Starkregenkarte Hamburg: Starkregengefahr vor dem Hauskauf prüfen
Aktualisiert am 31.10.2026 · Keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt
Hamburg hat eine eigene Starkregengefahrenkarte, die das Sielnetz und die Versickerung mitrechnet. Für einzelne Grundstücke wertet der Wegweiser Überflutungsvorsorge sie aus.
Starkregen in Hamburg
Starkregen kann laut Umweltbehörde überall in Hamburg auftreten. Besonders gefährdet sind stark versiegelte, dicht bebaute Gebiete, der Übergang von der Geest zur Marsch und Grundstücke an Gräben und Gewässern. Die Siele zu vergrößern, ist nach Einschätzung der Stadt meist keine Lösung: Es kostet viel, dauert lange, und auch größere Siele würden nicht jeden Starkregen aufnehmen.
Stattdessen setzt Hamburg seit dem Projekt RISA (RegenInfraStrukturAnpassung, 2009–2015) auf Rückhalt, Versickerung und offene Entwässerung an der Oberfläche, etwa mit einem Regenwasserspielplatz in Neugraben, einem Notwasserweg im Ohlendorffs Park oder einem Regenspeicher unter dem Sportplatz Möllner Landstraße. Für den Schutz des eigenen Hauses sind die Eigentümer selbst verantwortlich; als Grundlage nennt die Behörde die Starkregengefahrenkarte.
- 6. Juni 2011, Winterhude: erhebliche Sachschäden durch geflutete Tiefgaragen und Ladengeschäfte
- 10. Mai 2018, Lohbrügge, Boberg und Nettelnburg (Bezirk Bergedorf): bis zu 127 l/m² in anderthalb Stunden, Starkregenindex bis 10; Schäden durch Unterspülungen und Erosion
- 18. Juni 2020, Neugraben-Fischbek: Starkregenindex bis 9, geringe Schäden
Die Starkregenkarten für Hamburg
Seit Mai 2024 stellt die Umweltbehörde die Starkregengefahrenkarte bereit. Hamburg Wasser hat sie mit einem gekoppelten Modell aus Sielnetz und Oberfläche berechnet, mit Bodeneigenschaften, Versickerung und hoher Anfangsbodenfeuchte. Sie zeigt maximale Wasserstände (hellblau bis 30 cm, blau bis 50 cm, dunkelblau bis 100 cm) und Fließgeschwindigkeiten für vier Regen: 29 l/m² in einer Stunde (30-jährlich, Starkregenindex 5), 32 l/m² (50-jährlich, SRI 6), 36 l/m² (100-jährlich, SRI 7) und 100 l/m² in einer Stunde (SRI 12). Zuschaltbar sind Fließwege aus einer reinen Geländeanalyse. Die Karte wird neu berechnet, wenn neue Geländedaten vorliegen oder größere Baumaßnahmen fertig sind. Ausufernde Gewässer zeigt sie nur näherungsweise, die Nutzung von Gebäuden gar nicht. Die Hinweiskarte des Bundes gibt es für Hamburg zusätzlich.
- Starkregengefahrenkarte im Wasseratlas Hamburg ↗ · Auswertung je Grundstück im Wegweiser Überflutungsvorsorge: https://geoportal-hamburg.de/ueberflutungsvorsorge/
- Hinweiskarte Starkregengefahren im Geoportal.de ↗ · Adresse eingeben, dann Szenario und Ebene wählen
Die Hinweiskarte Starkregengefahren des Bundes
Die Karte rechnet zwei Regen von je einer Stunde: einen außergewöhnlichen, wie er statistisch etwa einmal in 100 Jahren vorkommt, mit der Regenmenge des Deutschen Wetterdiensts für die jeweilige Region (je nach Land etwa 35 bis 55 mm), und einen extremen mit 100 mm, in Nordrhein-Westfalen 90 mm. Für beide zeigt sie, wie tief das Wasser höchstens steht, in Stufen von 10 cm bis über 4 m, wie schnell es fließt und in welche Richtung. Wasser unter 10 cm zeigt sie nicht.
Gerechnet ist sie mit einem Abflussmodell auf dem amtlichen Geländemodell mit 1 m Auflösung. Gebäude sind darin Hindernisse, um die das Wasser herumfließt; Durchlässe und Rohre ab 50 cm Durchmesser und Pumpwerke sind berücksichtigt.
