Starkregenkarte Saarland: Starkregengefahr vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 31.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Das Saarland rechnet in seiner landesweiten Starkregenkarte mit einem extremen Regen von 200 mm in der Stunde, doppelt so viel wie die Hinweiskarte des Bundes. Eine zweite Karte bewertet, wie gefährlich Wassertiefe und Strömung zusammen sind.
Starkregen im Saarland
Von 2002 bis 2021 zählten die Versicherer im Saarland Starkregenschäden an Wohngebäuden von 120 Millionen Euro, statistisch bei 70,7 von 1.000 Häusern. Am häufigsten traf es den Saarpfalz-Kreis, wo jedes achte versicherte Haus (120,5 von 1.000) einen Schaden hatte, am seltensten Neunkirchen mit 55,1 von 1.000.
Pfingsten 2024 zeigt, wie nah Starkregen und Hochwasser hier beieinanderliegen. Das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz ordnet den Regen vom 17. Mai 2024 zwischen einem örtlichen Starkregen und einem großflächigen Flusshochwasser ein: Teils über 100 mm fielen in 24 Stunden als gleichmäßiger Dauerregen fast im ganzen Land, auf Böden, die seit Oktober 2023 nass waren. Die Überflutungen traten vor allem an Bächen und Flüssen auf, nicht wie bei Sturzfluten unterhalb von Hängen; es gab aber Hangrutschungen. Feuerwehren und Rettungskräfte hatten weit über 4.000 Einsätze.
Die höchsten dokumentierten Regenmengen für 18 bis 48 Stunden fielen im Saarland im Mai 1970: In Saarbrücken-Ensheim kamen bis zum 12. Mai 1970 in 48 Stunden 134,5 l/m² zusammen (DWD).
- 17. Juni 2020, Regionalverband Saarbrücken: Starkregen mit überschwemmten Kellern und hochgedrückten Kanaldeckeln
- 17. Mai 2024, fast das ganze Saarland, besonders an Blies und Saar: in Saarbrücken-Ensheim 111,2 l/m² in 18 Stunden, seltener als ein hundertjährliches Ereignis; mit 229 l/m² wurde der Mai 2024 der nasseste seit Messbeginn
- 2. August 2024, Saarland: nach heftigen Starkregengewittern über 700 Unwettereinsätze
Die Starkregenkarten für Saarland
Die Extrem-Starkregenkarten im GeoPortal Saarland zeigen landesweit Überflutungsflächen mit Wassertiefen sowie Fließwege mit Richtung und Geschwindigkeit. Gerechnet sind ein hundertjährlicher Starkregen, je nach Ort 39,6–44,2 mm in der Stunde nach den Daten des DWD von 2020, und ein extremster mit 200 mm in der Stunde, mit einem zweidimensionalen Abflussmodell auf einem Geländemodell mit 1 Meter Auflösung. An Blies, Prims und Saar zeigt die Karte statt Starkregen die Überflutung durch ein extremes Flusshochwasser. Dazu kommt eine Gefahrenbewertung, die Wassertiefe und Fließgeschwindigkeit verknüpft und die Gefahr für Menschen, Fahrzeuge und Gebäude in Klassen von 0 (gering) bis 3 (sehr hoch) einstuft. Die Karten sind nicht flurstücksgenau, nicht rechtsverbindlich und ersetzen keine Prüfung vor Ort. Die Anleitung des Landes trägt den Stand vom 4. April 2025. Für die Hinweiskarte des Bundes hat das Saarland ein hundertjährliches Szenario bereitgestellt.
- Extrem-Starkregenkarten des Saarlandes ↗ · Starkregengefahrenkarte und Gefahrenbewertung Starkregen (Extrem / N100) im GeoPortal Saarland
- Hinweiskarte Starkregengefahren im Geoportal.de ↗ · Adresse eingeben, dann Szenario und Ebene wählen
Die Hinweiskarte Starkregengefahren des Bundes
Die Karte rechnet zwei Regen von je einer Stunde: einen außergewöhnlichen, wie er statistisch etwa einmal in 100 Jahren vorkommt, mit der Regenmenge des Deutschen Wetterdiensts für die jeweilige Region (je nach Land etwa 35 bis 55 mm), und einen extremen mit 100 mm, in Nordrhein-Westfalen 90 mm. Für beide zeigt sie, wie tief das Wasser höchstens steht, in Stufen von 10 cm bis über 4 m, wie schnell es fließt und in welche Richtung. Wasser unter 10 cm zeigt sie nicht.
