bach.
- Öffnungen: Kellertreppe, Lichtschächte, Garageneinfahrt und ebenerdige Türen sind die Wege ins Haus. Eine Aufkantung von einigen Zentimetern hält oft schon viel ab.
- Rückstau: Abläufe unter der Straßenoberkante brauchen eine Rückstausicherung, sonst drückt der volle Kanal das Wasser in den Keller. Viele Entwässerungssatzungen der Gemeinden schreiben sie vor, viele Versicherungen setzen sie voraus. Lass dir zeigen, wo sie sitzt und wann sie zuletzt gewartet wurde.
- Frühere Schäden: Frag den Verkäufer, ob schon einmal Wasser im Keller stand, und sieh nach Wasserrändern, frischem Putz unten an den Wänden und Luftentfeuchtern.
- Versicherung: Starkregen und Rückstau deckt nur der Elementarschutz. In Berlin haben ihn 53 % der Wohngebäude (2025, GDV), im Bundesschnitt 59 %. Hol vor dem Kauf ein Angebot für die Adresse ein.
Was Hausprobe für Adressen in Berlin zeigt
Hausprobe zeigt in Berlin die Wassertiefe bei extremem Starkregen aus der Hinweiskarte des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG), direkt am Haus.
Dazu kommen Hochwasser, Lärm, Radon, Hitze, Bodenwert und die Kosten für das Haus selbst.
Häufige Fragen
- Was ist der Unterschied zwischen Starkregenhinweiskarte und Starkregengefahrenkarte in Berlin?
- Die Hinweiskarte deckt ganz Berlin ab, rechnet aber ohne Kanalnetz und Versickerung und ist deshalb nur eine erste Einschätzung. Die Gefahrenkarte rechnet Kanalnetz, Versickerung und Oberfläche gemeinsam und ist genauer, liegt aber bisher nur für einzelne Gebiete vor. Wo es sie gibt, soll laut Senatsverwaltung sie für die Bewertung genutzt werden.
- Kann ich mir einen Bericht für eine Adresse erstellen lassen?
- Ja. Das Hochwasser-Infoportal hochwasser.berlin.de zeigt seit 12. Mai 2026 Starkregenhinweis- und Starkregengefahrenkarte für einen Standort, zusammen mit Hinweisen zur Vorsorge, und gibt das Ergebnis als PDF aus.
- Warum sind in der Berliner Karte Feuerwehreinsätze eingetragen?
- Sie zeigen, wo Starkregen schon Schäden verursacht hat. Die Senatsverwaltung wertet sie als Hinweis, dass es dort wieder passieren kann. Einzelne Einsätze erscheinen ab Maßstab 1:25.000 als Punkte, sonst zusammengefasst je Block oder Straßenabschnitt.
- Was ist der Unterschied zwischen Hochwasser und Starkregen?
- Hochwasser kommt aus einem Fluss oder vom Meer und betrifft die Flächen am Gewässer, die die Hochwasserkarten zeigen. Starkregen fällt direkt auf das Gelände: Das Wasser fließt über Straßen und Wiesen ab und sammelt sich in Senken, auch weit weg von jedem Gewässer. Beides deckt nur der Elementarschutz der Gebäudeversicherung.
- Zahlt die Gebäudeversicherung bei Starkregen?
- Nur mit Elementarschutz. Die normale Wohngebäudeversicherung deckt Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel, aber keine Überschwemmung durch Starkregen und keinen Rückstau aus dem Kanal. In Berlin haben ihn 53 % der Wohngebäude (2025, GDV).
Quellen
- SenMVKU: Karten zeigen Gefahren durch Starkregen
- SenMVKU: Starkregen, Häufig gestellte Fragen
- SenMVKU: Pressemitteilung „Karten zeigen, wo Starkregen in Berlin zu Überflutungen führen kann“ vom 22.01.2024
- SenMVKU: Pressemitteilung „Ein weiterer Baustein in der Starkregenvorsorge“ vom 20.02.2025
- Umweltatlas Berlin: Starkregen, Einleitung
- Umweltatlas Berlin: Starkregen, Kartenbeschreibung (Karten 02.24.1 und 02.24.2)
- Geoportal Berlin: Starkregenhinweiskarte
- Geoportal Berlin: Starkregengefahrenkarte
- Hochwasser-Infoportal Berlin (HochwasserCheck)
- Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 18/28189: Gefahren durch Starkregen in Berlin und Pankow, Antwort vom 06.08.2021 (Bemessung der Regenkanäle)
- SenMVKU: Regenwasser, Rechtliche Grundlagen (BReWa-BE, Niederschlagswasserfreistellung)
- Land Berlin: GründachPLUS
- BKG: Dokumentation Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG), Produktstand 2024, Stand 25.09.2026
- BKG: FAQ Hinweiskarte Starkregengefahren, Stand 25.09.2026
- BKG: Hinweiskarte Starkregengefahren (Projektseite, Bearbeitungsstand Q1/2026)
- BKG: Produktseite WMS Hinweiskarte Starkregengefahren mit Direktdownload je Bundesland
- Geoportal.de: Metadaten Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG)
- BKG: Datenquellen der Hinweiskarte Starkregengefahren
- BKG (Prof. Dr. Paul Becker): Vortrag Hinweiskarte Starkregengefahren, 28. Gewässersymposium Güstrow, 21.05.2025 (Szenarien, Legendenklassen)
- GDV, Naturgefahrenreport 2026: Versicherungsdichte der Elementarschadenversicherung nach Bundesland (2025, vorläufig)