Was die Karten nicht zeigen
Das Kanalnetz und die Versickerung im Boden rechnet die Karte nicht mit: Aller Regen fließt an der Oberfläche ab. Durchlässe unter 50 cm, Mauern und Bordsteine fehlen. Ob Wasser ins Haus oder in den Keller läuft, berechnet sie nicht, und Hochwasser aus Flüssen zeigt sie nicht. Das BKG nennt sie eine erste Orientierung, nicht metergenau und rechtlich nicht verbindlich; wo es Karten des Landes oder der Gemeinde gibt, gehen diese vor.
Eine Karte ohne Treffer heißt nicht, dass das Haus sicher ist. Sie zeigt, wo Wasser abfließt und sich sammelt. Ob es ins Haus kommt, entscheiden Kellerfenster, Einfahrt und Rückstausicherung.
Starkregenkarten der Gemeinden in Hamburg
Hamburg ist Land und Gemeinde zugleich. Starkregenvorsorge ist Teil des Hamburger Klimaplans; ein institutionsübergreifendes Kernteam Starkregenvorsorge erarbeitet die Grundlagen wie die Gefahrenkarte. Für eine Adresse wertet der Wegweiser Überflutungsvorsorge im Geoportal Starkregen- und Hochwassergefahr aus und gibt Hinweise zur Vorsorge. Beratung, etwa einen Klimaanpassungscheck, bieten die Hamburger Energielotsen; Fragen beantwortet die Umweltbehörde per E-Mail an starkregenvorsorge@bukea.hamburg.de.
Förderung und Regeln in Hamburg
Für Bauprojekte muss in der Regel ein Entwässerungsgutachten nachweisen, dass genug Rückhalteraum auf der Fläche vorgesehen ist und weder Ober- und Unterlieger noch die öffentlichen Siele stärker belastet werden. Für Anbauten oder einen Neubau auf dem Grundstück solltest du das einplanen.
Für begrünte Dächer ab 5 cm Substrat zahlt man in Hamburg nur die Hälfte der Niederschlagswassergebühr, 0,365 statt 0,73 € pro m².
Die Starkregengefahrenkarte hat keine rechtlichen Folgen und ist mit keinen Auflagen verbunden. Ob Versicherer die Daten nutzen, entscheiden sie selbst.
- Hamburger Gründachförderung über die IFB Hamburg, für Grundeigentümer von Wohn- und Nichtwohngebäuden, Anträge bis Ende 2026: einmaliger Zuschuss von pauschal 60 % der Herstellungskosten für private Eigentümer und kleine Unternehmen, ab 20 m² Vegetationsfläche und bis 30 Grad Dachneigung, bei Bestandsgebäuden mit mindestens 8 cm Substrat; mit Solaranlage zusätzlich 50 €/m² für die Unterkonstruktion; höchstens 100.000 € je Gebäude. Gefördert wird nur freiwillige Begrünung ohne rechtliche Auflage.
So prüfst du ein Haus auf Starkregen
- Lage: Steht das Haus in einer Senke, am Fuß eines Hangs oder tiefer als die Straße? Wasser sucht sich den tiefsten Punkt, auch weit weg von jedem Bach.
- Öffnungen: Kellertreppe, Lichtschächte, Garageneinfahrt und ebenerdige Türen sind die Wege ins Haus. Eine Aufkantung von einigen Zentimetern hält oft schon viel ab.
- Rückstau: Abläufe unter der Straßenoberkante brauchen eine Rückstausicherung, sonst drückt der volle Kanal das Wasser in den Keller. Viele Entwässerungssatzungen der Gemeinden schreiben sie vor, viele Versicherungen setzen sie voraus. Lass dir zeigen, wo sie sitzt und wann sie zuletzt gewartet wurde.
- Frühere Schäden: Frag den Verkäufer, ob schon einmal Wasser im Keller stand, und sieh nach Wasserrändern, frischem Putz unten an den Wänden und Luftentfeuchtern.
- Versicherung: Starkregen und Rückstau deckt nur der Elementarschutz. In Hamburg haben ihn 44 % der Wohngebäude (2025, GDV), im Bundesschnitt 59 %. Hol vor dem Kauf ein Angebot für die Adresse ein.
