Starkregenkarte Bayern: Starkregengefahr vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 31.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Bayern hat eine eigene landesweite Hinweiskarte Oberflächenabfluss und Sturzflut. Sie zeigt Fließwege, Senken und Aufstaubereiche, aber keine Wassertiefen; die Karte des Bundes ist für Bayern noch in Arbeit.
Starkregen in Bayern
In Bayern heißt die Gefahr bei Starkregen oft Sturzflut: Kleine Bäche schwellen ohne ausreichende Vorwarnzeit an, und wild abfließendes Wasser überflutet auch Flächen weit weg von jedem Gewässer. Beides geschah im Mai und Juni 2016 in fast ganz Bayern, als sich kleinräumige, ortsfeste Gewitterzellen über teils schon durchnässten Böden entluden. In Schwaben und Oberbayern kamen vom 27. Mai bis 26. Juni gebietsweise über 300 mm Regen zusammen.
Seit diesen Ereignissen fördert der Freistaat Konzepte zum kommunalen Sturzflut-Risikomanagement; bis Februar 2024 hatten rund 200 Kommunen dafür rund 20 Mio. € beantragt. Die bayerische Wasserwirtschaftsverwaltung empfiehlt allen Hauseigentümern pauschal eine Elementarschadenversicherung, weil lokale Überflutungen durch Starkregen überall in Bayern auftreten können, auch dort, wo die Karte nichts zeigt.
- 1. Juni 2016, Simbach am Inn (Landkreis Rottal-Inn): örtlich über 180 mm Regen in 48 Stunden; der Simbach wurde zur Sturzflut, im Landkreis starben sieben Menschen, die von den Wassermassen überrascht wurden
- 29. Mai 2016, Raum Ansbach: rund 50 mm Regen in sechs Stunden; Schlammlawinen, Fränkische Rezat und Zenn traten teilweise über die Ufer
- 17./18. Juli 2021, Berchtesgadener Talkessel (Landkreis Berchtesgadener Land): stundenlanger Starkregen; Muren am Grünstein beschädigten Häuser in Schönau am Königssee, rund 100 Schäden an Gewässern und Bauwerken des Freistaats, bis Januar 2022 rund 1,4 Mio. € für die Reparatur
Die Starkregenkarten für Bayern
Die Hinweiskarte Oberflächenabfluss und Sturzflut ist seit 1. Februar 2024 für ganz Bayern frei im UmweltAtlas. Sie beruht auf einem Verfahren aus dem Forschungsprojekt HiOS (TU München, LMU und Leibniz-Rechenzentrum, 2017–2020) und wertet das digitale Geländemodell mit Gebäuden, Brücken und Durchlässen aus, Datenstand 2021. Ein bestimmtes Regenereignis rechnet sie nicht: Fließwege sind nach der Größe ihres Einzugsgebiets in mäßigen, erhöhten und starken Abfluss eingeteilt, dazu kommen Geländesenken, Aufstaubereiche vor Durchlässen und kleinen Brücken sowie wassersensible Böden. Wie weit und wie tief Wasser steht, zeigt sie nicht; Kanalisation und Versickerung spielen keine Rolle. Innerorts ist sie weniger zuverlässig als am Ortsrand, weil Bordsteine und Gartenmauern im Geländemodell fehlen. Sichtbar ist sie nur zwischen 1:9.000 und 1:25.000.
- Hinweiskarte Oberflächenabfluss und Sturzflut im UmweltAtlas Bayern ↗ · nur im Maßstab 1:9.000 bis 1:25.000 sichtbar
Was die Karten nicht zeigen
Eine Karte ohne Treffer heißt nicht, dass das Haus sicher ist. Sie zeigt, wo Wasser abfließt und sich sammelt. Ob es ins Haus kommt, entscheiden Kellerfenster, Einfahrt und Rückstausicherung.
Starkregenkarten der Gemeinden in Bayern
Wie Gemeinden vorgehen, regelt der „Leitfaden zur Aufstellung Integraler Konzepte zum kommunalen Sturzflut-Risikomanagement“. Am Anfang steht eine Grobanalyse mit der Hinweiskarte. Danach rechnen Fachbüros mit hydraulischen Modellen genauere Gefahrenkarten mit Ausdehnung, Wasserständen und Fließgeschwindigkeiten für Ereignisse bestimmter Wiederkehrzeit; darauf baut die Gemeinde ihre Strategie auf. Beraten werden die Gemeinden vom zuständigen Wasserwirtschaftsamt. Ob es für deinen Ort ein Sturzflutkonzept mit Gefahrenkarten gibt, erfährst du bei der Gemeinde oder beim Wasserwirtschaftsamt.
Förderung und Regeln in Bayern
Die Hinweiskarte Oberflächenabfluss und Sturzflut hat keine rechtlichen Folgen: Anders als in festgesetzten Überschwemmungsgebieten ergeben sich aus ihr keine Nutzungseinschränkungen, Ver- oder Gebote. Gemeinden sollen sie aber in ihrer Bauleitplanung berücksichtigen.
- Richtlinien für Zuwendungen zu wasserwirtschaftlichen Vorhaben (RZWas 2025, gültig vom 1. April 2025 bis 31. Dezember 2028), für Kommunen: Der Freistaat fördert Sturzflutkonzepte mit 75 % der zuwendungsfähigen Kosten. Vor dem Antrag ist ein Abstimmungsgespräch mit dem Wasserwirtschaftsamt vorgeschrieben, das auch die Förderung abwickelt.