Gerechnet ist sie mit einem Abflussmodell auf dem amtlichen Geländemodell mit 1 m Auflösung. Gebäude sind darin Hindernisse, um die das Wasser herumfließt; Durchlässe und Rohre ab 50 cm Durchmesser und Pumpwerke sind berücksichtigt.
Was die Karten nicht zeigen
Das Kanalnetz und die Versickerung im Boden rechnet die Karte nicht mit: Aller Regen fließt an der Oberfläche ab. Durchlässe unter 50 cm, Mauern und Bordsteine fehlen. Ob Wasser ins Haus oder in den Keller läuft, berechnet sie nicht, und Hochwasser aus Flüssen zeigt sie nicht. Das BKG nennt sie eine erste Orientierung, nicht metergenau und rechtlich nicht verbindlich; wo es Karten des Landes oder der Gemeinde gibt, gehen diese vor.
Eine Karte ohne Treffer heißt nicht, dass das Haus sicher ist. Sie zeigt, wo Wasser abfließt und sich sammelt. Ob es ins Haus kommt, entscheiden Kellerfenster, Einfahrt und Rückstausicherung.
Starkregenkarten der Gemeinden im Saarland
Kommunale Hochwasser- und Starkregenkonzepte sollen die häufigeren Starkregen abdecken, die Landeskarte die extremen. Nach den Extremregen im Mai und Juni 2016 startete das Umweltministerium Pilotprojekte in Eppelborn, Wadern und Sulzbach/Friedrichsthal und förderte sie mit 80 %. Im GeoPortal stehen inzwischen die Starkregengefahrenkarten von sieben Kommunen: Freisen, Homburg, Merzig, Namborn, Oberthal, Ottweiler und Schmelz. Sie sind untereinander nicht vergleichbar, weil die Kommunen unterschiedliche Modelle und Regenereignisse genutzt haben, und noch decken sie nicht alle Gemeinden ab. Für andere Orte frag bei der Gemeinde, ob es ein Starkregenvorsorgekonzept gibt.
Förderung und Regeln im Saarland
Für Grundstücke, die nach dem 1. Januar 1999 erstmals bebaut, befestigt oder an die öffentliche Kanalisation angeschlossen wurden, soll Regenwasser vor Ort genutzt, versickert, verrieselt oder in ein Gewässer eingeleitet werden, wenn das ohne Nachteile für die Allgemeinheit möglich ist und die Abwassersatzung der Gemeinde es nicht anders regelt (§ 49a Saarländisches Wassergesetz). Welche Lösung für ein Grundstück gilt, steht in der Abwassersatzung der Gemeinde.
- Förderrichtlinie FRL-HWS: Das Umweltministerium fördert Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepte sowie Maßnahmen des Hochwasser- und Starkregenrisikomanagements der Kommunen; so steht es im Oktober 2026 im GeoPortal Saarland. Einen aktuellen Fördersatz nennt das Land dort nicht.
So prüfst du ein Haus auf Starkregen
- Lage: Steht das Haus in einer Senke, am Fuß eines Hangs oder tiefer als die Straße? Wasser sucht sich den tiefsten Punkt, auch weit weg von jedem Bach.
- Öffnungen: Kellertreppe, Lichtschächte, Garageneinfahrt und ebenerdige Türen sind die Wege ins Haus. Eine Aufkantung von einigen Zentimetern hält oft schon viel ab.
- Rückstau: Abläufe unter der Straßenoberkante brauchen eine Rückstausicherung, sonst drückt der volle Kanal das Wasser in den Keller. Viele Entwässerungssatzungen der Gemeinden schreiben sie vor, viele Versicherungen setzen sie voraus. Lass dir zeigen, wo sie sitzt und wann sie zuletzt gewartet wurde.
- Frühere Schäden: Frag den Verkäufer, ob schon einmal Wasser im Keller stand, und sieh nach Wasserrändern, frischem Putz unten an den Wänden und Luftentfeuchtern.
- Versicherung: Starkregen und Rückstau deckt nur der Elementarschutz. Im Saarland haben ihn 56 % der Wohngebäude (2025, GDV), im Bundesschnitt 59 %. Hol vor dem Kauf ein Angebot für die Adresse ein.
Was Hausprobe für Adressen im Saarland zeigt
Hausprobe zeigt im Saarland die Wassertiefe bei extremem Starkregen aus der Hinweiskarte des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG), direkt am Haus.
Dazu kommen Hochwasser, Lärm, Radon, Hitze, Bodenwert und die Kosten für das Haus selbst.