Was Hausprobe für Adressen in Hamburg zeigt
Hausprobe zeigt in Hamburg die Wassertiefe bei extremem Starkregen aus der Hinweiskarte des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG), direkt am Haus.
Dazu kommen Hochwasser, Lärm, Radon, Hitze, Bodenwert und die Kosten für das Haus selbst.
Häufige Fragen
- Hat ein Eintrag in der Hamburger Starkregengefahrenkarte rechtliche Folgen?
- Nein. Laut Umweltbehörde ist die Karte rein informativ und mit keinen Restriktionen oder Anforderungen verbunden. Versicherer schätzen Risiken unabhängig davon ein und entscheiden selbst, ob sie die Daten einbeziehen.
- Wie prüfe ich ein bestimmtes Grundstück in Hamburg?
- Im Wegweiser Überflutungsvorsorge im Geoportal Hamburg: Er wertet Starkregen und Hochwasser für eine Adresse aus. Zeigt die Karte Wasser am Haus, prüf vor Ort Kellerschächte und -abgänge, Tiefgarageneinfahrten und Eingänge und ob Bordsteine oder Hofeinfahrten das Wasser zurückhalten oder lenken.
- Was bedeutet das Szenario mit 100 l/m² in einer Stunde?
- Es liegt in der höchsten Kategorie des Starkregenindex (SRI 12), weit über dem 100-jährlichen Szenario mit 36 l/m², und dient laut Umweltbehörde vor allem dem Katastrophenschutz, etwa um Evakuierungswege zu planen. Wie so ein Regen aussieht, zeigte Lohbrügge im Mai 2018 mit bis zu 127 l/m² in anderthalb Stunden.
- Was ist der Unterschied zwischen Hochwasser und Starkregen?
- Hochwasser kommt aus einem Fluss oder vom Meer und betrifft die Flächen am Gewässer, die die Hochwasserkarten zeigen. Starkregen fällt direkt auf das Gelände: Das Wasser fließt über Straßen und Wiesen ab und sammelt sich in Senken, auch weit weg von jedem Gewässer. Beides deckt nur der Elementarschutz der Gebäudeversicherung.
- Zahlt die Gebäudeversicherung bei Starkregen?
- Nur mit Elementarschutz. Die normale Wohngebäudeversicherung deckt Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel, aber keine Überschwemmung durch Starkregen und keinen Rückstau aus dem Kanal. In Hamburg haben ihn 44 % der Wohngebäude (2025, GDV).
Quellen
- BUKEA Hamburg: Starkregengefahrenkarte
- BUKEA Hamburg: FAQ Starkregenvorsorge, Themenblock 2, Die Situation in Hamburg
- BUKEA Hamburg: FAQ Starkregenvorsorge, Themenblock 3, Hamburgs Strategie
- BUKEA Hamburg: FAQ Starkregenvorsorge, Themenblock 4, Starkregen vorsorgen
- BUKEA Hamburg: Schutz vor Gefahren durch Starkregen (Vorsorgemaßnahmen)
- BUKEA Hamburg: Gründachförderung
- Geoportal Hamburg: Wasseratlas
- Geoportal Hamburg: Wegweiser Überflutungsvorsorge
- BKG: Dokumentation Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG), Produktstand 2024, Stand 25.09.2026
- BKG: FAQ Hinweiskarte Starkregengefahren, Stand 25.09.2026
- BKG: Hinweiskarte Starkregengefahren (Projektseite, Bearbeitungsstand Q1/2026)
- BKG: Produktseite WMS Hinweiskarte Starkregengefahren mit Direktdownload je Bundesland
- Geoportal.de: Metadaten Hinweiskarte Starkregengefahren (HWK_SRG)
- BKG: Datenquellen der Hinweiskarte Starkregengefahren
- BKG (Prof. Dr. Paul Becker): Vortrag Hinweiskarte Starkregengefahren, 28. Gewässersymposium Güstrow, 21.05.2025 (Szenarien, Legendenklassen)
- GDV, Naturgefahrenreport 2026: Versicherungsdichte der Elementarschadenversicherung nach Bundesland (2025, vorläufig)