So prüfst du ein Haus auf Starkregen
- Lage: Steht das Haus in einer Senke, am Fuß eines Hangs oder tiefer als die Straße? Wasser sucht sich den tiefsten Punkt, auch weit weg von jedem Bach.
- Öffnungen: Kellertreppe, Lichtschächte, Garageneinfahrt und ebenerdige Türen sind die Wege ins Haus. Eine Aufkantung von einigen Zentimetern hält oft schon viel ab.
- Rückstau: Abläufe unter der Straßenoberkante brauchen eine Rückstausicherung, sonst drückt der volle Kanal das Wasser in den Keller. Viele Entwässerungssatzungen der Gemeinden schreiben sie vor, viele Versicherungen setzen sie voraus. Lass dir zeigen, wo sie sitzt und wann sie zuletzt gewartet wurde.
- Frühere Schäden: Frag den Verkäufer, ob schon einmal Wasser im Keller stand, und sieh nach Wasserrändern, frischem Putz unten an den Wänden und Luftentfeuchtern.
- Versicherung: Starkregen und Rückstau deckt nur der Elementarschutz. In Bayern haben ihn 52 % der Wohngebäude (2025, GDV), im Bundesschnitt 59 %. Hol vor dem Kauf ein Angebot für die Adresse ein.
Was Hausprobe für Adressen in Bayern zeigt
Für Bayern gibt es die Starkregenkarte des Bundes noch nicht. Hausprobe rechnet deshalb selbst: Senken und Fließwege auf dem amtlichen Geländemodell mit 1 m Auflösung, geprüft gegen die Karte des Bundes in 8 Gebieten mit 9.875 Gebäuden (78 % der betroffenen Gebäude erkannt).
Dazu kommen Hochwasser, Lärm, Radon, Hitze, Bodenwert und die Kosten für das Haus selbst.
Häufige Fragen
- Warum zeigt die bayerische Karte keine Wassertiefen?
- Die Hinweiskarte Oberflächenabfluss und Sturzflut beruht nicht auf einer hydraulischen Modellierung, sondern auf einer Auswertung des Geländes. Sie zeigt, wo sich Wasser sammeln und fließen kann, aber nicht, wie hoch es steht. Wassertiefen liefern die genaueren Gefahrenkarten aus kommunalen Sturzflutkonzepten und später die Hinweiskarte des Bundes.
- Das Haus liegt an einem roten Fließweg. Was heißt das?
- Rot steht für starken Abfluss: Auf diesem Fließweg sammelt sich Wasser aus einem großen Einzugsgebiet. Ob es ins Haus läuft, hängt laut LfU von Details vor Ort ab, etwa ob Kellerfenster, Lichtschächte, Tiefgarageneinfahrt oder Haustür deutlich über dem Gelände liegen. Schau dir genau diese Stellen bei der Besichtigung an.
- Gibt es für Bayern die Starkregenkarte des Bundes?
- Noch nicht. Laut BKG ist Bayern in Erstellung. Bis dahin ist die Hinweiskarte des LfU die einzige landesweite Quelle.
- Was ist der Unterschied zwischen Hochwasser und Starkregen?
- Hochwasser kommt aus einem Fluss oder vom Meer und betrifft die Flächen am Gewässer, die die Hochwasserkarten zeigen. Starkregen fällt direkt auf das Gelände: Das Wasser fließt über Straßen und Wiesen ab und sammelt sich in Senken, auch weit weg von jedem Gewässer. Beides deckt nur der Elementarschutz der Gebäudeversicherung.
- Zahlt die Gebäudeversicherung bei Starkregen?
- Nur mit Elementarschutz. Die normale Wohngebäudeversicherung deckt Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel, aber keine Überschwemmung durch Starkregen und keinen Rückstau aus dem Kanal. In Bayern haben ihn 52 % der Wohngebäude (2025, GDV).
Quellen
- LfU Bayern: Hinweiskarte Oberflächenabfluss und Sturzflut
- LfU Bayern: FAQ Starkregen, Stand Januar 2024
- LfU Bayern: Forschungsprojekt HiOS
- LfU Bayern: Was ist kommunales Sturzflut-Risikomanagement?
- Bayerische Staatsregierung: „Sturzflut-Hinweiskarte für Bayern veröffentlicht“, Pressemitteilung vom 01.02.2024
- StMUV: Förderung wasserwirtschaftlicher Vorhaben (Sturzfluten)
- StMUV: Übersicht der Fördermöglichkeiten nach Nr. 2.1 RZWas 2025
- Richtlinien für Zuwendungen zu wasserwirtschaftlichen Vorhaben (RZWas 2025), Bekanntmachung vom 14. März 2025 (BayMBl. Nr. 135)
- RZWas 2025, Anhang Teil A (Förderung nichtstaatlicher Wasserbauvorhaben)
- LfU Bayern: Hochwasser Mai/Juni 2016
- KLIWA: Starkregenereignisse 2016 (Auszug aus dem Monitoringbericht 2016)
- Wasserwirtschaftsamt Traunstein: Presseinformation „Fast alle Schäden sind beseitigt“ vom 27.01.2022
- BKG: Hinweiskarte Starkregengefahren (Projektseite, Bearbeitungsstand Q1/2026)
- GDV, Naturgefahrenreport 2026: Versicherungsdichte der Elementarschadenversicherung nach Bundesland (2025, vorläufig)