Häufige Fragen
- Was zeigt die Gefahrenbewertung in der Saarland-Karte?
- Sie verknüpft Wassertiefe und Fließgeschwindigkeit, denn auch flaches, schnelles Wasser kann gefährlich sein. Die Gefahr für Menschen, Fahrzeuge und Gebäude ist in Klassen von 0 (weiß, gering) bis 3 (rot, sehr hoch) eingestuft. Je höher die Klasse am Haus, desto genauer solltest du vor dem Kauf prüfen, wo Wasser ins Gebäude kommen kann.
- Warum rechnet das Saarland mit 200 mm in der Stunde?
- Die Extrem-Starkregenkarten sollen auf Katastrophen vorbereiten, bei denen auch prognostizierte Extremwerte überschritten werden. Deshalb rechnet das Land zusätzlich zum hundertjährlichen Regen mit 200 mm in einer Stunde, doppelt so viel wie die Hinweiskarte des Bundes. Das hundertjährliche Szenario zeigt einen seltenen, realistischen Regen, das extreme den schlimmsten Fall.
- Gibt es für meine Gemeinde eine genauere Karte?
- Im GeoPortal Saarland stehen bisher die kommunalen Starkregengefahrenkarten von Freisen, Homburg, Merzig, Namborn, Oberthal, Ottweiler und Schmelz. Für andere Orte frag bei der Gemeinde, ob sie ein Starkregenvorsorgekonzept hat oder gerade erstellt.
- Was ist der Unterschied zwischen Hochwasser und Starkregen?
- Hochwasser kommt aus einem Fluss oder vom Meer und betrifft die Flächen am Gewässer, die die Hochwasserkarten zeigen. Starkregen fällt direkt auf das Gelände: Das Wasser fließt über Straßen und Wiesen ab und sammelt sich in Senken, auch weit weg von jedem Gewässer. Beides deckt nur der Elementarschutz der Gebäudeversicherung.
- Zahlt die Gebäudeversicherung bei Starkregen?
- Nur mit Elementarschutz. Die normale Wohngebäudeversicherung deckt Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel, aber keine Überschwemmung durch Starkregen und keinen Rückstau aus dem Kanal. Im Saarland haben ihn 56 % der Wohngebäude (2025, GDV).
Quellen
- GeoPortal Saarland: Extrem-Starkregenkarten des Saarlandes
- GeoPortal Saarland: Extrem-Starkregenkarten, Anleitung zur Nutzung (Stand 04.04.2025)
- GeoPortal Saarland: Starkregenkarten der saarländischen Kommunen, mit Hinweis zur Förderrichtlinie FRL-HWS
- LUA Saarland: Auswertung und Einstufung der Hochwasserereignisse vom 17. Mai 2024
- DWD: Hydro-klimatologische Einordnung der Stark- und Dauerniederschläge im Saarland und in Rheinland-Pfalz, Tief „Katinka“, Mai 2024 (Stand 03.06.2024)
- DWD: Deutschlandwetter im Juni 2020
- DWD: Deutschlandwetter im Mai 2024
- DWD: Deutschlandwetter im August 2024
- Deutscher Bundestag, Drucksache 19/32014: Starkregen im Saarland, Antwort der Bundesregierung (13.08.2021)
- Stadt Völklingen: Merkblatt zu Regenwassermaßnahmen, mit § 49a Saarländisches Wassergesetz
- BKG: Dokumentation Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG), Produktstand 2024, Stand 25.09.2026
- GDV: Starkregenbilanz 2002 bis 2021, bundesweit 12,6 Milliarden Euro Schäden, mit Bilanz je Bundesland (aktualisiert 27.07.2023)
- BKG: FAQ Hinweiskarte Starkregengefahren, Stand 25.09.2026
- BKG: Hinweiskarte Starkregengefahren (Projektseite, Bearbeitungsstand Q1/2026)
- BKG: Produktseite WMS Hinweiskarte Starkregengefahren mit Direktdownload je Bundesland
- Geoportal.de: Metadaten Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG)
- BKG: Datenquellen der Hinweiskarte Starkregengefahren
- BKG (Prof. Dr. Paul Becker): Vortrag Hinweiskarte Starkregengefahren, 28. Gewässersymposium Güstrow, 21.05.2025 (Szenarien, Legendenklassen)
- GDV, Naturgefahrenreport 2026: Versicherungsdichte der Elementarschadenversicherung nach Bundesland (2025, vorläufig)